Bewegung als Verhalten

Bewegung ist ein Grundbedürfnis aller Kleintiere. Und meistens ist dieses Grundbedürfnis größer, als man bei ihrer geringen Größe annehmen mag. Der Bewegungsablauf und auch die Anteile von Bewegungsformen wie Klettern oder Laufen sind je nach Art sehr verschieden, wobei sich alle Arten bis auf die Springnager auf vier Beinen fortbewegen.

Auch das Bewegungsbedürfnis der einzelnen Arten kann sich immens unterscheiden. Während Fettschwanz-Rennmäuse mehr als 10 km in einer Nacht laufen können, sind Baumwollratten eher gemütliche Vertreter. Wichtig ist es für Sie daher, dass Sie über die Bewegungsanforderungen in freier Wildbahn, die Habitatgröße, -aufbau und –art und ähnliches mehr für die gehaltene Art Bescheid wissen. Hieran lassen sich die Ansprüche an das Gehege der als Heimtiere gehaltenen Exemplare gut ablesen.
Arten, die viel laufen, brauchen ein Gehege mit einer möglichst großen Grundfläche und meistens auch ein Laufrad, während baumbewohnende Arten hohe Gehege und viel Fläche zum Klettern benötigen. Sie können zudem mit Rädern und Co. eher wenig anfangen.
Bieten Sie stark kletternden Arten Laufräder an, nehmen die Tiere zwar mitunter sehr gern das Rad, um ihren Bewegungstrieb abzubauen, jedoch kann das Radlaufen die natürlichen Anteile an der Bewegung verschieben. Das gilt in erster Linie für Nager in zu kleinen Gehegen, aber auch für solche, die aus solchen Gehegen stammen und eine regelrecht Laufradsucht entwickelt haben. Die Mäuse laufen mehr und klettern weniger, als von der Natur vorgesehen. Das kann dann zu Defiziten in der Ausprägung ihrer natürlichen Kletterfähigkeiten führen. Zudem können Sie so kein natürliches Bewegungsverhalten mehr beobachten.
Haben Ihre Mäuse von Anfang an ein ausreichend großes, vielseitig gestaltetes Gehege, kommt eine solche Verschiebung seltener vor – kann aber auch auftreten.

Der Bewegungsablauf kann bei den einzelnen Arten sehr unterschiedlich sein. Für alle gleichermaßen gilt jedoch: Bei gesunden, nicht behinderten Tieren ist der Bewegungsablauf fließend und wirkt harmonisch. Macht die Bewegung einen eckigen oder insgesamt unstimmigen Eindruck, sollten Sie das entsprechende Tier sicherheitshalber einem Tierarzt vorstellen.

Können die Tiere ihrem natürlichen Bewegungstrieb nicht ausreichend nachgehen, bilden sie verschiedene Verhaltensstörungen aus. Ähnlich wie bei zu kleinen Gehegen im Zoo lassen sich häufig Stereotypien beobachten. Aber auch Aggressionen, „Zerstörungswut“ und Übergewicht können die Folge sein.
Diesem Grundbedürfnis der Tiere müssen Sie also in jedem Fall ausreichend nachkommen und sollten diesen Punkt daher bei Ihren Anschaffungsüberlegungen in Gehegeart und -größe mit einbeziehen.