Handhabung – Wie fasse ich meine Mäuse an?

Wie fasse ich meine Mäuse richtig an? Diese Frage bedarf bei den einzelnen Arten unterschiedlicher Antworten. Hier stelle ich Ihnen die grundlegenden Techniken zur Handhabung von Mäusen vor.
Für alle Formen der Handhabung gilt gleichermaßen: nicht hektisch werden! Sonst werden auch die Tiere hektischer oder noch panischer, als sie es vielleicht schon sind. Je ruhiger und entspannter Sie sind, umso einfacher und stressfreier wird das Handling.

Angasen

Angasen steht für eine leichte Betäubung des Tieres mittels Narkosegas. Diese Methode ermöglicht es dem Tierarzt, auch extrem scheue Tiere relativ stressfrei und gründlich ohne Verletzungsrisiko für beide Seiten zu untersuchen und gegebenenfalls auch zu behandeln.

Da jede, auch eine leichte, Narkose ein Risiko darstellt, sollte diese Methode nur bei absoluter Notwendigkeit angewandt werden. Erkundigen Sie sich am besten schon vor dem Arztbesuch, ob es Informationen über die Verträglichkeit des Narkosegases für Ihre Mäuseart gibt, denn nicht jede Art verträgt Narkosegas gleich gut.

Angasen eignet sich also für das Handling:

  • beim Tierarzt
  • extrem scheue Tiere

Beide Hände

Diese Form der Handhabung eignet sich auch zum Einfangen und Umsetzen scheuerer Exemplare: Nehmen Sie die Maus in den Hohlraum zwischen Ihren beiden Händen. Das Tier sitzt dabei auf einer Hand, während die andere es von oben ohne intensive Berührung bedeckt. So können Sie die Maus problemlos von einem Ort zum anderen tragen. Alternativ halten Sie beide Hände mit der Handkante nach unten geschlossen zusammen. Die Maus sitzt dann sicher in dem Hohlraum der Handflächen.
Bei bissigen Tieren sollten Sie einen Handschuh überziehen, um den Nager nicht aus Versehen vor Schreck bei einem Biss fallenzulassen.
Für sehr ängstliche Tiere sollten Sie beachten, dass ein gewisser Stresspegel entsteht. Daher sollten Sie bei solchen Exemplaren nach Möglichkeit auf alternative Methoden (Papprolle, Transportbox) ausweichen.

Handling mit beiden Händen eignet sich für:

  • zu Hause
  • beim Tierarzt
  • eher zahme Tiere
  • Tiere ohne Sprunghemmung

Geschlossene Hand

Das Handling mit der geschlossenen Hand eignet sich insbesondere für Grasmäuse der Gattung Lemniscomys, aber auch für Fettschwanz-Rennmäuse und andere Arten. So kann man z.B. Farbmäuse, die man aus gesundheitlichen Gründen nicht im Nacken halten kann, so etwas fixieren.
Legen Sie ruhig die Hand auf das hochzunehmende Tier. Schließen Sie sie um den Nager und heben Sie ihn so hoch. Wenn Sie Grasmäuse hochheben, sollten die Finger die Seiten des Tieres bedecken, der Bauch bleibt von der Hand jedoch unbedeckt. So lassen sich ruhige Tiere gut händeln und auch über weitere Strecken tragen. Bei sehr scheuen oder stark zappelnden Tieren umschließt die zweite Hand die offene Unterseite der ersten.

Dieses Handling passt für:

  • Tragen zu Hause
  • Handling beim Tierarzt
  • zahme bzw. ruhige Tiere
  • speziell auch für Vielstreifen-Grasmäuse und Fettschwanz-Rennmäuse

Handtuch

Die Handtuch-Methode ist besonders für Untersuchungen beim Tierarzt geeignet. Wickeln Sie die Maus in ein Handtuch, sodass sie bis auf die zu untersuchende Stelle komplett bedeckt ist. Sind Kopf und/oder Augen bedeckt, fühlt sich das Tier sicherer und wird ruhiger. Außerdem verhindert das Handtuch übermäßiges Zappeln.
Je kleiner eine Mäuseart ist, desto schwieriger ist es, diese Methode anzuwenden. Zu empfehlen ist sie deshalb vor allem für Mäuse, Rennmäuse und Exoten ab der Größe einer Mongolischen Rennmaus. Mit etwas Übung und Geschick kann sie aber auch bei kleineren Tieren angewandt werden.

Geeignet bei:

  • Tierarztuntersuchungen
  • vor allem für größere Arten

Hohle Hand

Lassen Sie die Maus auf die Hand laufen oder nehmen Sie sie vorsichtig aktiv hoch. Schließen Sie die Hand ein wenig. So sitzt das Tier sicher in der Hand, ohne herunterfallen zu können. Wichtig ist dabei, dass Sie das Tier nicht zu fest halten, um keine Fluchttendenzen auszulösen.
Geeignet ist diese Form des Aufnehmens und Haltens für:

  • Handling zu Hause
  • Handling beim Tierarzt
  • sehr zahme Mäuse
  • Tiere mit Sprunghemmung

Nackengriff

Der Nackengriff bedarf etwas Übung und Überwindung bei den ersten Malen. Nehmen Sie eine Falte im Nacken des Tieres und fixieren Sie es so. Falls nicht anders erforderlich, unterstützen Sie den Körper des Tieres mit der anderen Hand.
Bei diesem Griff ist es wichtig, zu wissen, wie weit das Fell der jeweiligen Tierart sitzt. So können sich etwa Duprasi-Rennmäuse oder Dschungarische Zwerghamster sehr weit in ihrem Fell umdrehen. Bei einer zu kleinen Falte können sie also im Fell sehr weit drehen und schnell beißen. Bei den verschiedenen Stachelmäusen wiederum sitzt das Fell so straff, dass Sie den Nackengriff generell vermeiden sollten. Die Nager lassen bei diesem Griff schnell ganze Fellbüschel. Im extremfall reißt die darunter liegende Haut.

Dieser Griff kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn das Tier untersucht und dazu fixiert werden muss.
Da er für die fixierte Maus mit erheblichem Stress verbunden ist, sollte der Nackengriff nur bei absoluter Notwendigkeit angewendet werden. Dabei gilt: je scheuer das Tier, umso höher der Stresspegel.
Achtung: Es gibt Mäuse, die aufgrund des hohen Stresspegels oder erheblicher Gegenwehr nicht sicher gehalten werden können. In diesem Fall müssen Sie auf alternative Methoden ausweichen.

Geeignet ist der Griff für:

  • das Handling beim Tierarzt
  • zahme bis mittelmäßig scheue Tiere

Mit etwas Geschick eignet sich der Nackengriff bei nicht allzu scheuen, aber tendenziell bissigen Exoten auch zum Einfangen und Zurücktragen ins Gehege.

Nacken-Rückengriff

Dieser Griff ist die Erweiterung des einfachen Nackengriffes und eignet sich vor allem für Mäuse, die im einfachen Nackengriff stark zappeln. Dabei wird im Nacken- und Rückenfell einer Falte gegriffen, die vom Nackenansatz bis fast zur Schwanzwurzel reicht. Eine Unterstützung des Körpers wie beim einfachen Nackengriff ist hier nicht unbedingt nötig, jedoch für viele Nager angenehmer.

Dieser Griff kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn die Maus für eine Untersuchung sehr fest fixiert werden muss. Da der Nacken-Rückengriff für das fixierte Tier mit erheblichem Stress verbunden ist, sollte dieser nur bei absoluter Notwendigkeit angewendet werden. Dabei gilt: Je scheuer das Tier, umso höher der Stresspegel.
Achtung: Es gibt Tiere, die aufgrund des hohen Stresspegels oder erheblicher Gegenwehr nicht sicher gehalten werden können. In diesem Fall müssen Sie auf alternative Methoden ausweichen.

Geeignet ist der Griff für:

  • das Handling beim Tierarzt
  • zahme bis mittelmäßig scheue Tiere

Nackengriff + Schwanzwurzel

Dieser Griff kommt vor allem beim Tierarzt zur Anwendung. Das Tier wird wie beim normalen Nackengriff in der Genickfalte genommen und auf eine Unterlage gesetzt. Zusätzlich wird es an der Schwanzwurzel fixiert.
Da dieser Griff vor allem bei scheueren Mäusen ein enorm hohes Stresspotential birgt, sollte er nur im äußersten Notfall, etwa bei notwendigen Injektionen, angewendet werden. Vorteil des Griffes ist die fast absolute Bewegungsunfähigkeit des Tieres. Es kann also nicht unvermittelt beispielsweise in die Nadel der Spritze springen und sich so schwer verletzen.

Geeignet bei:

  • Injektionen oder Untersuchungen beim Tierarzt
  • zahmen bis mittelmäßig scheuen Tieren

Papprolle

Legen Sie eine Papprolle von Klopapier oder Küchenkrepp in den Käfig und lassen Sie die Maus hineinlaufen. Anschließend halten Sie beide Enden der Rolle zu und können das gefangene Tier problemlos umsetzen.

Geeignet ist das Verfahren für kleinere, scheue Nager bis zur Größe mongolischer Rennmäuse, die bei Bedrängung nicht gleich zubeißen. Vorteil gegenüber der direkten Berührung mit der Hand ist der geringere Stresspegel bei dem gefangenen Tier.
Einen ähnlichen Effekt erreichen Sie auch mit Nistkästen oder anderen Häusern mit Boden. Hier müssen Sie nur der Einstieg zuhalten, wenn sich das Tier hineingeflüchtet hat.
Dieses Handling eignet sich für:

  • zu Hause
  • eher scheue oder schüchterne Tiere
  • kleinere Arten

Schwanz

Die meisten Mäuse haben sehr lange Schwänze. Wohl deshalb ist es durchaus üblich und verbreitet, diese zum Festhalten zu nutzen. Ein sicheres und vor allem schmerzfreies Handling ist so allerdings nicht möglich. Einige exotische Mäusearten können dadurch sogar leicht ihren Schwanz einbüßen!

Bei Farbmäusen, Vielzitzenmäusen und einigen anderen Arten besteht die Möglichkeit, die Tiere in absoluten Ausnahmefällen (!!!) direkt an der Schwanzwurzel festzuhalten. Das Gewicht der Tiere müssen Sie dabei in jedem Fall durch die zweite Hand unterstützen. Eine Maus frei am Schwanz baumeln zu lassen, tut dem Tier weh. Das sollten Sie also immer vermeiden! Ebenso verbietet sich das Greifen an der Schwanzmitte oder gar am Schwanzende von selbst, da es sehr schmerzhaft für die Tiere ist.

Diese Methode birgt wie alle direkten Berührungen vor allem für scheue Tiere ein hohes Streßpotential.
Eine Ausnahme für das Handling am Schwanz bilden Eurasische Zwergmäuse und Aalstrich-Klettermäuse. Bei beiden Arten ist die Muskulatur so stark ausgeprägt, dass die Tiere den Schwanz als aktiven Greifarm nutzen. Sie können sich daran sogar abseilen. Hier ist die mit dem Schwanz assoziierte Muskulatur also kräftig genug, um das Tier schmerzfrei daran festhalten zu können. Die Regel sollte ein solches Handling aber auch für diese Arten nicht sein.

Transportbox – Handlingbox

Mit einer Transportbox (Faunabox) können Sie nahezu jeden Nager fangen. Legen Sie die Transportbox mit geöffnetem Klarsichtdeckel ins Gehege und warten Sie, bis das Tier aus Neugierde hinein klettert, um die Box zu erkunden. Schließen Sie dann einfach den Deckel und Sie können das Tier problemlos umsetzen.
Es gibt eine ganze Reihe exotischer Kleinnager, die von selbst nicht in die Box klettern. Ein solches Exemplar fangen Sie, indem Sie den farbigen Deckel der Box abnehmen und das Tier mit der Box vorsichtig in die Ecke drängen, sodass es in die Box flüchten muss oder automatisch hinein geschoben wird. Danach verschließen Sie die Box einfach mit dem Deckel. Im Gegensatz zum direkten Kontakt zum Tier ist die Handlingbox für die Nager weniger stressig. Gleichzeitig sinkt für Sie das Risiko , aus Angst gebissen zu werden, gegen Null.

Achtung: Einige Exoten sind sehr stressempfindlich! Gehen Sie mit Ruhe und Geduld ans Werk und scheuchen Sie die Tiere nicht zu sehr!
Passen Sie die Boxengröße der jeweiligen Mausart und deren Größe an. Zu kleine Boxen führen nicht zum Erfolg. Zu große Boxen bergen ein gewisses Verletzungsrisiko, wenn die Tiere ziellos in Panik herumspringen.

Geeignet ist diese Methode für :

  • alle Arten von Mäusen, Rennmäusen und Exoten
  • zu Hause
  • stressarmes Handling für sehr scheue Tiere

Handschuhe

Bauhandschuhe

Am verbreitetsten, jedoch nur bedingt geeignet sind die ungefütterten, einfachen Bauhandschuhe aus Rauleder. Das Leder ist recht stabil und hält auch der Beißkraft größerer Arten stand. Allerdings sind diese Handschuhe bei Tieren ab der Größe einer Mongolischen Rennmaus und kleiner recht unpraktisch, da sie nur wenig Gefühl beim Handling zulassen.
Bauhandschuhe gibt es auch in der gefütterten Version für den Winter aus Kunstleder mit Neopren oder als gefütterte Vollederhandschuhe. Letztere eignen sich recht gut zum Handling von Tieren ab Rattengröße. Allerdings haben Sie hier nur sehr wenig Gefühl durch den Handschuh. Modelle aus Kunstleder mit Neopren sind nicht geeignet, da die Tiere problemlos an den nicht von Leder geschützten Stellen durchbeißen können.
Nachteil aller ledernen Bauhandschuhe: Sie lassen sich nur schwer reinigen und desinfizieren.

Einweghandschuhe

Einweghandschuhe gibt es aus Latex oder auch latexfrei für Allergiker. Sie werden nicht als Beißschutz, sondern als Infektionsschutz und nur bei Indikation zum Handling von Tieren in der Quarantäne getragen. Achten Sie beim Kauf auf die richtige Größe, damit der Handschuh nicht zu stramm sitzt und reißt oder zu weit ist und rutscht.
Einweghandschuhe können in der entsprechenden Größe auch über stabile Lederhandschuhe gezogen werden, wenn es die Umstände erfordern.

Kettenhandschuhe

Gemeint sind hier Kettenhandschuhe aus dem Fleischerhandwerksbedarf. Sie eignen sich für große Arten mit hoher Beißkraft wie etwa Riesenhamsterratten. Kleinere Arten können mitunter durch die Lücken zwischen den Kettengliedern in die Hand beißen.
Da der Kettenhandschuh eng anliegt und sehr flexibel ist, erlaubt er ein optimales Handling. Vorsicht ist dennoch immer angeraten, da der Handschuh nur bis zum Handgelenk geht und die Tiere daher problemlos den ungeschützten Unterarm attackieren können.
Die Reinigung und Desinfektion des Handschuhs ist recht einfach.

Lederhandschuhe

Lederhandschuhe gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen, so etwa als:

  • Reithandschuhe
  • Motorradhandschuhe
  • Winterhandschuhe
  • rein dekorative Handschuhe.

Reithandschuhe bestehen aus einem recht dünnen Leder und eignen sich daher nur für kleine Arten mit eher geringer Beißkraft. Durch das Leder haben Sie noch ein recht gutes Gefühl.
Dagegen widerstehen die meist recht derben Motorradhandschuhe auch der Beißkraft größerer Tiere. Jedoch erlauben sie nur wenig Gefühl beim Handling und eignen sich daher ohnehin nicht gut für Arten, die kleiner sind als Mongolische Rennmäuse.
Winterhandschuhe und rein dekorative Lederhandschuhe bestehen meist aus einem recht feinen Leder und liegen eng an der Hand an. Sie erlauben daher ein gefühlvolles Handling, bieten aber bei beißkräftigeren Tieren nur wenig Schutz. Durch die Unterfütterung sind Winterhandschuhe stabiler. Sommerhandschuhe dagegen eignen sich durch die körpernahe Form und das dünne Leder vor allem für das Handling sehr kleiner Tiere wie Knirpsmäuse oder Zwergmäuse.

Das Problem der Reinigung ist jedoch allen Lederhandschuhen gemein. Zwar lassen sie sich mit kochendem Wasser überbrühen. Jedoch muss das Leder danach gefettet werden, um nicht brüchig zu werden. Dazu verwenden Sie am besten ein Pflanzenöl, um die Tiere keinen chemischen Rückständen auszusetzen. Allerdings können die Handschuhe dann je nach Öl und Alter etwas riechen.
Die Behandlung mit Desinfektionsmittel ist zwar möglich. Das Mittel wird aber vom Handschuh aufgesogen. Daher können Rückstände verbleiben. Deshalb sollten Sie im Zweifelsfall einen Einweghandschuh über den Lederhandschuh ziehen – vor allem, wenn Sie ihn regelmäßig für Tiere in der Quarantäne brauchen.