Exkurs: Trick 17 bis 27 bei der Vergesellschaftung von Mäusen

Im  nachfolgenden Artikel finden Sie kleine Hilfen und Verfahrensweisen, die sich bei mir in der Praxis allgemein oder für bestimmte Situationen bewährt haben. Sie sind vielfach erprobt und haben ihren Nutzen erwiesen. Die meisten eignen sich besonders für Problemfälle. Jedoch gelten für sie auch Einschränkungen. Beachten Sie diese jeweils erwähnten Einschränkungen unbedingt! Diese Rubrik beruht ausschließlich auf meinen persönlichen Erfahrungen und sollte daher nicht als allumfassend gesehen werden, sondern eher als die Sammlung kleiner „Gemeinheiten“, mit denen es dann eben doch klappt.

Müde Tiere zanken weniger!

Sie kennen es vielleicht von sich selbst: Mitten in der Nacht oder eben geweckt, sind die meisten Menschen nicht besonders fit und in körperlicher Höchstform. Tieren geht es hier nicht anders. Daher kann es Aggressionen bremsen, wenn Sie dann mit der Vergesellschaftung beginnen, wenn die Tiere eben zu Bett gegangen wären. Das funktioniert allerdings nur bei Arten, die recht streng an eine Aktivitätszeit gebunden sind. Bei wechselaktiven Arten fruchtet das nichts.

Besonders praktisch ist es bei extrem zeitgebundenen Schläfern wie Wüstenspringmäusen oder Afrikanischen Zwergschläfern.

Gehen Sie Ihren Tieren auf den Senkel!

Aggressionen können sich in einer Vergesellschaftung schnell hochschaukeln und in offenen Konfrontationen enden. Da heißt es: Wehret den Anfängen! Stören Sie die aggressiven Tiere schon beim ersten Ansatz und zeigen Sie Ausdauer. Will heißen, setzen Sie sich daneben und stören Sie den Aggressor – wenn es sein muss, auch über 2 oder 3 Stunden und noch länger. Irgendwann wird es den meisten Kandidaten zu blöd und sie stellen die Aggressionen ein.

Diese Methode hilft allerdings nur bei leichten Aggressionen. Greifen die Mäuse offensiv und ohne Bedenken an, fruchtet auch Stören nichts.

Eine Nacht allein hilft manchmal Wunder!

Manchmal hat man in einer Vergesellschaftung ein Tier dabei, das immer wieder anfängt zu stänkern und so die ganze Vergesellschaftung zu sprengen droht. Hier kann es helfen, den Aggressor für eine Nacht (und harten Fällen für max. 48h!) zu separieren. Kommt er oder sie zurück, ist die Gruppe nicht mehr ganz so vertraut, da der Gruppenduft einer ständigen Wandlung unterliegt. Vor allem wenn die Gruppe, in der er/sie zurückkehrt, etwas größer ist, backt der Aggressor meist kleinere Brötchen als vorher.

Achtung: Hier liegt die Gefahr verborgen, dass die Gruppe das Tier nicht mehr haben will! In sehr seltenen Fällen kann der Aggressor danach auch noch aggressiver reagieren.

Die Methode fruchtet nichts, wenn der Aggressor grundsätzlich nicht in die Gruppe passt. Diesen Trick sollten Sie also nicht mehrmal wiederholen in der Hoffnung, das betroffene Tier doch noch in die Gruppe zwingen zu können.

Käfigunterschale ist NICHT = Käfig!

Vor allem Farbmauskastraten können kurz nach der Kastration aggressiv zu Artgenossen sein. Auch Damen unter sich zicken gerne herum. Die Käfigunterschale ist dann angeraten, wenn Farbmäuse in der Wanne sehr aggressiv aufeinander reagieren.

Nehmen Sie zur Vergesellschaftung nicht einen Hamsterknast, sondern nur die Unterschale desselben und befüllen Sie diese mit Streu. Dort hinein kommen die Tiere mit Futter und Wasser.

Meistens spazieren die Mäuse eine Weile in der Schale und auf deren Rand umher, bevor sie sich niederlassen. Die Tiere sollten mindestens 48 Stunden in der Schale bleiben, bevor Sie das Käfigoberteil drauf machen. Daher funktioniert die Methode auch nur mit (erwachsenen) Farbmäusen. Die bleiben aufgrund ihrer Höhenangst in der Schale. Bevor das Oberteil drauf kommt, können Sie auch schon ein Häuschen anbieten. Stellen sie die Schale über Nacht so, dass die Mäuse mindestens 50cm zum Boden haben und auch die Ränder dessen, worauf die Schale steht, nicht sehen können. Verstehen sich die Farbmäuse nach dieser Maßnahme nicht, können Sie die Vergesellschaftung abbrechen. Es wird dann auch keine andere Methode mehr fruchten.

Achtung: Bei unkastrierten Böcken funktioniert diese Methode gar nicht! Außerdem besteht die Gefahr, dass sich die Mäuse verdrücken, wenn Sie sehr junge Tiere oder solche ohne Höhenangst dabei haben.

Dann lasst sie sich doch kloppen!

Achtung: Diese Methode darf ausschließlich von erfahrenen Haltern angewendet werden, die die Mäuse sehr gut einschätzen können!

Besonders bei kastrierten Farbmausböcken hat es sich in einigen Fällen bewährt, wenn man sich die Tiere einfach prügeln lässt. Bei Meriones-Arten geht dieses dagegen grundsätzlich schief. Sinn des Ganzen ist, sie die Rangordnung selbst ausmachen zu lassen. Die Kämpfe sind dann meist nicht sehr lang, aber dafür heftig und meist mit kleinen, blutigen Wunden verbunden. Dafür ist das Ergebnis in der Regel eine stabile Rangordnung.

Es ergeben sich folgende Fragen:

  • Wann lohnt es sich, die Mäuse ihre Aggressionen ausleben zu lassen?
  • Wie lange und wie heftig dürfen die Kämpfe sein?
  • Schaukeln sich die Tiere hoch oder klären sie wirklich den Rang?
  • Wo sind die Grenzen?

Diese Fragen lassen sich nur mit extrem viel Erfahrung beantworten. Wer diese Vergesellschaftungsmethode ohne diese Erfahrung probiert, riskiert schwer verletzte Tiere oder sogar Tote, weil die Mäuse durch den Stress einen Kreislaufkollaps erleiden! Nicht nur für komplette Anfänger heißt es daher: Finger weg von diesem Trick!