Die Mäuse und das Laufrad

Ein Laufrad für Mäuse – notwendig oder nicht?

Laufräder spalten die Nagerhalter in Gegner und Befürworter. Generell zähle ich mich weder zu der einen, noch zu der anderen Gruppe. Räder sind hier zum einen Bewegungsgelegenheiten, zum anderen Spielzeug.
Wenn Sie Ihren Mäusen ein Rad anbieten möchten, überlegen Sie, ob die Laufbewegung einen großen Teil des natürlichen Bewegungsspektrums einnimmt. Sinnvoll wäre es beispielsweise für Lemminge, Hamster und einige Rennmäuse, die kaum bis gar nicht klettern. Hier bietet das Rad eine hervorragende Gelegenheit, den Bewegungstrieb auszuleben. Das ist für Arten, die teilweise bis zu 10km pro Nacht laufen (z.B. Zwerghamster, Fettschwanz-Rennmäuse) sehr wichtig.
Für weniger laufbetonte, kletternde Arten wie Farbmäuse oder Vielzitzenmäuse sind Laufräder zum einen Bewegungselement, zum anderen aber auch Spielzeug.
Weniger sinnvoll wäre ein Rad dagegen beispielsweise für Akazienratten oder Zwergschläfer. Diese Tiere klettern viel und sehr gut. Solchen Arten lieber mehr Äste und andere Kletterfläche für ihren Bewegungsdrang anbieten. Als Spielzeug sind Laufräder aber auch für diese Arten mitunter wehr willkommen.

Welches Rad ist das Richtige für meine Mäuse?

Laufräder gibt es viele. Aber die wenigsten sind gut und gesund für die Tiere. Für uneingeschränkt empfehlenswert halte ich lediglich die Holzlaufräder wie die von Rodipet und Karlie Wonderland sowie die bauartgleichen metallenen oder metallbeschlagenen Räder für Degus und ähnlich starke Nager. Sie erfüllen die folgenden Anforderungen an ein sicheres Laufrad:

  • einseitige Aufhängung
  • geschlossene Lauffläche
  • geschlossene Rückwand
  • komplett offene Front
  • Durchmesser so, dass das Tier den Rücken nicht durchbiegt beim Laufen
  • unbedenkliches Material

Inzwischen hat sich bei den Laufrädern aus Holz gezeigt, dass es Mäuse gibt, die sich drunterzwängen und steckenbleiben oder gar eingeklemmt werden, da das Rad zum Boden nur einen sehr geringen Abstand hat. Das kommt zwar nur sehr selten vor. Wer jedoch fürchtet, solche Experten zu haben, kann ein solches Rad auch kopfüber an der Decke aufhängen.

Der richtige Durchmesser fürs Laufrad

Grundsätzlich kann ein Laufrad für Mäuse kaum zu groß sein, solange es leichtgängig aufgehängt ist. Zwar gibt es im Handel Laufräder schon ab 10 cm Durchmesser. Die sind jedoch maximal für Knirpsmäuse brauchbar. Das setzt voraus, dass die Aufhängung besonders leichtgängig und das Rad an sich sehr leicht ist. Nur dann können die winzigen Mäuse es auch bewegen.
Die Größe des Rades lässt sich recht leicht ermitteln. Ihre Nager sollten im Rad beim Laufen noch einen geraden Rücken haben.
Schwierig wird bei dieser Maßgabe die Suche nach Rädern für sehr große Mäuse. Hier werden Sie wahrscheinlich am ehesten fündig, wenn Sie nach Hörnchenrädern oder nach „Riesenlaufrad“ googeln. Auch für Chonchillas und Degus gibt es sehr große Räder, die auch für große Mausarten passen. Die stellt zum Beispiel die Laufradschmiede her. Wer für seine Tiere ein extrem großes Laufrad sucht, findet dieses mitunter erst bei den Katzenlaufrädern, die Größen ab etwa 90 cm Durchmesser haben.

Und welches Rad lieber nicht?

Metalllaufrad
Der Inbegriff eines schlechten Laufrads: das klassische Metalllaufrad

Leider werden im Zoohandel immer noch ungeeignete bis höchst gefährliche Laufräder für Mäuse angeboten, da dies leider gesetzlich bis heute nicht verboten ist.
Es handelt sich hierbei um Räder mit folgenden Eigenschaften:

  • Räder mit Sprossen als Lauffläche
  • Räder mit zweiseitiger Aufhängung
  • Räder mit Schereneffekt
  • Zu kleine Räder, in denen die Tiere beim Laufen die Wirbelsäule stark durchbiegen
  • Räder aus Weichplastik

Die Folgen falscher Räder

Die ersten drei Punkte treffen vor allem auf die am häufigsten verkauften, billigen Metallaufräder zu. Leider wird nicht jeder Kunde beim Kauf aufgeklärt, welche gesundheitlichen Folgen ein solches Rad für seine neuen Schützlinge haben kann. Dazu gehören:

  • verrenkte und gebrochene Gliedmaßen
  • Quetschungen und Prellungen
  • Schwanz oder Gliedmaßen werden skelettiert oder sogar abgerissen
  • Wirbelsäulenverkrümmungen, einseitige Abnutzungen und Bandscheibenvorfälle durch zu kleine Räder

Trotz dieser Gefahren, verkauft so mancher Zoohandlungsmitarbeiter noch immer in Beratungsgesprächen das falsche Laufrad für Mäuse. Heute sind es weniger die Metalllaufräder, die fälschlicherweise empfohlen werden. Häufiger ist es die falsche Größe. Immer noch werden beispielsweise Räder mit einem Durchmesser von 15 oder gar 10 cm für farbmausgroße Arten verkauft.