Gehegebeurteilungen – Welchen Mäusekäfig soll ich nehmen?

Es gibt viele Möglichkeiten, Mäuse zu halten. Doch nicht jedes Gehege eignet sich für jede Nagerart – und manche sind auch gar nicht zur (dauerhaften) Haltung von Mäusen und exotischen Kleinsäugern zu gebrauchen. Deshalb stelle ich Ihnen hier verschiedene Möglichkeiten für einen Mäusekäfig vor und beleuchte die Vor- und Nachteile der jeweiligen Gehegelösung. In der Liste fehlt ein Käfig? Dann schreiben Sie mit einfach an angelus@das-maeuseasyl.de und ich ergänze die Liste entsprechend.

1. Nagerschrank

Der Nagerschrank ist ein für Kleinnager umgebauter Schrank mit einer oder mehreren Etagen. Bei grabenden Arten weist der Boden eine Buddeletage auf. Der Nagerschrank kann aus Kleiderschränken, Kommoden und ähnlichen Möbeln hergestellt werden.

Vorteile:

  • bietet meistens sehr viel Platz für die Tiere
  • gut einzurichten
  • lässt sich je nach Bauart sehr hoch einstreuen
  • lässt sich beim Bau gut an die geplante Tierart anpassen
  • Nagerschrank aus mehreren Ombo vom Schweden
    Nagerschrank aus mehreren Ombo vom Schweden

    gute Lüftung durch große, senkrechte Lüftungsflächen

  • Mäuse können von vorn angefasst werden
  • Wasserflaschen sind leicht zu befestigen
  • Gitter als zusätzliche Kletterfläche
  • schützt die Nager vor Zug, wenn nur eine Front vergittert ist
  • sehr selten störende Geräusche durch Gitternagen
  • eignet sich auch für weniger versierte Bastler

Nachteile:

  • je größer der Schrank ist, umso schwieriger ist es, den Überblick über die Tiere und ihren Gesundheitszustand zu behalten
  • Einstreu krümelt auch mit den besten Verblendungen heraus

Eignung:

2. Voliere

Volieren bestehen an mindestens 3 Seiten aus Gitter, das auf einen Holz- oder Metallrahmen gespannt ist. In der Regel sind sie deutlich höher als breit. Im Zoohandel gibt es vor allem Volieren mit Parallelgitter zu kaufen. Eigenbauten und die Bausätze einiger Internetanbieter haben in der Regel Maschengitter. Letzteres eignet sich besser für Mäuse, da gerade kleinere Arten bei Parallelgitter durch die Stäbe schlüpfen können. Afrikanische Zwergschläfer sind mit Parallelgitter überhaupt nicht in der Voliere zu halten.

Selbsgebaute Voliere für Chinchillas
Selbstgebaute Voliere für Chinchillas

Vorteile:

  • bieten ausreichend bis viel Platz für die Tiere
  • Etagen, Äste u.ä. lassen sich gut befestigen
  • selbstgebaute Volieren lassen sich beim Bau gut an die geplante Tierart und den Raum anpassen
  • sehr gute Lüftung
  • Tiere können von vorn angefasst werden
  • Gitter als zusätzliche Kletterfläche

Nachteile:

  • handelsübliche Volieren haben eine niedrige Bodenschale, es fällt dadurch Streu heraus (kann bei Eigenbauten durch hohe Bodenverblendungen vermieden werden)
  • bei handelsüblichen Volieren ist keine hohe Einstreu möglich
  • störende Geräusche durch Nagen und Klettern am Gitter
  • bei Volieren mit Parallelgitter Fluchtgefahr und Gefahr, dass Tiere stecken bleiben
  • schützt nicht vor Zug

Eignung:

  • gut geeignet für sehr gut kletternde Nager (z.B. Zwergschläfer, Stachelmäuse, Maushamster, Akazienratten)
  • bedingt geeignet mäßig bis gut kletternde Arten (z.B. Persische Rennmäuse, Farbmäuse, Buschschwanz-Rennmäuse)
  • nicht geeignet für schlecht oder gar nicht kletternde Arten (z.B. die meisten Rennmäuse, Wühlmäuse)
Für Knirpsmäuse erstellter Eigenbau
Für Knirpsmäuse erstellter Eigenbau

3. Eigenbau

Vor- und Nachteile sowie Eignung lassen sich hier schlecht darstellen, da sie von der Form und der Ausführung abhängen. Ein klarer Vorteil ist jedoch, dass der Eigenbau perfekt an die Bedürfnisse der geplanten Nager angepasst werden kann.

Auf dem Bild sehen Sie als Beispiel ein Gehege, das ich hier für Afrikanische Knirpsmäuse entworfen und gebaut habe.

4. Klassischer Mäusekäfig

Mäusekäfige gibt es im Handel mit Gitteroberteil und Plastikunterschale. Die für Mäuse angebotenen Größen reichen von A4-kleinen Behältnissen bis hin zu Käfigen von mehr als einem Meter Länge und/ oder Höhe. Große, für Mäuse geeignete Gitterkäfige werden im Handel in der Regel als Hörnchenkäfige angeboten. Jedoch hat sich auch das Angebot von großen Käfigen, die explizit für Mäuse angeboten werden, in den letzten Jahren deutlich verbessert. Zumindest für eine kleine Farbmausgruppe werden Sie heute mit etwas Recherche auch im Handel fündig.

Klassischer Mäusekäfig
Zu klein für die dauerhafte Haltung: Klassischer Mäusekäfig

Vorteile:

  • bei vielen Käfigen kann man von vorn auf die Tiere fassen
  • Inventar und Trinkflaschen lassen sich leicht befestigen
  • Gitter als zusätzliche Kletterfläche
  • gute Durchlüftung
  • handlich

Nachteile:

  • häufig zu klein
  • zu flache Unterschale, dadurch fällt Einstreu heraus
  • hohe Einstreu nicht möglich
  • relativ hoher Geräuschpegel durch Gitternagen (v.a. bei zu kleinen Käfigen)
  • Ausbruchsgefahr und Gefahr, dass Tiere stecken bleiben
  • Entwicklung von Stereotypen durch zu geringe Größe
  • kein Schutz vor Zug
  • bei manchen Modellen kann man nur von oben auf die Tiere fassen
  • verglichen mit tiergerechten Eigen- oder Umbauten oft recht teuer

Eignung:

  • in jeweils entsprechender Größe gut geeignet für kleine Gruppen von Farbmäusen, Vielzitzenmäusen und ähnlichen Nagern
  • für Vergesellschaftungen (kleinere Käfige in verschiedenen Größen)
  • ungeeignet für stark grabende Arten

5. Aquarium

Aquarien sind in der Nagerhaltung sehr beliebt. Sie sollten für die Säugerhaltung aber nicht höher als breit sein.

Vorteile:

  • Streu kann beim Graben nicht herausfallen
  • kann hoch eingestreut werden
  • keine störenden Gitterstäbe
  • kein Gitternagen (außer evtl. am Deckel)
  • schützt vor Zug

Nachteile:

  • Befestigung von Inventar und Trinkflasche ist schwierig
  • in entsprechenden Größen schwer und unhandlich
  • vergleichsweise schlechte Belüftung
  • wird mitunter zu selten gereinigt, da der Geruch erst spät nach außen dringt
  • Tiere müssen von oben angefasst werden

Eignung:

  • gut geeignet für wenig bzw. schlecht bis gar nicht kletternde, aber gern grabende Arten (z.B. diverse Wühlmäuse, sehr viele Rennmäuse)
  • bedingt geeignet für mäßig kletternde Arten (z.B. Baumwollratten)
  • ungeeignet für Tiere, die sehr gut klettern und/oder viel Urin abgeben und damit eine hohe Ammoniakentwicklung haben (z.B. Farbmäuse, Stachelmäuse, Streifenmäuse)

6. Aquarium mit Volierenaufsatz

Ein handelsübliches Aquarium lässt sich mit einem Volierenaufsatz hervorragend erweitern. So verbinden Sie die Vorteile der Voliere mit den Vorteilen des Aquariums und schaffen ein Gehege für wühlende, aber gut kletternde Arten.

Vorteile:

  • Streu kann beim Graben nicht herausfallen
  • kann hoch eingestreut werden
  • schützt zum Teil vor Zug
  • bietet am Gitter zusätzliche Kletterfläche
  • bietet ausreichende Höhe
  • die Tiere sitzen nicht immer in der „dicken“ Bodenluft
  • sehr gute Durchlüftung im Volierenteil
  • Etagen, Inventar und Wasserflasche lassen sich im Volierenteil gut befestigen
  • Tiere können z.T. von vorn angefasst werden

Nachteile:

  • in entsprechenden Größen schwer und unhandlich
  • am Boden vergleichsweise schlechte Belüftung
  • weniger Schutz vor Zug
  • Geräusche durch Nagen und Klettern am Gitter
  • Streu kann von den Etagen um das Aquarium herum verkrümelt werden

Eignung:

  • in entsprechenden Größen gut geeignet für alle gut bis sehr gut kletternden Mäuse und Rennmäuse (Farbmäuse, Stachelmäuse, etc.)
  • gute Gehegealternative für Arten, die gern buddeln und klettern (z.B. Buschschwanz-Rennmäuse)
  • bedingt geeignet für mäßig kletternde Nager (z.B. Streifenmäuse)
  • nicht geeignet für schlechte Kletterer (z.B. Duprasi-Rennmäuse)

7. Terrarium

Terrarium für Knirpsmäuse
Terrarium für Knirpsmäuse

Terrarien sind Glasbehälter mit verschiebbaren Frontscheiben sowie waagerechten oder senkrechten Lüftungsgittern. Die Höhe für den Bodengrund ist bei vielen Modellen recht gering, kann jedoch auch für wühlende Arten ausreichend hoch ausfallen, da Terrarrien in vielen verschiedenen Formen gefertigt werden.

Vorteile:

  • keine störenden Gitterstäbe
  • kein Gitternagen
  • die Tiere können von vorn angefasst werden
  • kann wesentlich höher sein als ein Aquarium
  • bei ausreichend großen, senkrechten Lüftungsgittern gute Lüftung
  • Schutz vor Zug

Nachteile:

  • Trinkflasche, Etagen und Inventar sind nur schwer zu befestigen
  • bei waagerechten Lüftungsgittern schlechte Durchlüftung
  • werden oft zu spät sauber gemacht, da der Halter Geruch erst spät bemerkt
  • kann nicht sehr hoch eingestreut werden
  • Streu krümelt durch die unteren Lüftungsgitter
  • teuer
  • in passenden Größen schwer und unhandlich

Eignung:

  • in entsprechender Größe gut geeignet für nicht wühlende, mäßig kletternde Arten
  • ungeeignet für gut bis sehr gut kletternde und gern wühlende Arten
  • für Arten mit starker Urinausscheidung und damit verbundener Ammoniakbildung ungeeignet (z.B. Farbmäuse, Streifenmäuse, Vielzitzenmäuse, …)

8. Mäusetisch

Der Mäusetisch ist ein ganz normaler Tisch, dessen Fläche lackiert und mit einer Umrandung versehen wurde. Darauf verteilen sich Häuschen, Äste und anderes Mäusespielzeug.

Vorteile:

  • sehr gute Durchlüftung
  • man muss nicht von oben auf die Tiere fassen
  • kein störendes Gitter
  • kostengünstig
  • leicht zu reinigen
  • auch für handwerklich weniger begabte Menschen geeignet

Nachteile:

  • kein Schutz vor Zug
  • Mäuse können runterfallen oder runterspringen
  • Einstreu krümelt auf den Boden
  • lässt sich nicht hoch einstreuen (muss um Buddelfläche ergänzt werden)

Eignung:

  • nur für Farbmäuse, alle anderen Arten bleiben nicht auf der offenen Fläche

9. Duna

Als Duna werden Käfige bezeichnet, die eine farbige Plastikunterschale haben und deren durchsichtiges Plastikoberteil einen Gitterdeckel hat. Diese gibt es in einer Größe von 50 bis über 100cm Seitenlänge mit schmalem Mäusegitter.

Vorteile:

  • es krümelt nichts raus
  • guter Überblick über die Tiere
  • leicht
  • sehr einfach und gut zu reinigen
  • überlebt auch scharfe Desinfektionsmittel (allerdings mit Trübungen)

Nachteile:

  • schlechter Luftaustausch, dadurch Ansammlung von Ammoniak, Schimmelbildung, Bakterienansammlungen
  • zu niedrig für die meisten Arten
  • für fast alle Arten zu klein
  • wird an den Öffnungen für die Wasserflasche oder den Clips fast immer angenagt
  • man muß von oben auf die Tiere fassen

Eignung:

  • geeignet als Quarantänekäfig für maximal 4 Wochen oder als Langstrecken-Transportbox
  • ungeeignet zur dauerhaften Haltung jedweden Säugetiers

10. Habbitrail, Spacie und Co.

Habbitrails sind meist braun-grüne Käfige mit einer Größe von 40x25x24cm, die zur etwa zwei Drittel aus Plastik und zu einem Drittel aus Gitter aus bestehen. Dazu gibt es noch zahlreiche Röhrensysteme und Endstücke. Spacies sind ähnliche Käfig in knallbunten Farben. Das Plastikinventar wird bei beiden Formen mitgeliefert. Weiteres Zubehör kann man für teures Geld erstehen.
Zu diesen beiden Käfigformen haben sich inzwischen leider weitere bunte Spielkäfige gesellt, die eher den Spieltrieb des (kindlichen) Halters ansprechen. Auch sie zeichnen sich durch knallbunte Farben, Spielzeugausstattung, Plastik und ein deutlich zu geringes Platzangebot sowohl in der Fläche als auch im dreidimensionalen Raum aus.

Vorteile:

  • konnte noch keine entdecken

Nachteile:

  • deutlich zu klein
  • Erstickungsgefahr in Röhren und Endstücken
  • Ansammlung von Ammoniak in Röhren und Endstücken (Lungenschädigung)
  • außer im Hauptkäfig kaum Luftaustausch
  • mitgeliefertes Laufrad ist meist zu klein

Eignung:

  • eignet sich nur für den Müll, da nicht mal als Transportbox zu gebrauchen

11. Hamsterflipper

Der Hamsterflipper ist in Form und Optik einem Flipperautomaten nachempfunden und besteht aus Plastik. Die Bodenfläche hat vorn oben ein Lüftungsgitter mit Tür. Im senkrechten Teil befindet sich ein Labyrinth, durch das die Tiere wie eine Flipperkugel laufen sollen. Mein Fazit dazu: Tiere sind keine Flipperkugeln. Dieser Käfig ist teuer und nicht einmal als Transportbox geeignet, geschweige denn zu dauerhaften Haltung der Tiere.