Zahme Rötelmäuse und das Hantavirus

So manch ein Nagerfan verliebt sich in die possierlichen, kleinen Rötelmäuse. Aber Halt! War da nicht was mit Rötelmäusen und Hantavirus? Ja, da war was. Für die Haustierhalter und auch für die Sammler von (Wald)Erde gibt es allerdings Entwarnung. Päppler dagegen sollten sich des Risikos bewusst sein. Was Sie zum Thema Hantavirus und Mäuse wissen sollten, fasst Ihnen jetzt dieser Artikel zusammen.

Was ist das Hantavirus und warum ist es so gefährlich?

Hantaviren sind weltweit auftretende, zoonotische Viren, die vor allem von Nagern verbreitet werden. Die behüllten Viren bilden eine Familie mit verschiedenen Formen, die nach den Orten ihres ersten Auftretens benannt sind. So werden beispielsweise diese Hanta-Virentypen unterschieden:

  • Hantaan-Virus
  • Puumala-Virus
  • Dobrava-Belgrad-Virus
  • Seoul-Virus
  • Sin-Nombre-Virus
  • Andesvirus

In Deutschland verbreitet sind vor allem das Puumala- und Dobrava-Belgrad-Virus.

Hanta-Infektionen sind meldepflichtig gemäß Infektionsschutzgesetz. Meldepflicht besteht innerhalb von 24 Stunden für den direkten oder indirekten Nachweis (§7 Abs. 1 IfSG).
Einen Hanta-Impfstoff gibt es noch nicht.

Infektionswege und Inkubationszeit von Hantaviren

Rötelmäuse Hantavirus
Rötelmäuse gelten als die Hauptüberträger des Hantavirus

Das Virus ist in Kot, Urin und Speichel der Tiere enthalten. Entsprechend kann das Hantavirus über den Biss einer infizierten Maus direkt übertragen werden oder indirekt durch ihre Ausscheidungen. Über die Ausscheidungen gelangt das Virus in die Umwelt und haftet sich hier zum Beispiel an Staubpartikel oder Oberflächen an. Gelangen die Viren in den Körper durch Kontakt von kontaminierten Flächen zu offenen Wunden oder werden sie eingeatmet, entsteht eine Infektion. Seltener werden Hantaviren auch über von Ausscheidungen der Nager verunreinigte Lebensmittel übertragen.

Die Viren bleiben außerhalb des Wirtes in der Umwelt bis zu 2 Wochen lang infektiös. Von Mensch zu Mensch kann die Erkrankung nicht übertragen werden.

Die ersten Symptome zeigen sich in der Regel nach 2 bis 4 Wochen. Mitunter ist die Inkubationszeit aber auch deutlich länger oder kürzer und kann bei nur 5 oder bei bis zu 60 Tagen liegen.

Hantaviren – Die Symptome

Je nach Virentyp äußern sich Infektionen mit Hantaviren recht unterschiedlich. Für Deutschland typisch ist ein meist eher milder Verlauf des HRFS, des Hämorrhagischen Fiebers mit renalem Syndrom. Typische Symptome dieser Erkrankungsform sind:

  • hohes Fieber und Schüttelfrost
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Schmerzen im Lendenwirbelbereich
  • Verdauungsbeschwerden mit Bauchscherzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall
  • Sehstörungen, Einblutungen im Auge
  • Nierenbeteiligung mit Nierenentzündung, Proteinurie bis hin zum Nierenversagen
  • Lungenödem

Ein Gutteil der Infektionen dürfte jedoch sogar komplett symptomlos verlaufen oder äußert sich als unspezifischer, grippeähnlicher Infekt, der auch die Nieren betrifft. So haben rund 1% der deutschen Bevölkerung Antikörper gegen Hantaviren. Schwere Verläufe eines HFRS haben dagegen eine Sterblichkeitsrate von 5 bis 15%.

Im Zuge der Infektion können selten außerdem weitere Komplikationen auftreten wie Entzündungen von Leber, Herzmuskel und Schilddrüse. Auch das zentrale Nervensystem kann betroffen sein.

Deutlich gefährlicher sind das Hantavirus-induzierte-pulmonale Syndrom und das Hantavirus-induzierte-kardio-pulmonale Syndrom. Sie beginnen ähnlich wie HRFS. Im Verlauf treten jedoch Husten und Atembeschwerden bis zur Atemnot auf. Bei diesen Formen beträgt die Sterblichkeit zwischen 25 und 40%.

Welche Mäuse übertragen Hantaviren?

Gelbhalsmaus - Rötelmaus Hantaviren
Auch Gelbhalsmäuse können Hantaviren übertragen

In Deutschland überträgt vor allem die wilde Rötelmaus das Hantavirus und hier speziell das Puumala-Virus. Das Dobrava-Belgrad-Virus hat sein Reservoir dagegen in verschiedenen Apodemus-Arten, darunter die Gelbhalsmaus und die Brandmaus. Die Brandmaus kann in Europa außerdem den Hantaan-Strang tragen. Haus- und Wanderratten können das Seoul-Virus tragen, dessen genaue Verbreitung bislang aber unbekannt ist. Feldmäuse tragen das Tula-Virus in sich, das für den Menschen bisher allerdings nur als gering pathogen eingestuft wird.

Neuerdings konnten weitere, bisher unbekannte Hantaviren in weiteren Arten nachgewiesen werden, darunter in Insektenfressern wie Maulwürfen und Spitzmäusen sowie in Fledermäusen. Inwieweit die Viren dieser Reservoirtiere ansteckend sind, ist bislang noch nicht bekannt.

Die häufigsten Infektionen beim Menschen rühren in Deutschland vom Puumala-Virus her.

Die übertragenden Säuger erkranken selbst übrigens nicht.

Die Hantavirus-Endemiegebiete in Deutschland

Das Risiko einer Ansteckung ist in Deutschland nicht überall gleich. Gebiete mit einer dauerhaften, nennenswerten Durchseuchung des wilden Mausbestandes finden sich in diesen Endemiegebieten:

  • Schwäbische Alb
  • Fränkische Alb
  • Raum Osnabrück
  • Unterfranken
  • Odenwald
  • Oberschwaben
  • Bayerischer Wald
  • Osthessen
  • West-Thüringen

Endemiegebiete in Österreich waren im Jahr 2004 Kärnten und die Steiermark. Vereinzelte Erkrankungsfälle wurden auch in Schweden, Finnland, Belgien, Frankreich, Italien, der Tschechischen Republik, Slowenien, Kroatien, Griechenland und Russland u.a. europäischen Ländern registriert.

Das gehäufte Auftreten von Hantafällen steht dabei im direkten Zusammenhang mit der Dichte der Nagerpopulation. In „guten“ Mäusejahren treten deutlich mehr Infektionen auf.

Zahme Rötelmäuse mit Hantavirus?

Und was heißt das jetzt für unsere Haustiere? Zahme Rötelmäuse stammen von einer Laborpopulation ab und sind frei von Hantaviren. Sie stellen keine Infektionsquelle dar. Wer sich in die possierlichen Nager verliebt, muss also keine schwere Erkrankung fürchten.

Das Hantavirus und Rötelmäuse aus Handaufzucht und Wildfund

Anders liegt der Fall bei Päpplern und Haltern, die wilde Handaufzuchten überwintern oder dauerhaft beherbergen. Kommen ihre Findlinge aus einem der Endemiegebiete, besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass die Mäuse das Virus mitbringen. Aber auch außerhalb der Endemiegebiete leben Rötelmäuse, die das Hantavirus tragen.

Daher sollten Sie eine entsprechende Vorsicht und Hygiene walten lassen und bei einer verdächtigen Erkrankung den Arzt auf die Möglichkeit einer Hanta-Infektion hinweisen, wenn Sie zu diesem Personenkreis gehören.

Außengehege, Naturgehege, Erde von draußen und das Hantavirus

Doch nicht für nur Liebhaber der possierlichen Rötelmäuse ist das Hantavirus ein Thema. Im Zuge des Environmental Enrichment bringen manche Halter Tieren wie Schläfern, verschiedenen Wühlmäusen oder Insektenfressern Waldboden zum Durchstöbern mit. Schnell wird vergessen: Das Virus könnte im Boden mitreisen. Wer Wühler und andere empfängliche Arten hält, kann zum einen seine Tiere infizieren. Zum anderen kann er das Hantavirus über den Kontakt selbst auflesen.

Also kein Waldboden für die lieben Kleinen? Doch! Allerdings sollten Sie die gesammelte Erde zu Sicherheit 4 Wochen in einem Behälter ruhen lassen. Da die Viren eine geschätzte Überlebensdauer von maximal 14 Tagen haben, sollten Sie mit einer Karenz von 4 Wochen auf der sicheren Seite sein. Das gilt im Übrigen auch für Erde von Rainen, Wiesen oder aus Gärten, wenn hier eine Mauspopulation floriert – was sie meistens tut.

Wenn Sie Ihre Rötelmäuse in einer Außenvoliere halten, besteht ebenfalls die Möglichkeit des Kontakts zu wilden Artgenossen – und damit das Restrisiko einer Ansteckung für Ihre Tiere. Behalten Sie dies beim Umgang und vor allem auch bei der Weitergabe von Mäusen immer im Hinterkopf und informieren Sie Übernehmer entsprechend.

Quellen

BAG-Sites
Robert-Koch-Institut

Friedrich-Löffler-Institut
Doccheck Flexikon
Ministerium für Frauen und Gesundheit
Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift 126, Heft 11/12 (2013), Seiten 11– 26