Tropische Rattenmilbe

Die Tropische Rattenmilbe (Ornithonyssus bacoti) stammt ursprünglich aus den warmen bis heißen Gebieten Afrikas, Nordamerikas, Argentiniens und Australiens. Das zunehmend warme Klima in unseren Breiten begünstigt jedoch auch ihre Ausbreitung in Europa. Mit einer Größe von 0,5 bis 1mm sind die runden, nüchtern grauen, vollgesogen (braun-)roten Spinnentiere auch mit bloßem Auge erkennbar. Ihre Hauptwirte sind in freier Wildbahn Ratten und Mäuse.
Die Entwicklung vom Ei über die ebenfalls blutsaugende Protonymphen bis zum adulten Tier dauert bei Rattenmilben in der Regel 7 bis 14 Tage. Dabei durchlaufen die Tiere mehrere Nymphenstadien. Die Entwicklungsdauer ist unter anderem von der Umgebungstemperatur abhängig. Bei 25 bis 35°C liegt das Optimum für die Spinnentiere. Über 38 bis 39°C und unter 13 bis 15°C entwickeln sich die Tiere nicht weiter. Die erwachsenen Milben werden im Schnitt 2 bis 3 Monate alt. Ohne Nahrung können die Milben jedoch auch bis zu 9 Monate ausharren.
Haben die Weibchen Blut gesaugt, legen sie 2 bis 3 Tage nach ihrer Mahlzeit zwischen 90 und 120 Eier in Ritzen und Spalten der Umgebung ihrer Wirtstiere.
Rattenmilben und ihre Nymphen leben nicht permanent auf dem Wirtstier, sondern suchen es lediglich zur Nahrungsaufnahme für etwa 20 Minuten auf. Den Rest der Zeit verbergen sich die nachtaktiven Milben in der näheren Umgebung. Hier warten sie in Ritzen und Winkeln, bis sich ein Wirtstier ihrem Versteck nähert.

Übertragung

Buschschwanz-Rennmaus auf dem Schoß
Solch enger Kontakt ist ideal für die Übertragung der Rattenmilbe

Die Ansteckung erfolgt über vielfältige Wege. Die Milben können mit Streu, Heu oder Futter eingeschleppt werden. Auch neue Tiere können die Parasiten mitbringen, wenn Sie die Quarantäne nicht einhalten oder dabei Fehler machen. Rattenmilben sind nicht wirtsspezifisch, daher können auch infizierte Menschen die Milben in den Haushalt bringen.
Da Wildtiere ebenfalls betroffen sein können, können Sie die Milben auch mit Materialien aus der freien Natur, wie etwa Ästen, Wurzeln, Wiesenstücken und ähnlichem eintragen. Auch an Ihrer Kleidung können Sie die Parasiten von draußen einschleppen.

Symptome

Ist ein Befall mit diesen Milben noch frisch, wird er in der Regel eher zufällig entdeckt. Anfangs zeigen die betroffenen Tiere kaum Symptome. So können Sie als Halter Milben auf hellem Untergrund krabbeln sehen oder eine gerade auf dem Wirtstier befindliche Milbe fällt auf.
Im Zeitverlauf und mit Verstärkung des Befalls tritt ein Juckreiz auf, der sich in vermehrtem Kratzen und ersten Kratzwunden äußert. Es treten Hautirritationen auf. Die Tiere wirken unruhig und gestresst.
Bei starkem Befall werden die Nager durch den massiven Blutentzug und den andauernden Stress sehr geschwächt. Das Fell wird struppig, die Mäuse magern ab, werden anämisch und sind ruhiger als gewöhnlich. Auf der Haut können krustig-schmierige Veränderungen und Kratzwunden, eventuell bakterielle Sekundärinfektionen auftreten. Im schlimmsten Fall können einzelne Nager sogar versterben.

Da die Milben auch auf den Menschen übergehen, können Sie auch an sich oder an Familienmitgliedern Symptome beobachten, wenn der Befall schon etwas länger besteht. Der Biss der Milbe verursacht kleine, stark juckende Quaddeln, die unregelmäßig auf der Haut verteilt sind.

Diagnose

Haben Sie den Verdacht, dass sich Rattenmilben bei Ihren Mäusen festgesetzt haben, müssen Sie die Milben suchen. Sie finden sie am ehesten in der direkten Umgebung der Tiere. Bei der Suche können Sie auch weißes Küchenkrepp, Taschentücher oder Toilettenpapier als Nistmaterial anbieten. Darauf lassen sich die Milben sehr gut erkennen. Bei einem starken Befall sind die Milben jedoch auch ohne Hilfsmittel nicht mehr zu übersehen. Sie krabbeln auf den Tieren, im Nest und auch an den Gehegewänden herum.
Haben Sie Milben gefunden, kleben Sie diese mit einem Tesafilm-Streifen auf einem Objektträger fest und geben Sie diesen bei Ihrem Tierarzt zur Untersuchung ab. Vermeiden Sie es dabei, die Milbe zu zerdrücken. Da die Bestimmung zur richtigen Bekämpfung eindeutig sein muss, kann es auch sein, dass der Veterinär die Probe in ein parasitologisches Institut einschickt. Daher kann es etwas dauern, bis Sie das genaue Ergebnis der Probe erfahren.
Sie können mit einem einfachen Test den Kreis der verdächtigen Parasiten eingrenzen. Zerdrücken Sie eine Milbe auf einem Stück Zellstoff. Entsteht ein Blutfleck, handelt es sich um eine blutsaugende Milbe. Lässt sich dagegen kein Blut erkennen, scheiden Rattenmilben als Befall aus.

Behandlung

Farbmaus im Quarantänekäfig
Zellstoff ist für die Quarantäne der beste Untergrund

Tropische Rattenmilben sind hartnäckige Parasiten, die Sie nicht unterschätzen sollten. Wird der Befall frühzeitig erkannt, reicht meistens eine Entseuchung der Tiere, ihres Inventars, des Geheges und der näheren Umgebung. Nur bei fortgeschrittenem Befall müssen Sie neben den Tieren und deren Gehege auch sich selbst und Ihre Wohnung gründlich entseuchen. Das gilt vor allem dann, wenn Sie selbst schon an Symptomen des Milbenbefalls leiden. In dem Fall ist eine gründliche Behandlung der gesamten Wohnumgebung erforderlich. Lassen Sie sich dabei umfassend von Ihrem Tierarzt und bei eigenen Symptomen auch vom Hautarzt beraten.
Bewährt hat sich unter anderem das nachfolgende Prozedere sowie die Prozedur in diesem Erfahrungsbericht zur Behandlung von Rattenmilbe.

Setzen Sie die Mäuse entweder in eine Box oder in die Badewanne und behandeln Sie alle mit einem Spot-on, z.B. Stronghold oder Ivomec. Lassen Sie die Nager etwa 60 bis 120 min in der Box oder Wanne, bevor Sie sie in einen Quarantänekäfig umsiedeln. In dieser Zeit verlassen die Milben den für sie jetzt giftigen Wirt.
Die Quarantänekäfige sollten leicht zu reinigen sein und nach Möglichkeit ein Rauskrümeln von Material wie Streu oder Futterresten verhindern. Dunas und Aquarien haben sich hier am besten bewährt. Nutzen Sie als Einstreu am besten Küchenkrepp.
Wiederholen Sie die Behandlung bei Stronghold nach 3 Wochen. Ivomec müssen Sie nach der ersten Gabe im Abstand von 7 Tagen auffrischen. Insgesamt sollten Sie die Tiere je nach Befallsstärke bis zu 3 Monate, jedoch mindestens 4 Wochen gegen die Parasiten mit einem entsprechenden Mittel abschirmen.

Die Umgebungsdesinfektion ist deutlich aufwändiger als bei weniger hartnäckigen Parasiten.
Entsorgen Sie die gesamte Einstreu und alle Inventarteile, die Sie nicht reinigen oder länger einfrieren können. Sprühen Sie die Streu und das entsorgte Inventar in den Müllsäcken in regelmäßigen Schichtabständen mit Paral Insektenspray ein und schließen Sie den vollen Sack sofort nach dem letzten Sprühstoß. Dieses Spray enthält natürliches Pyrethrum und hat sich für den Einsatz bewährt. Sie können aber auch andere Marken mit diesem Wirkstoff verwenden. Mit dieser Behandlung vermeiden Sie eine Verschleppung der Parasiten über die Müllabfuhr. Diese Streu gehört nicht in die Biotonne oder auf den Kompost, sondern in den Restmüll!

Das Gehege, wenn es ein größeres, feststehendes ist (z.B. Schrank), sollten Sie von außen mit einem pyrethroid- oder pyrethrinhaltigen Spray, z.B. Ardap oder Indorexspray, absprühen. Diese Sprays versprechen eine Wirkzeit von mindestens 6 Wochen. Die Praxis hat jedoch eine Wirkung von bis zu 6 Monaten und mehr gezeigt. Da diese Sprays sehr giftig sind, sollten Sie die Anwendung im Gehege vermeiden, wenn dessen Material das Spray aufsaugen kann. Hier hat sich der Dampfreiniger als Mittel der Wahl bewährt. Gehen Sie mit dem heißen Dampfstrahl langsam (!) und gründlich über jede Fläche und achten Sie darauf, kein Stück auszulassen. So können Sie das Gehegeinnere ohne Chemie desinfizieren. Behandeln Sie vor allem Winkel und Spalten besonders gründlich.
Wenn Sie auf Chemie verzichten möchten, können Sie auch Innen- und Außenseite des Geheges mit dem Dampfreiniger behandeln (Rückseite nicht vergessen!) und dann Raubmilben in und am Gehege aussetzen.

Schrubben Sie sämtliches Inventar gründlich ab und brühen oder kochen es anschließend ab. Der Dampfreiniger leistet hier ebenfalls gute Dienste.
Alternativ können Sie das Inventar auch bei etwa 70°C für mindestens 30 Minuten ausbacken. Waschen Sie (vermutlich) befallene Wäsche bei mindestens 60°C im Vollwaschgang. Exotennester, Heugeflechte und ähnlich schwer zu reinigendes Inventar sowie Futter und Streu bzw. Heu sollten Sie einfrieren oder – im Zweifelsfall – lieber wegschmeißen. Alles, was Sie einfrieren, sollten Sie bei mindestens -18°C für 2 oder mehr Tage in der Tiefkühltruhe belassen.
Inventar aus Ton, Keramik oder ähnlichen Stoffen können Sie auch bei 1000 Watt 2 bis 3 Minuten in die Mikrowelle stellen oder im heißesten Gang des Geschirrspülers durchwaschen.


Bei leichtem und frischem Befall können Sie auch die Umgebung mit der Kombination Dampfreiniger + Raubmilben entseuchen.
Bei mittelstarkem Befall sollten Sie ein großzügiges Areal rund um das/die Gehege mit einem speziellen Ungezieferspray behandeln. Bewährt haben sich bei diesen aggressiven, robusten Milben pyrethroid- oder pyrethrinhaltige Präparate wie Ardap oder Indorex Spray. Dieses Spray verbleibt dann auch auf den Sachen.
Bei stärkerem bis massivem Befall wird ein aufwändigeres Prozedere notwendig. Entfernen Sie alle Tiere aus den zu behandelnden Räumen und stellen Sie einen pyrethroidhaltigen Vernebler (z.B. von Indorex oder Beaphar) auf. Diesen müssen mindestens 12 Stunden, besser länger einwirken. Danach sollten Sie die Räume mindestens 6 bis 12 Stunden lüften. Bringen Sie frühestens nach 48 Stunden wieder Tiere in die behandelten Räume, da Indorex sehr giftig ist. Da der Nebler nur feinsten Staub von oben verregnet, müssen Sie zusätzlich mit einem Spray unter Möbelstücke und in Ritzen sprühen, um sicherzugehen, dass alle Stellen im Raum behandelt wurden.
Bewahren Sie nach Möglichkeit keine Wäsche in Räumen auf, die ausgenebelt werden sollen.


Achtung: Pyrethroide wie beispielsweise im Indorex Fogger sind sehr giftig! Achten Sie also darauf, dass auch Ihre anderen Haustiere nicht mit dem Kontaktgift in Berührung kommen. Sonst könnten diese im schlimmsten Fall versterben.
Achten Sie beim Einsatz von Raubmilben darauf, alle Haustiere für die Dauer der Behandlung (die bei stärkeren Befällen auch gut 8 Wochen und länger dauern kann) mit einem Antiparasitikum vor den verbliebenen Rattenmilben zu schützen!

Quarantäne bei Rattenmilben

Das Prozedere bei der Aufnahme von Tieren mit Rattenmilbenbefall ist etwas aufwändiger, um schon im Vorfeld die Wahrscheinlichkeit einer Verschleppung in den neuen Haushalt erheblich zu senken.

Behandeln Sie die Tiere noch vor Ort (z.B. im Tierheim oder bei einer Räumung in den Räumen) mit einem Spot-on. Setzen Sie sie ca. 60 – 120 Minuten nach der Behandlung in eine frische Box mit nicht kontaminierter Streu oder mit Zellstoff. Alle verwendeten Transportboxen sollten von außen (!!!) vorher mit Ardap abgesprüht worden sein oder Sie fassen Sie mit doppelseitigem Klebeband ein. Fassen Sie die Boxen nach dem Absprühen besser nur mit Handschuhen an.

Im neuen Heim sollten die Tiere die Quarantäne in einem Aquarium oder einer Duna verbringen, die ebenfalls von außen mit Spray behandelt oder abgeklebt wurden. Sprühen Sie außerdem um die Quarantäne herum einen ca. 30 cm breiten Ring auf den Untergrund.
Behandeln Sie die Nager wie oben beschrieben mit dem Antiparasitikum Ihrer Wahl und reinigen Sie alle 7 Tage auch den Quarantänekäfig.
Das Prozedere der Quarantäne mitgebrachter Tiere gilt natürlich auch für Ihre vorhanden Tiere, wenn Sie bei diesen Rattenmilbe feststellen. Hier müssen Sie ebenfalls dafür sorgen, dass möglichst keine bzw. wenig Parasiten überhaupt bis in die Quarantäne gelangen. Im Übrigen gleicht die Quarantäne für vorhandene, befallene Mäuse der neuer Nager mit Rattenmilbe.

Weiterführende Literatur

 

Quellen
diebrain.de
Publikation der Stadt Zürich zur Vogelmilbe
A. Ewringmann, B. Glöckner: Leitsymptome bei Hamster Ratte, Maus und Rennmaus, Enke-Verlag 2008
W. Beck, N. Pantchev: Praktische Parasitologie bei Heimtieren – Kleinsäuger, Vögel, Reptilien, Bienen, Zoo- und Wildtiere, Schlütersche Verlagsgesellschaft 2014