Kokzidien bei Mäusen

Kokzidien sind eine Ordnung der Protozoen zu denen unter anderem die Gattungen Eimeria, Cryptosporidium und Toxoplasma gehören. Dieser Text befasst sich mit der Infektion durch Protozoen der Gattung Eimeria.
Bei Ratten findet sich unter anderem Eimeria nieschulzi, bei Mäusen E. falciformis, E. ferisi und E. hansonorum sowie Klosiella muris. Vor allem E. falciformis ist bei wilden Mäusen häufiger nachweisbar. Klosiella muris verursacht bei Wildmäusen Nierenkokzidosen.

Eimerien sind wirtsspezifisch und leben intrazellulär parasitisch in höheren Tieren und befallen dort vorwiegend deren Magen-Darm-Trakt.
Sie benötigen für ihre Fortpflanzung nur einen Wirt, durchlaufen jedoch ein recht kompliziertes Schema, das sich in zwei Zyklen teilt. Der erste Zyklus, der so genannte exogene Zyklus, beginnt mit der Ausscheidung unsporulierter Zysten, die sich über das 2-Zellen-Stadium zu sporulierten Oozysten, der Dauerform der Kokzidien, entwickeln. Diese werden dann wieder von einem Wirt aufgenommen. Für diesen Teil ihrer Entwicklung benötigen Kokzidien eine Temperatur von 20 bis 40°C (ideal 30-37°C), Feuchtigkeit und Sauerstoff. Unter optimalen Bedingungen dauert dieser Zyklus dann bis zu 16h, sonst länger. Die entstehenden sporulierten Oozysten sind gegenüber den meisten Desinfektionsmitteln resistent.
Der zweite Zyklus, auch intestinaler Zyklus genannt, beginnt mit der Aufnahme sporulierter Oozysten. Zuerst erfolgt die asexuelle Reproduktion (Schizogonie). Dabei werden aus der Oozyste sogenannte Sporozoiten freigesetzt. Diese dringen in die Darmzellen des Wirtes ein und teilen sich dort. Bis zu 100 Merozoiten können pro Elterntier entstehen. Diese durchbrechen und zerstören die Darmzelle, so dass sie sich wieder frei im Darm bewegen. Dieser Vorgang wiederholt sich mehrere Male. In dieser Phase werden viele Darmzellen zerstört und es treten Symptome auf.
Nach der Schizogenie folgt die sexuelle Reproduktion, die Gametogonie. Bei dieser befallen die Merozoiten weitere Darmzellen und entwickeln dort Geschlechtszellen, die sich dann befruchten und neue Oozysten entwickeln. Diese werden dann ausgeschieden und reifen wieder innerhalb von 3 bis 6 Tagen zu ihrer infektiösen Form heran.
Die Oozysten der Kokzidien sind äußerst widerstandsfähig und sind daher über mehrere Monate infektiös. Unter guten Bedingungen können sie in feuchten Bereichen bis zu 10 Jahre überleben!

Übertragung

Die Übertragung von Kokzidien erfolgt in der Regel über infiziertes Futter. Die Tiere können sich aber auch über durch verseuchten Kot verunreinigtes Wasser anstecken, in seltenen Fällen auch beim Putzen.

Symptome

Die Infektion verläuft meist vom Halter unbemerkt, solange der Befall gering bleibt. Bei Belastung, etwa durch chronischen Stress, eine Erkrankung oder eine Futterumstellung, kann die Krankheit dann ausbrechen.
Vermehrt sich der Parasit stark, werden ausgedehnte Darmschleimhautbezirke befallen und großflächig geschädigt. Die Nahrung kann nicht mehr richtig verdaut und ausgenutzt werden. In der Folge kommt es zur Abmagerung. Weitere Symptome sind Apathie, Schwäche und Appetitlosigkeit. Für den Halter am besten zu erkennen ist jedoch der Durchfall, der diese Erkrankung fast immer begleitet. Durch die massiven Durchfälle kann die Kokzidiose schnell lebensgefährlich werden!
Ist die Darmflora durch die Parasiten geschädigt, können sich auch andere bakterielle Infektionen rasch ausbreiten. Diese bakteriellen Sekundärinfektionen bergen die Gefahr einer Blutvergiftung (Septikämie).
Bei der Leberkokzidiose lassen sich ausgedehnte Entzündungen der Gallengänge sowie eine Leberschwellung beobachten.
Wird die Krankheit erfolgreich behandelt, kann sie rasch abheilen. Bei starkem Befall oder später Diagnose kann sie jedoch auch tödlich verlaufen.

Diagnose

Eimerien werden durch die Untersuchung einer Kotprobe nachgewiesen. Da die Oozysten nicht regelmäßig ausgeschieden werden, kann es bei einer einzelnen Kotprobe zu einem falsch negativen Testergebnis kommen. Daher müssen Sie bei Verdacht auf Kokzidien immer eine Sammelkotprobe abgeben.
Der Nachweis erfolgt dann im Flotationsverfahren oder im Kotausstrich bei einer mikroskopischen Untersuchung. Diese Untersuchung kann Ihr Tierarzt machen oder die Probe dafür ins Labor geben.

Behandlung

Für Mäuse hat sich die Behandlung mit 5%igem Baycox (Wirkstoff Toltrazuril) bewährt. Das für Vögel entwickelte 2,5%ige Baycox ist zu alkalisch und kann die Darmschleimhaut reizen.
Baycox wird 1x täglich in einer Dosierung von 10mg/kg über 3 Tage verabreicht (=0,01ml pro 50g). Dann folgt eine dreitägige Pause, der eine weitere Gabe über 3 Tage folgt. Dies sollten Sie zur Sicherheit nach 14 Tagen wiederholen.
Zusätzlich muss eine wirksame Durchfalltherapie (subkutanes Flüssigkeitsdepot, Dysticum etc.) sowie antibiotische Abschirmung erfolgen. Letztere soll bakteriell verursachten, inneren Vergiftungen vorbeugen.
Der Quarantänekäfig müssen Sie im Intervall der Gabe gründlich gereinigen.

Quarantäne bei Kokzidien

Siedeln Sie die Mäuse aus ihren Gehegen in leicht zu reinigende Quarantänebehältnisse um und reinigen Sie die Stammgehege zu Beginn der Quarantäne gründlich. Dazu entfernen Sie Inventar und Streu, saugen bei Bedarf Reste auf und waschen das Gehege heiß aus. Danach desinfizieren Sie es mit dem Dampfstrahler, da die Oozysten der Kokzidien bei Temperaturen über 60°C in Sekunden absterben. Feuchte Teile (z.B. durchweichte Kloecken), die nicht schnell wieder durchtrocknen, sollten entfernen und ersetzen. Gefährdete Bereiche können Sie auch mit einer Heißluftpistole behandelen. Diese eignet sich zum Beispiel hervorragend zur Behandlung von Metallvolieren. Fliesen und ähnliche Untergründe und Materialien können mit dem Desinfektionsmittel Neopredisan desinfiziert werden. Das gängige Bactazol ist dagegen wirkungslos.

Da Kokzidien eher hitze- als kälteempfindlich sind, empfiehlt es sich, das Inventar auszubacken, auszukochen, zu überbrühen oder ebenfalls mit einem Dampfstrahler zu desinfizieren. Auf versiegelten Flächen (z.B. Porzellan, glasierte Keramik) kann auch Neopredisan zum Einsatz kommen. Entfernen Sie vorher gründlich alle Kotreste!
Lassen Sie Inventar und Gehege nach der Reinigungsaktion bis zum Quarantäneende gründlich durchtrocknen.
Zum Ende der Quarantäne sollten Sie nochmals eine Sammelkotprobe abgeben, um sicherzugehen, dass Sie die ungeliebten Untermieter auch wirklich los sind.
Achtung: Oocysten sind extrem widerstandsfähig und können in unsauberen Käfigen im schlimmsten Fall bis zu 10 Jahren überleben! Reinigen Sie also gründlich!

Quellen
wikipedia.org
Chinchilla-Lexikon
baycox.com
Nikola Pantschev, Wieland Beck: Praktische Parasitologie bei Heimtieren – Kleinsäuger Vögel – Reptilien – Bienen; Schlütersche Verlagsgesellschaft, 1. Aufl., 2005
Anja Ewringmann, Barbara Glöckner: Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus; Enke, 2008