Haarlinge bei Mäusen

Haarlinge (Trichodectidae) gehören zur Ordnung der Tierläuse (Phthiraptera) und sind mit den Läusen verwandt. Sie saugen jedoch im Gegensatz zu diesen kein Blut, sondern ernähren sich von Hautschuppen, Lipiden, Bakterien, Hautdrüsensekreten und Haaren. In Europa ist diese Parasitenfamilie durch 18 Arten in 4 Gattungen vertreten.

Die 1 – 2 mm großen, länglichen Insekten sind flügellos und mit bloßem Auge erkennbar. Sie leben auf der Hautoberfläche fester Wirtstiere, sind also wirtsspezifisch.

Ihre Eier, die sogenannten Nissen, kleben sie an die Haare ihres Wirtes. Daraus schlüpfen nach 4 bis 12 Tagen die Larven, die den adulten Haarlingen ähnlich sehen. Diese entwickeln sich in etwa 3 Wochen über 3 Larvenstadien zu erwachsenen Haarlingen. Die Entwicklung vom Ei zum Haarling dauert also 4 bis 5 Wochen. Die erwachsenen Haarlinge werden 1 bis 2 Monate alt, können aber nur 2 bis 4 Wochen ohne Wirt überleben.

Übertragung

Die Übertragung aller Entwicklungsstadien erfolgt in der Regel durch direkten Tier-zu-Tier-Kontakt. Aber auch über das Nest können sich Ihre Mäuse infizieren.

Symptome

Haarlinge verursachen Hautirritationen und Juckreiz. Jedoch werden sie bei gesunden Tieren meist nicht bemerkt. Erst bei einem geschwächten Immunsystem, bei Krankheit oder schlechter Haltung treten Symptome durch eine starke Vermehrung der Parasiten auf.
Bei starkem Befall kann das Fell stark ausgedünnt werden. Im Extremfall werden komplett kahle Stellen sichtbar.

Diagnose

Einen Befall können Sie an den Nissen erkennen, die als kleine weißliche, glänzende Stiftchen an den Haaren kleben. Besonders an Tieren mit dunklem Fell erkennen Sie sie recht gut. Diese Nissen kleben auch nach erfolgreicher Behandlung noch einige Wochen im Fell, sind dann aber leer.
Alternativ können Sie auch die Haarlinge selbst finden, die sehr mobil im Fell und auf der Haut herumkrabbeln.
Zur Diagnose können Sie auch eine Tesaprobe zu Ihrem Tierarzt bringen.

Behandlung

Behandeln müssen Sie alle Tiere der betroffenen Gruppe, auch wenn nicht auf allen ein Haarlingsbefall nachgewiesen werden konnte. Am unkompliziertesten und verträglichsten hat sich eine Behandlung mit Stronghold erwiesen, das als Spot-on im Genick auf die Haut aufgetragen wird. Diese Behandlung sollten Sie nach 3 Wochen wiederholen. Alternativ können Sie auch Ivomec verwenden, welches dann alle 7 Tage (insgesamt mindestens 3x) aufgetragen werden muss.
Obwohl Haarlinge in der Regel auf ihrem Wirtstier bleiben, müssen Sie auch die Umgebung reinigen. Bewährt hat sich eine Behandlung mit Essigessenz und (sehr) heißem Wasser zur Bekämpfung. Auch ein Dampfreiniger leistet gute Dienste.
Wiederholen Sie die Umgebungsbehandlung immer im Rhythmus der Spot-ons für die Tiere, wenn Sie diese in ihrem angestammten Gehege belassen.

Quarantäne bei Haarlingen

Wenn Sie wissen, dass Sie Mäuse mit Haarlingen bekommen oder haben, hat sich folgende Vorgehensweise bewährt:
Bringen Sie die Tiere in einem Duna oder Aquarium unter, da dort keine kontaminierte Streu herausfallen kann. Wenn Sie nur einen Gitterkäfig haben, sollten Sie 20 bis 30cm um den Käfig herum einen Ring mit Ardap auf den Untergrund sprühen.
Behandeln Sie die Nager in der oben beschriebenen Weise.
Holen Sie neue Mäuse, von denen ein Haarlingsbefall bekannt ist, immer mit frischer Streu in der Box vom Vorbesitzer ab. Auch sollten die Tiere vor der Abholung gepunktet und erst 30 min nach dem Punkten in die Transportbox gesetzt werden. So nehmen Sie schon weniger Parasiten mit nach Hause.
Reinigen Sie den Quarantänekäfig nach Ende der Quarantänefrist gründlich, z. B. mit dem Dampfreiniger.

Quellen
Wikipedia.org
Peter Deplazes, Johannes Eckert, Karl T. Friedhoff: Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin, Enke, 2. Auflage 2008