Giardien bei Mäusen

Es gibt mehrere Arten von Protozoen der Gattung Giardia. Bei Mäusen am häufigsten ist Giardia muris, jedoch finden sich auch andere Arten bei Nagern (z.B. G. duodenalis beim Chinchilla). Der birnenförmige Parasit bewegt sich im Darm mit vier Geißelpaaren fort.

Nach der Infektion über das Maul schlüpfen im Zwölffingerdarm aus jeder vierkernigen Zyste, der Dauerform der Giardien, 2 Trophozoiten. Die besiedeln den Darm und dessen Schleimhautoberfläche. Dabei heften sie sich mit einer speziellen Haftscheibe an die Zellen des Epithels. Dort entziehen sie dem Wirt Kohlehydrate, von denen sie sich ernähren.
Die Vermehrung der Einzeller geschieht durch Längsteilung, bevor sie bei ihrer Wanderung durch den Verdauungstrakt im vorderen Teil des Dünndarms (Jejenum) und im Blinddarm wegen des alkalischen pH-Wertes widerstandsfähige Zysten bilden. Diese Zysten sind erst zwei-, später vierkerning.
Die vierkernigen Zysten werden dann mit dem Kot wieder in die Umwelt ausgeschieden, wo sie im Kotballen ca. 1 Woche, im Boden je nach Umweltbedingungen zwischen 7 Wochen und 3 Monaten überleben. Bei Frost unter -4°C und Wärme über 25°C sterben die Zysten innerhalb einer Woche ab.

Übertragung von Giardien

Übertragen werden Giardien über die orale Aufnahme, meist entweder durch verunreinigtes Futter oder Trinkwasser. Je nach Quelle wird eine sichere oder mögliche Durchseuchung bei Mäusen von 100% angegeben. Dies kann jedoch nur ein Maximalwert sein, da ich in Laborbefunden in der Mehrheit der Fälle keine nachgewiesenen Protozoen hatte.
Neben G. muris kann auch G. duodenalis Mäuse befallen. Diese Giardie ist bei Chinchillas, aber auch bei Kaninchen und anderen Kleinsäugern häufig zu finden. Sie wird beispielsweise durch den Kot der Tiere übertragen, wenn Nager die Möglichkeit haben, auf den Mäusegehegen zu sitzen und hineinzukoten. Auch über das gemeinsame Spülen von Futtergeschirr können Giardien übertragen werden.
Ein infiziertes Muttertier kann die Parasiten auf ihren Nachwuchs übertragen.

Symptome bei Giardien

Die meisten Infektionen mit Giardien verlaufen asymptomatisch und werden daher nicht bemerkt. Ihnen folgt oft eine mehrmonatige, in seltenen Fällen mehrjährige, chronische Phase, der schließlich die Ausheilung folgt. Danach ist die Maus partiell immun.

Kommen jedoch weitere Erkrankungen hinzu oder liegt eine Immunschwäche vor, kann sich der Parasit massenhaft vermehren und löst dann auch sichtbare Symptome aus. So kommt es durch den starken Befall zu einer Schleimhautentzündung im Zwölffinger- und Dünndarm, die von einer Zottenrückbildung und der mehr oder minder großflächigen Abstoßung von Epithelzellen begleitet wird. Dies beeinträchtigt die Darmfunktion und es kommt zu einem Verlust von Proteinen und Wasser sowie einer verschlechterten Aufnahme von Kohlehydraten, Fetten und Vitaminen.
Von außen erkennt der Halter die Erkrankung dann vor allem am verschmierten Po durch die breiigen bis flüssigen, selten auch blutigen Durchfälle. Außerdem oft zu beobachten sind Blähungen, Apathie, schlechtes Fell und eine gekrümmte Körperhaltung. Bei betroffenen Jungtieren kommt es auch zu Wachstumsstörungen. Meist tritt die Erkrankung bei ihnen mit der Entwöhnung ein.
Kohlehydratreiche Ernährung fördert Erkrankung, die eine sehr hohe Sterblichkeitsrate aufweist, wenn sie ausgebrochen ist.

Diagnose von Giardien

Nachgewiesen werden kann ein Giardienbefall durch das Auffinden von Zysten im Kot unter dem Mikroskop. Bei manifesten Durchfallerkrankungen sind auch Trophozoiten im Kot nachweisbar. Dabei können das Flotationsverfahren oder verschiedene Konzentrationsverfahren verwendet werden. Allerdings ist das Flotationsverfahren ein eher unsicherer Test, der auch falsch negativ ausfallen kann.
Zysten und Trophozoiten werden nicht ständig ausgeschieden, ein Antigen für Giardien dagegen ist permanent vorhanden. Auf dieses Antigen zielen Tests wie der ELISA-Antigen-Test, die mit Kosten von etwa 25 Euro nicht ganz günstig sind, jedoch einfacher, schneller und sehr zuverlässig.

Behandlung von Giardien

Für die Behandlung von Giardien gibt es eine ganze Reihe von Medikamenten, wobei Panacur (Fenbendazol) und Metronidazol die gebräuchlichsten sind. Panacur hat sich bei Mäusen und anderen Kleinnagern allerdings als mit einer erhöhten Sterblichkeit behaftet erwiesen, was besonders geschwächte, sehr junge und sehr alte Tiere betrifft. Daher rate ich von der Verwendung von Panacur ab. Es sind ausreichend alternative, besser verträgliche Medikamente verfügbar.

Für verschiedene Wirkstoffe sind hier in Kürze die Dosierungen mit Gabezeiten und -arten für Mäuse aufgeführt.

Wirkstoff Dosierung Turnus Periode Gabe
Fenbendazol 20mg/kg 1x täglich 5 – 10 Tage oral
Flubendazol 10mg/kg 1x täglich 5 – 10 Tage oral
Metronidazol 10 – 20mg/kg 2x täglich 5 – 7 Tage oral , subkutan

Dosierungen für die Gabe über das Trinkwasser (Wasser evtl. süßen, falls für die Tierart möglich):

Wirkstoff Dosierung Periode
Dimetridazol (Emtryl) 4g/l 7 – 10 Tage
Metronidazol (Flagyl) 2,5g/l 5 – 7 Tage
Ronidazol 400mg/ l 7 – 10 Tage
Tinidazol (Simplotan) 2,5g/l 7 – 10 Tage

In schweren Fällen ist die Gabe von Metronidazol auch bis zu 6 Wochen möglich. Da Zysten auch noch einige Tage nach der Medikamentengabe ausgeschieden werden können, empfiehlt es sich, die Kur nach 5 Tagen zu wiederholen. So vermeiden Sie eine erneute Ansteckung.
Bei massivem Befall sollte zusätzlich ein Antibiotikum (z.B. Baytril) gegeben werden, soweit das Mittel der Giardienbehandlung an sich noch keines ist.
Unterstützend ist eine symptomatische Behandlung unbedingt notwendig. Je nach Stärke des Durchfalls sind dies Bird Bene Bac, Dysticum (evtl. mit Joghurt vermischt), bei starken Durchfällen können auch subkutane Flüssigkeitsdepots nötig werden. Ist das Tier aufgebläht, empfiehlt sich die Gabe von Sab Simplex gegen die Aufgasung und bei starken Blähungen Metacam gegen die Blähungsschmerzen. Da die Mäuse schnell viel Gewicht verlieren, ist auch die Gabe eines Päppelbreis und Vitamin-B-Komplex ratsam. Achten Sie aber darauf, dass der Brei nicht zu kohlenhydratlastig ist, da das die Erkrankung verschlimmern kann.
Achtung: Es gibt bei Giardien auch resistente Stämme. Dann kann die Behandlung zu einer echten Odyssee werden. Unter Umständen brauchen Sie drei, vier oder noch mehr Versuche, bis Sie ein wirkendes Medikament finden. Mitunter führen nur noch Wirkstoffkombinationen zum Erfolg.

Quarantäne bei Giardien

Die ausgeschiedenen Dauerstadien der Giardien überleben am besten in feucht-kühlem Klima. Wärme und Trockenheit lassen sie daher schneller absterben.

Werden Giardien bei Ihren Mäusen festgestellt, müssen Sie die betroffenen Nager in gut zu reinigenden Quarantänegehegen unterbringen, die Sie in der Gabepause täglich und in den letzten beiden Tagen der zweiten Gabe gründlich reinigen. Hierfür eignet sich am besten ein Dampfstrahler. Waschen Sie das Quarantänebehältnis gründlich aus und gehen Sie dann mit dem Dampfstrahler durch. In derselben Weise verfahren Sie mit dem Gehege. Geflieste Gehege oder Plastikwannen können Sie auch mit dem Desinfektionsmittel Neopredisan oder einem anderen chlorresolhaltigen Mittel desinfizieren. Dieses empfiehlt sich auch zur Desinfektion des Bodens, wenn Sie freilaufende Nager haben. Nach der Reinigung müssen die Gehege gründlich trocknen!
Der Dampfstrahler eignet sich auch zur Reinigung des Inventars. Alternativ können Sie dieses auch ausbacken oder (min. 1,5 Wochen) einfrieren.
Verwenden Sie während der Quarantäne keine Wasserschüsseln, sondern Flaschen und vermeiden Sie soweit möglich (z.B. durch sehr kleine Schüsseln), dass die Tiere beim Fressen in das Futter koten.
Setzen Sie die Nager erst nach Beendigung der Quarantäne, wenn Sie einen negativen Befund von Ihrem Tierarzt haben, zurück in ihr Gehege.
Achtung: Giardien (G. duodenalis) sind auf den Menschen übertragbar!


Quellen

Karl Gabrisch/ Perneel Zwart: Krankheiten der Heimtiere; Schlütersche Verlagsgesellschaft, 7. Auflage, 2008
Josef Boch, Rudolf Supperer, Thomas Schnieder (Hrsg.): Veterinärmedizinische Parasitologie, Parey, 6. Aufl., 2006
Richard Lucius, Brigitte Loos-Frank: Biologie von Parasiten; Springer, Berlin, 2. Aufl., 2007
Nikola Pantschev, Wieland Beck: Praktische Parasitologie bei Heimtieren – Kleinsäuger Vögel – Reptilien – Bienen; Schlütersche Verlagsgesellschaft, 1. Aufl., 2005
Anja Ewringmann, Barbara Glöckner: Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus; Enke, 1. Auflage 2008