Mäuse kastrieren

Warum soll ich meine Mäuse kastrieren lassen?

Es gibt mehrere Gründe, warum Nager kastriert werden

  1. aggressive oder schon zerstrittene Böcke (z.B. bei Farbmäusen, Striemengrasmäusen oder Baumwollratten) -> danach besser verträglich und zu vergesellschaften
  2. Gemeinschaft mit Weibchen -> Vermeidung von Nachwuchs
  3. medizinische Indikationen -> Hodendrehung oder Veränderungen am Hoden

Einige Leute lassen ihre Böcke, vor allem bei Farbmäusen, des Geruches wegen kastrieren. Dies als alleiniger Grund ist allerdings nicht akzeptabel, da eine Kastration einen großen, sehr verändernden Eingriff für das Tier darstellt.

Das Kastrationsrisiko

Mäuse sind in der Regel sehr kleine, leichte Tiere. Das macht den Eingriff schwieriger als bei größeren Arten. Unter anderem die Narkose ist schwieriger zu dosieren. Wählen Sie daher immer einen erfahrenen Tierarzt, der Übung im Umgang mit solch kleinen Tieren hat. Lassen Sie den Bock nach Möglichkeit mit einer Inhalationsnarkose betäuben. Diese ist am verträglichsten. Wichig ist jedoch auch, dass der Tierarzt seine Form der Narkose beherrscht und für Mäuse fein genug dosieren kann.
Lassen Sie sich ausgiebig beraten. Fragen Sie Ihren Tierarzt nach seinen Erfahrungen mit solchen Eingriffen und nach seinen Erfolgen. Die Wahl des richtigen Tierarztes und der richtigen Narkose ist entscheidend für das Leben Ihres Böckchens!

Geschwächte, sehr junge, sehr alte und adipöse Tiere sowie Nager mit Missbildungen und neurologischen Auffälligkeiten haben ein teils deutlich erhöhtes Narkoserisiko. Im Idealfall finden Sie hier eine alternative Lösung zur Kastration. Sehr junge oder geschwächte Tiere sollten sich vor der OP einfach entwickeln und Kräfte sammeln können. Adipöse Nager sollten so weit wie möglich abspecken. Für alle anderen Problemfälle gilt: Besser unkastriert lassen und Kastraten als Mitbewohner suchen oder – so das nicht möglich ist oder sie unverträglich sind – eine Partnerart für den einsamem Herrn suchen. Die Artengesellschaft sollte allerdings der letzte Ausweg bleiben.

Achtung: Die Narkoseverträglichkeit ist auch bei Gas nicht bei allen Mäusearten gleich! Daher hier eine kurze Liste der Tiere, von Arten, die bei meinen Tierärzten schon erfolgreich narkotisiert wurden:

Wer kann kastriert werden?

Kastriert werden in der Regel nur Böckchen. Bei kleineren Nagerarten ist dieser Eingriff für Weibchen zu aufwändig und zu gefährlich. Realistisch ist eine Kastration der Weibchen erst bei Arten ab Rattengröße. Während bei Böcken nur ein Eingriff im Hodensack stattfindet, muss bei Weibchen die Bauchhöhle komplett eröffnet werden. Das geht mit einem deutlich erhöhten Risiko sowohl für den Kreislauf, als auch in Bezug auf Infektionen und Komplikationen bei der Wundheilung einher.
Bei Farbmäusen gilt als Daumenregel: Der Bock sollte etwa 12 Wochen alt oder älter sein und zwischen 30 und 50g wiegen. Große Exemplare dürfen auch mehr auf die Waage bringen. Bei erfahrenen Tierärzten können Sie auch Böckchen mit gut entwickelten Hoden ab einen Gewicht von 20 bis 25g kastrieren lassen. Die obere Altersgrenze liegt bei etwa 12 bis 14 Monaten, die untere je nach Entwicklungsstand bei 8 bis 12 Wochen.
Für andere Nager gilt folgende Faustregel: Der Nager sollte nicht älter als die Hälfte bis zwei Drittel der durchschnittlichen Lebenserwartung der Art alt und nicht deutlich über- oder untergewichtig sein. Außerdem müssen die Hoden schon gut entwickelt sein.

Kosten

Die Kosten für eine Kastration betragen je nach Tierarzt, Narkoseform und Region durchschnittlich zwischen 30 und 60 Euro. Manche Tierärzte nehmen aber auch bis zu 130 Euro für eine Kastration. Begründet werden sehr hohe Preise gern mit “Mikrochirurgie”. Die Definition von Mikrochirurgie, spezielles Besteck zu erfordern, trifft auf Mäuse jedoch nicht zu.

Die Vorbereitung

Im Gegensatz zu vielen anderen Säugern können Mäuse sich nicht übergeben. Sie können und sollten also bis kurz vor dem Eingriff fressen und trinken. Dies ist auch für den schnellen Stoffwechsel der Tiere besser, um die Gefahr einer Unterzuckerung, einer Dehydration oder ähnlicher Komplikationen zu minimieren. Geben Sie die Maus in ihrer normalen Streu, mit Futter, Flüssigkeit (Gurke, Trinknapf, o.ä.) und einem Häuschen in der Box beim Tierarzt ab. So hat der Bock noch eine möglichst vertraute Umgebung und ist weniger gestresst.

Wenn Sie scheue Exoten abgeben, instruieren Sie den Tierarzt über den Umgang mit den Tieren. Bewährt hat sich bei diesen Patienten, dass der Tierarzt die Gasglocke über das gesamte Tier stülpt oder es in eine Narkosebox setzt und es so betäubt. So erspart er sich und dem Patienten den Stress des Einfangens und Festhaltens und umgeht das bei heftiger Gegenwehr durchaus vorhandene Verletzungsrisiko für das Tier. Zudem ist die Gefahr, dass der Bock quer durch die Praxis flüchtet, minimal und auch die Gefahr eines Kreislaufkollaps’ durch Stress ist so am geringsten.
Bei zahmen Tieren kann der Tierarzt auch eine leichte Narkose spritzen, sodass das zu narkotisierende Tier das Exitationsstadium der Gasnarkose nicht bei vollem Bewusstsein erlebt.

Die Operation

Bei der Operation wird der Bock auf dem Rücken fixiert und der Hodensack wird durch einen Schnitt oder zwei Schnitte geöffnet. Dann entfernt der Tierarzt das den Hoden umgebende Fettgewebe und die eigentlichen Keimdrüsen. Anschließend werden die Enden der Samenstränge mit einem Faden verschlossen oder verklebt und die Wunde wird je nach Größe entweder vernäht oder mit einem Sprühpflaster bedeckt.
Der Bock bekommt noch ein Antibiotikum gespritzt, um einer Infektion vorzubeugen. Außerdem erhält er ein Schmerzmittel.

Die Nachbereitung

Nach der Operation wird die Streu aus der Box entfernt und durch Zellstoff ersetzt, um eine Infektion der Wunde zu vermeiden. In der Box wacht der Patient unter Aufsicht des Arztes oder einer Tierarzthelferin auf. Lassen Sie sich niemals schlafende Tiere mitgeben! Während des Aufwachens kann es zu Komplikationen wie Kreislaufzusammenbrüchen kommen. Dann sollte ein Tierarzt in der Nähe sein, der schnell und richtig reagieren kann. Nehmen Sie also nur vollständig aufgewachte Tiere mit.
Schon während der Operation beginnt das Tier auszukühlen, was auch nach dem Eingriff anhält. Es sollte also nicht nur während der Operation die Körpertemperatur kontrolliert werden. Sorgen Sie auch auf dem Heimtransport und in den folgenden Stunden noch für eine externe Wärmezufuhr.
Der Bock kann und sollte direkt nach dem Aufwachen wieder fressen und trinken.
Lassen Sie den Mäuserich zu Hause noch einige Stunden bis Tage in einem vorbereiteten Käfig auf Zellstoff sitzen, bis die Operationswunde sich komplett geschlossen hat. Hinterlässt er keine Flecken mit Wundflüssigkeit oder Blut mehr auf dem Zellstoff, ist die Wunde trocken und geschlossen.
Die Fäden müssen in der Regel nicht gezogen werden. Entweder verwendet der Arzt selbst auflösende Fäden (lila) oder der Bock zieht sie sich in den folgenden Tagen selbst.

Komplikationen

Sowohl während der Operation als auch danach können Komplikationen auftreten. Stark an den Hoden verbissenen Böcke können so massive Vernarbungen haben, die eine vollständige Kastration unmöglich machen.
Mitunter zieht der Bock in der Narkose auch einen oder beide Hoden in die Bauchhöhle zurück. Der Tierarzt hat dann die Wahl, diese(n) Hoden dort zu belassen oder die Bauchhöhle zu eröffnen. Letzteres stellt einen extrem schweren Eingriff dar. Daher verzichten viele Tierärzte dann auf eine vollständige Kastration.
Durch die Narkose kann es auch zu einem Kreislauf- und/oder Atemstillstand kommen. Dann muss das Tier sofort reanimiert werden.

Auch nach der Kastration können verschiedene Komplikationen auftreten. Am häufigsten sind Nachblutungen. Sind diese stark oder versiegen sie nicht spätestens einige Stunden nach dem Eingriff, müssen Sie den Bock sofort wieder zum Tierarzt bringen.
Einige Tiere ziehen auch die Fäden zu früh. Dadurch können je nach Größe der OP-Wunde recht große Wunden entstehen, die erneut versorgt werden müssen. Auch Infektionen durch den Einfall von Keimen in das Operationsgebiet sind möglich. Der Patient muss dann antibiotisch behandelt werden.
Oft unbemerkt, aber sehr gefährlich ist der Austritt von Darmschlingen in den leeren Hodensack. Der Darm rutscht dann durch die Öffnung am Samenstrang, die in der OP vernäht wird. Selten löst sich diese Naht und der Darm kann aufgrund es Drucks im Bauchraum durchrutschen. Wird die Komplikation nicht oder nicht rechtzeitig erkannt, verstirbt das Tier.
Noch Stunden oder Tage nach der Kastration kann es zu einem Kreislaufkollaps kommen. Der Bock muss dann schnell mit kreislaufstimulierenden Maßnahmen behandelt werden (Wärme, Medikamente, manuelle Stimulation). Sprechen Sie mögliche Medikamente mit Ihrem Tierarzt ab. Bei einer Kreislaufschwäche nach einer Opration, können Sie mit leichten Massagen den Kreislauf stimulieren. Lassen Sie sich das genaue Vorgehen am besten von Ihrem Tierarzt zeigen.
Im schlimmsten Fall wurden Organe durch die Narkose überlastet oder geschädigt, sodass es im Nachgang bis zu 10 Tage nach der Operation noch zu Tod durch Organversagen kommt. Besonders häufig betroffen sind davon Tiere, die schon vor der Operation allgemein gesundheitlich und/oder neurologisch auffällig waren.

Kastration, Gruppen und Integration

Entfernen Sie einen kastrierten Bock nicht aus seinem sozialen Verband, wenn er in einen solchen eingebunden ist. Das ist in der Regel unnötig, da die Artgenossen die Wunde nicht anfressen. Bei instabilen Gruppen, sollten Sie sogar die gesamte Gruppe zur Kastration abgeben, auch wenn nicht alle kastriert werden sollen. Das/die zu kastrierende(n) Tier(e) wird/werden dann nur für die OP und die Aufwachphase von der Gruppe getrennt.
Möchten Sie den/die Kastraten zu Weibchen vergesellschaften, sollten Sie mindestens 3, bei manchen Arten bis zu 6 Wochen damit warten. Die Herren sind nämlich auch einige Zeit nach der Kastration noch zeugungsfähig.
Die Vergesellschaftung von Kastraten mit Kastraten und von Kastraten mit Böcken ist problematischer als eine Vergesellschaftung mit fremden Weibchen. Darauf wird im entsprechenden Abschnitt näher eingegangen.
Achtung: Frische Kastraten, die in einer Gruppe zusammenleben, können in den ersten 14 Tagen nach der Operation noch einmal deutlich aggressiver werden als vor der Operation. Jagereien und Beißereien werden noch einmal häufiger und auch heftiger. Erst danach beruhigt sich die Gruppe mit dem langsam fallenden Hormonspiegel.