Alte Mäuse

Altes Eisen?

Alte Mäuse haben einen besonderen Charme. Die kleinen Rentner sind meist ruhiger, bewegen sich weniger und sind weniger mobil. Nichtsdestotrotz können sie viel Lebensfreude ausstrahlen und ihren Lebensabend sehr genießen.
Der Gedanke, dass die neue Maus schon bald wieder gehen wird, schreckt dennoch viele von einer Aufnahme alter Tiere ab. Zudem fragen sich einige: Lohnt sich ein Umzug für das Tier noch? Ja, das tut er!

Mäuse werden in der Regel nicht sehr alt, sodass schon eine Woche für ein altes Tier eine sehr lange Zeit ist. Wenn Sie also eine alte Maus aufnehmen, können Sie ihr sehr wohl noch für eine für das Tier lange Zeit ein schönes Leben bieten, es schlimme Erlebnisse vergessen lassen und es einfach nur verwöhnen. Gerade alte Mäuse nehmen das mit besonderer Dankbarkeit an.
Zudem leben manche Mäuse doch noch sehr viel länger, als ihre altersschwache Erscheinung vermuten lässt. Einige Nager, denen Sie beim Einzug vielleicht noch zwei oder drei Wochen geben, können noch einmal richtig aufblühen und deutlich länger leben. Vor allem bei Mäusen, deren genaues Alter Sie nicht kennen, geschieht dies gar nicht so selten.
Der Abschied wird trotz allem traurig werden wie bei jedem Tier, das man liebt. Als Trost bleibt, dass Sie Ihrem Schützling die letzte Zeit seines Lebens so angenehm wie möglich gestaltet haben.

Alterserscheinungen

Typisch für die fortschreitende Hinterhandlähmung: der flache, abfallende Rücken dieses mehr als 3 Jahre alten Mäuserichs
Typisch für die fortschreitende Hinterhandlähmung: der flache, abfallende Rücken dieses mehr als 3 Jahre alten Mäuserichs

Ab wann Mäuse wirklich alt sind, ist schon innerhalb einer Art recht unterschiedlich, da die einzelnen Individuen unterschiedlich schnell altern. Faktoren sind hierbei unter anderen Vererbung, Stress, Haltung und Fütterung.
In der Regel gelten Mäuse als alt, wenn sie sich der Obergrenze der durchschnittlichen Lebenserwartung nähern oder gar schon überdurchschnittlich alt sind.

Vor allem Farbmäuse und Mongolische Rennmäuse zeigen nach und nach typische Alterserscheinungen wie einen Buckel, zunehmend dünneres und/oder struppigeres Fell. Auch Gewichtsverlust lässt sich manchmal auf das Alter zurückführen. Besonders in den letzten Wochen ihres Lebens nehmen manche Nager stark ab. Mit zunehmendem Alter werden die Tiere ruhiger, mitunter auch zutraulicher und weniger mobil. Ausdauer und Kraft leiden mitunter ebenfalls. Vor allem bei Farbmäusen wird die Region um die Augen ringförmig mit zunehmendem Alter immer kahler. Das erleichtert die Altersschätzung beispielsweise bei Fundtieren.
Diese Alterszeichen können auch bei exotischen Mäusearten auftreten. Häufig sind sie jedoch deutlich schwächer ausgeprägt, was vor allem bei Exemplaren unbekannten Alters die Altersschätzung erschwert. So manchem Exoten sieht man sein Alter bis zum Ende nicht an.
Eine Alterserscheinung, die ich bisher nur bei sehr alten Farbmäusen (im Alter von 2,5 bis 3 Jahren aufwärts) beobachten konnte, war eine fortschreitende Hinterhandlähmung. Sie beginnt mit Bewegungsstörungen in den Füßen und schreitet sehr langsam fort, bis der untere Rücken abgeflacht und Schwanz und Hinterbeine komplett gelähmt sind. Dies tut der Lebensfreude der Tiere aber offensichtlich keinen Abbruch. In der Regel versterben sie an Altersschwäche.

Die erwähnten Alterserscheinungen können aber auch Anzeichen für eine Erkrankung sein. Sind Sie sich nicht sicher, dass es sich nur um Altersanzeichen handelt, stellen Sie Ihr Tier in jedem Fall einem Tierarzt vor!

Umgang mit alten Mäusen

Uropi an der Kokoscreme: Alte Mäuse dürfen das
Uropi an der Kokoscreme: Alte Mäuse dürfen das

Hat ein alte Maus keine Probleme, muss sie auch nicht speziell vom Tierarzt behandelt werden. Nur bei Alterserscheinungen, die den kleinen Senioren belasten, müssen Sie ihn dem Veterinär vorstellen. Doch, wie gehen Sie mit einer gesunden, aber eben sehr alten Maus um?

Solche Nager können Sie so richtig verwöhnen – vor allem dann, wenn ein Tier zur Gewichtsabnahme neigt. Beobachten Sie gerade alte Mäuse immer gut auf Krankheitssymptome, um schnell handeln zu können.
Sind Ihre Senioren nicht mehr ganz so mobil und geschickt im Klettern, sollten Sie ihnen das Gehege entsprechend einrichten, sodass für die kleinen Rentner keine Unfallgefahr besteht und sie von ihrer Umgebung nicht überfordert werden.
Vermeiden Sie jeden möglichen Stress für die alten Mäuse. Soweit möglich, sollten Sie auch von stressigen und langwierigen Vergesellschaftungen absehen, solange ein sehr alter Nager in der Gruppe lebt. Kurzen, entspannten Vergesellschaftungen steht jedoch nichts im Wege, solange ein Senior noch fit für sein Alter ist. Die Regel, alte Mäuse nicht zu vergesellschaften, unterstütze ich daher nicht als allgemeingültige Leitlinie.
Wenn Sie merken, dass Ihr Senior nur noch wenige Tage leben wird, sollten Sie allerdings sehr wohl auf eine Vergesellschaftung und auch auf eine Käfigreinigung verzichten. Sie bringen dem Mäuserentner nur unnötigen Stress und Unruhe.

Eine Maus stirbt

Viele Mäuse schlafen einfach ein und sterben somit einen friedlichen Tod. Doch auch dieser folgt bestimmten Regeln.
Wie in der Natur zieht sich das sterbende Tier oft von der Gruppe zurück, stellt die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme ein und verweilt mitunter an einer recht offensichtlichen Stelle weitab von den anderen. Ist es soweit, sollten Sie nicht mehr versuchen, eine alte Maus zur Gruppe zurück zu führen, sie zwangsweise zu ernähren oder ähnliches. Akzeptieren Sie, dass Ihr Tier entschieden hat zu gehen!
Manche sterbende Tiere suchen in den letzten Stunden oder Minuten plötzlich bewusst von selbst die Nähe zum Menschen. Diese sollten Sie ihnen dann auch gewähren.
Beide Verhaltensweisen führen in der Natur dazu, dass der alte Nager von Fressfeinden viel schneller bemerkt und weggefangen wird. Die Tiere beschleunigen damit also das unvermeidbare Ende.

Ebenso wie in der Natur beseitigen vor allem exotische Nager tote Artgenossen, indem sie sie an- oder gar auffressen. Dieses Verhalten ist völlig natürlich und sorgt in freier Wildbahn dafür, dass wertvolles Protein nicht verschwendet wird. Gleichzeitig stellen die Mäuse damit sicher, dass der Geruch des toten Artgenossen keine Fressfeinde anlockt oder sich auf der Leiche ein Nährboden für schädliche Keime bildet.
Gerade bei domestizierten Tieren wie der Farbmaus kommt es aber auch immer wieder vor, dass Sie einen toten Artgenossen vollständig im Nest oder vergraben in der Streu finden. Farbmäuse haben den natürlichen Instinkt, sich von der Gruppe zu entfernen oder tote Artgenossen „aufzuräumen“, schon teilweise verloren.

Ist der Senior krank und/oder wird er zunehmend von Alterserscheinungen belastet, sodass das Leben für das Tier zur Qual wird, müssen Sie es erlösen lassen. Dabei ist es nicht immer ganz einfach, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Sind Sie sich unsicher, lassen Sie sich daher von Ihrem Tierarzt ausführlich beraten. Im Zweifelsfall sollten Sie Ihren Rentner lieber ein paar Tage zu früh als zu spät erlösen und ihm damit unnötige Qualen ersparen.
Die Liebe zu Ihrem kleinen Hausgenossen kann dazu verführen, immer noch ein wenig warten zu wollen. Aber: Es zeigt große Liebe zum Tier, wenn Sie rechtzeitig loslassen können! Tun Sie diesen Schritt daher, wenn Sie merken, dass er notwendig wird oder wenn Ihr Tierarzt Ihnen nach umfassender Beratung dazu rät.
In der Regel zeigen Mäuse recht gut, wann es Zeit ist zu gehen. Akzeptieren Sie die Wahl Ihres kleinen Freundes. Er weiß genau, wann er noch kämpfen kann und will. Kämpfen Sie mit Ihrem Tier, wenn es kämpfen will. Aber lassen Sie auch los, wenn sich die kleine Maus verabschieden will.