Mycoplasmose bei Mäusen

Der Erreger

Der Erregergruppe der Mycoplasmen gehören die kleinsten bekannten Mikroorganismen an, welche sich selbstständig vermehren können und keine Zellwand besitzen. Die Keime sind typische Parasiten der Zelloberfläche, dringen aber eher selten in die Zelle selbst ein. Besonders häufig sind sie auf Schleimhäuten – meist denen des Atmungstraktes – vertreten. Sie siedeln sich aber auch im Genitaltrakt, in den Ohren und in den Gelenken an.
Ist ein Organismus Träger dieser Erreger, muss er nicht notwendigerweise Symptome aufweisen. Gesunde Tiere mit starkem Immunsystem sind in der Regel symptom-, aber eben nicht unbedingt erregerfrei. Erst wenn eine zusätzliche Erkrankung oder äußere Umstände wie schlechtes Futter oder chronischer Stress den Organismus und damit das Immunsystem schwächen, beginnen auch die Mycoplasmen ihr zerstörerisches Werk, welches sich in der Regel in lokalen, chronisch-entzündlichen Reaktionen äußert.

Mycoplasmen können an vielen Krankheitsphänomenen beteiligt sein. Dazu gehören Atemwegserkrankungen, bei denen sie Gewebe auf Dauer zerstören. Aus dieser Zerstörung resultieren die bekannten, dauerhaft auftretenden Atemgeräusche.
Weitere Erkrankungen, an denen Mycoplasmen verschiedener Stämme beteiligt sein können, sind die äußere und Mittelohrentzündung, Gelenkserkrankungen, Rollkrankheit, Genitalinfektionen und Augenentzündungen.

Ausgehend von einer Untersuchung, die den Haustierbeständen von Farbratten eine nahezu komplette Mycoplasmendurchseuchung bestätigt hat, wird auch bei Mäusen gern von Mycoplasmose, kurz Myco, gesprochen, sobald ein Tier Atemgeräusche zeigt. Eine ähnliche Durchseuchung wird bei Mäusen zwar vermutet, ist bis zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht durch Untersuchungen belegt. Über einen tatsächlichen Durchseuchungsgrad kann also nur spekuliert werden.

Übertragung

Die Übertragung erfolgt durch den direkten Kontakt von Maus zu Maus, über winzigste Tröpfchen (z.B. beim Niesen), beim Deckakt oder von der Mutter auf ihre Jungen. Auch indirekte Übertragung über ungewaschene Hände, verseuchtes Inventar und ähnliches sind möglich.

Symptome

Die Infektion verläuft meist symptomlos. Erst bei einer Schwächung des Immunsystems, Reizungen der Atemwege (z.B. durch Ammoniak) und sekundäre Infektionen (besonders mit Pasteurella pneumotropica, Bordatella bronchiseptica, Corynebacterium kutscheri, Streptococcus pneumoniae) zeigen sich Symptome.
Bei Erkrankungen in der Lunge mit Beteiligung von Mycoplasma pulmonis lassen sich unter anderem ein zunehmendes Niesen und die charakteristischen Atemgeräusche beobachten. Mit fortschreitender Erkrankung kommt es auch zu Flankenatmung, verschlechtertem Allgemeinbefinden und Abmagerung aufgrund von Atemnot. Nasen- und Augenausfluss lassen sich zumindest in der ersten Zeit der Infektion eher selten beobachten.

Besiedeln Mycoplasmen den Genitaltrakt, verursachen sie hier Fehlgeburten und Unfruchtbarkeit.

Mycoplasma neurolyticum äußert sich in den typischen Bewegungen der Rollkrankheit. Befallen Mycoplasmen die Gelenke, verursachen sie Arthritis, im Ohr Otitiden und die daraus resultierenden, typischen Symptome.

Diagnose

Der Nachweis von Mycoplasmen der Form M. pulmonis, welche die Atemwege angreifen können, ist über einen Antikörpertest möglich. Allerdings werden für diesen Test 0,5 ml Blut benötigt – was 10 bis 12% der Gesamtblutmenge einer Maus ausmacht. Deshalb ist der Test am lebenden Tier kaum durchführbar. Da der Erreger in Nasenhöhlen und tieferen Atemwegen lokalisiert ist, kann auch keine Tupferprobe zur Analyse genommen werden.
Daher kann Mycoplasmose an der lebenden Maus nicht sicher diagnostiziert, sondern lediglich vermutet werden. Bei Atemgeräuschen automatisch gleich von „Myco“ zu sprechen, ist daher falsch, da es viele weitere Erreger gibt, die dieselben Symptome verursachen können.

Bestimmte Formen von Atemgeräuschen bieten wider verbreitete Annahmen hier ebenfalls keinen sicheren Indikator.
Auch andere Erkrankungen, an denen Mycoplasmen beteiligt sein können, müssen nicht automatisch von diesen ganz oder teilweise verursacht werden, da es auch hier weitere Keime gibt, die analoge Krankheitszeichen hervorrufen.
Sollte ein Tier des Bestandes eingeschläfert werden oder versterben, kann es beim Tierarzt oder direkt in der Veterinärpathologie abgegeben werden, um es auf einen Mycoplasmenbefall hin zu untersuchen.

Behandlung

Da Mycoplasmose nicht sicher diagnostiziert werden kann, ist eine gezielte Behandlung nicht möglich. Die Tiere werden symptomatisch behandelt, wie bei den entsprechenden Erkrankungen, denen andere Erreger zugrunde, liegen üblich.

Die Erreger können dabei nicht vernichtet, sondern nur die Symptome bekämpft werden. Die Wirksamkeit der einzelnen Antibiotika in der unten stehenden Tabelle ist jedoch je nach Mycoplasmenstamm sehr unterschiedlich, sodass das Antibiotikum unter Umständen ein- oder mehrmals gewechselt werden muss. Schleimlöser und die Inhalation mit Kamille unterstützen die Behandlung. Auch die Gabe immunstärkender Mittel kann sinnvoll sein.

Medikamentenaufstellung

Antibiotikum Gabeturnus Dosierung Gabemethode
Doxycyclin 1x täglich 5-10mg/kg subkutan
Baytril 1x täglich 10mg subkutan , oral
Oxytetracyclin 1x täglich 10-20mg/kg subkutan
Marbocyl 1x täglich 4mg/kg subkutan , oral
Erythromycin 2x täglich 10mg/kg oral
Schleimlöser Gabeturnus Dosierung Gabemethode
Acetylcystein 2x täglich 3mg/kg oral , subkutan
Bisolvon 2x täglich 0,5mg/kg oral
Kamille 1 – 3x täglich inhalieren

 

Quellen
Anja Ewringmann, Barbara Glöckner: Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus; Enke, 1. Auflage 2008
James G. Fox, Stephen W. Barthold, Muriel T. Davisson (Hrsg.): The Mouse in Biomedical Research 2 – Diseases: 2; Academic Press; 2. Auflage, 2006