Kratzmaus / Ulzerative Dermatitis

Ursache

Die Ursache liegt wahrscheinlich in einem vorangegangenen Befall mit Ektoparasiten, meist Milben. Vermutet wird eine Überempfindlichkeit gegenüber Antigenen der Parasiten selbst oder ihrer Ausscheidungen, die zu einer dauerhaft fehlgeleiteten Immunreaktion führt.
Manchmal können auch eine hormonelle Dysbalance oder eine Mangelernährung eine Rolle spielen.
Wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse gibt es bis jetzt aber leider nicht. Dem Tierarzt ist das Problem als „ulzerative Dermatitis“ bekannt.
Bisher ist die Kratzmaus ein nur bei Farbmäusen bekanntes Phänomen.

Symptome

Kratzmaus mit lädierten Ohren und offenem Nacken
Typisch Kratzmaus: Lädierte Ohren und ein offener Nacken

Die Tiere fallen auf, da sie sich massiv vor allem im Kopf- und Halsbereich kratzen. Grundsätzlich kann aber jede Körperstelle betroffen sein. Die Mäuse kratzen dabei so sehr, dass sie sich die Ohren bis auf Stümpfe ab- und Hautstellen bis auf das rohe Fleisch aufkratzen. Diese Kratzwunden infizieren sich schnell mit Bakterien und/ oder Pilzen. Die Folge sind tiefe, schlecht heilende Wunden. In extremen Fällen führen die betroffenen Mäuse selbst in Narkose noch Kratzbewegungen aus.
Darüber hinaus sind die Tiere permanent unruhig, verlieren nach und nach ihren Appetit und magern ab. Darüber hinaus zeigen die meisten Kratzmäuse starke Anzeichen von Stress.

Diagnose

Als erstes müssen andere Ursachen ausgeschlossen werden. Die Tiere werden also auf Parasiten, Bakterien und Pilze untersucht und diese bei positivem Befund bekämpft. Kratzen die Tiere weiter, obwohl bei einer Kontrolluntersuchung keinerlei Organismen mehr nachweisbar sind, liegt der Verdacht auf eine Kratzmaus nahe.
Dann sollten Sie Tupferproben von den betroffenen Arealen bakteriologisch untersuchen lassen. Das Ergebnis kann eventuelle Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen.

Behandlung

Auch wenn keine Parasiten nachgewiesen werden können, können Ihre Tiere mitunter noch Parasiten tragen, die die Kratzattacken auslösen. Wurde im ersten Durchlauf mit Stronghold gespottet,hat sich der Wechsel auf ein anderes Antiparasitikum (Ivomec, Advocate) bewährt und Heilung gebracht.
Jedoch ist es längst nicht immer so einfach. Die Behandlung von Kratzmäusen ist schwierig. Haben Sie ein wirksames Mittel gefunden, müssen die Tiere mitunter lebenslang therapiert werden und es gibt keine Garantie, dass das gefundene Mittel auch bei der nächsten Kratzmaus wirkt. Außerdem kann eine lange erfolgreiche Therapie bei einer Kratzmaus auch irgendwann ihre Wirkung verlieren. Dann müssen Sie nach einer Alternative suchen.
Salben und Cremes verschlimmern das Problem in der Regel eher, als es zu verbessern. Die betroffenen versuchen Nager meist, das aufgetragene Mittel schnellstmöglich zu entfernen und strapazieren die betroffene Stelle so noch mehr. Entsprechend sind sie nur sehr selten das Mittel der Wahl.

Kratzmaus mit Chlorhexidinpuder im Nacken
Kratzmaus mit Chlorhexidinpuder im Nacken

Eine Cortisonbehandlung (z.B. mit Prednisolon oder Dexamethason) kann Linderung schaffen, da sie den Juckreiz dämpft. Dies muss Ihr Tierarzt im vorliegenden Einzelfall entscheiden. Problematisch ist hier die Frage, ob es zumutbar ist, den Tieren vielleicht für den Rest ihres Lebens regelmäßig eine Spritze setzen zu lassen. Fragen Sie Ihren Tierarzt nach einem Depotcortison.
Gegen die eingetragenen Keime, die das Problem noch weiter verschlimmern, kann Ihr kleiner Patien ein Antibiotikum erhalten. Wurde eine Tupferprobe genommen und ein Antibiogramm erstellt, kann das Antibiotikum gezielt ausgewählt werden. Andernfalls wählt der Tierarzt ein Breitbandantibiotikum (z.B. Baytril, Borgal).
Um eine Besiedlung der offenen Areale mit Pilzen und Bakterien zu verhindern, hat sich Chlorhexidinpuder bewährt.

In einigen Fällen konnten Halter mit Fenistiltropfen gute Ergebnisse erzielen. Das Problem liegt hier nicht nur darin, dass das Medikament nur für Menschen zugelassen ist, sondern auch in seinem Alkoholgehalt. Wenden Sie das Mittel also nicht einfach ins Blaue hinein an, sondern immer nur mit Rücksprache mit Ihrem Tierarzt.

Mitunter verhilft auch eine Mischung aus Cortavance-Spray und Gentamycin. Die Mischung aus 2ml Antibiotikum auf 1 Flasche Spray ließ hier die Wunden rasch eintrocknen, die Rötung ging zurück. Vorteil des Sprays: Durch seine dünnflüssige Konsistenz reizt es die Tiere deutlich weniger zum Kratzen als eine Salbe. Allerdings greift auch diese Behandlung nicht bei jedem Tier.

Auch Behandlungen mit Heilerde oder lokales Auftupfen von Wasserstoffperoxidlösung erzielte in einigen Fällen eine Besserung. Einige Tiere heilten sogar aus.

Ein neuerer, sehr Erfolg versprechender Ansatz greift auf zwei simple Komponenten zurück:

  1. Krallenschneiden
  2. Gabe eines starken Antioxians

Studien mit verschiedenen Antioxidantien wie Acetylselicylsäure, Glutathion und Vitamin E sowie mit Natriumhypochlorit zeigten teils sehr gute Ergebnisse und Quoten für die Heilung. Auch das Krallenschneiden erwies sich in Studien als heilungsfördernd. Erste Versuche hier im Mäuseasyl mit Krallenschneiden + Vitamin E legen nahe, dass sich diese Therapie tatsächlich lohnen kann.

Ist abzusehen, dass keine Therapieform anschlägt, sollten Sie das betroffene Tier einschläfern lassen, da es unter den Juckreizattacken massiv leidet. Diesen Weg gehen leider durchschnittlich etwa 50% aller Kratzmäuse.
Sollten Sie also Erfolg mit einer hier nicht aufgeführten Behandlungsmethode gehabt haben, freue ich mich über Ihre Mail. Die Suche nach wirksamen Behandlungsmethoden geht nämlich noch immer weiter.

 

Quellen
Anja Ewringmann, Barbara Glöckner: Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus; Enke, 1. Auflage 2008
Karl Gabrisch/ Perneel Zwart: Krankheiten der Heimtiere; Schlütersche Verlagsgesellschaft, 7. Auflage, 2008