Bisswunden bei Mäusen

Gruppen vertragen sich plötzlich nicht mehr. Farbmausböcke fetzen sich. Bei einer Vergesellschaftung kugeln die Tiere in einander verbissen durch den Behälter. Es gibt viele Momente, in denen Bisswunden entstehen können. Doch, was tun, wenn´s dann passiert ist?

Punktuelle Bisswunden

Punktuelle Bisswunden sind die häufigsten. Sie entstehen, wenn die Mäuse von oben mit den Zähnen Haut, Fett und bei tieferen Bissen auch die Muskulatur durchdringen und sie durch den entstehenden Kanal zurückziehen. Die entstandene Wunde ist daher klein und blutet in der Regel nur wenig, je nach Tiefe manchmal gar nicht. Nur bei Tieren mit Blutungsneigung oder wenn große, dicht unter der Haut liegende Gefäße verletzt werden, kann eine solche Bisswunde stark bluten.

Punktelle Wunden heilen in der Regel ohne Behandlung ab. Cremes, Salben und ähnliches können den Wundheilungsprozess sogar verzögern. Dazu kommt der Stress der Behandlung. Stark blutende Bisswunden bedürfen einer schnellen Reaktion, wie Sie im Folgeabschnitt noch sehen werden.
Beobachten Sie aber auch kleine, kaum blutende Wunden ganz genau, da beim Biss immer Keime in die Wunde getragen werden. Eventuell entstehende Entzündungen erkennen Sie dank guter Beobachtung und können rechtzeitig entgegenwirken und die betroffene Maus beim Tierarzt vorstellen. Andernfalls können leicht Abszesse und großflächige Entzündungen entstehen.
Auch bei kleinen Wunden gilt: Suchen Sie den Tierarzt im Zweifelsfall lieber einmal zu oft auf als einmal zu wenig!

Problematisch können punktuelle Bisswunden erst werden, wenn sie gehäuft oder am Schwanz auftreten. Vor allem, wenn Sie Beißereien nicht rechtzeitig bemerken oder die Mäuse aus einem anderen Grund nicht trennen, werden einzelne Tiere regelrecht zerlöchert. Es entstehen großflächige Wundareale mit unzähligen Einzelverletzungen.
Behandelt werden sollten sie ebenfalls nur, wenn Komplikationen auftreten. Dem Tierarzt sollten Sie solche Verletzungen aber in jedem Fall vorstellen, da er sie meist besser einschätzen kann. Zudem sind Komplikationen bei solchen Arealen leider recht häufig der Fall. Wenn der Schorf des Wundareals abfällt, ist die Haut darunter sehr empfindlich und manchmal noch nicht komplett geschlossen.
Auch nur teilweise abgelöste Schorfe können Probleme bereiten. In beiden Fällen können sich Bakterien und Pilze an der Wundstelle einnisten. Bei diesen größeren Wundarealen sollten Sie den oder die Patienten auf Küchenkrepp setzen und die Wunde desinfizieren. Eventuell muss sie einige Tage regelmäßig gespült werden.
Liegt ein Pilz- oder Bakterienbefall vor, muss dieser umgehend behandelt werden. Stellen Sie den betroffenen Nager daher schnellstmöglich Ihrem Tierarzt vor und beraten Sie mit ihm die optimale Therapie.
Ist der Schorf noch intakt sollten Sie niemals in Eigenregie Salben oder ähnliches darauf auftragen. Zum einen können diese vor Ort gar keine Wirkung entfalten, zum anderen weichen sie die Kruste auf, sodass sie von der Maus leichter abgekratzt werden kann. Aus solchen Verletzungen können dann Entzündungen und lokale Blutungen entstehen.
Lassen Sie das verbissene Tier nach Möglichkeit nicht allein. Artgenossen geben dem Verletzten Rückhalt und mindern den Stresspegel. Vereinzelt werden sollte ein Nager nur, wenn es unbedingt nötig ist. Das ist beispielsweise der Fall, wenn kein verträglicher Artgenosse greifbar ist oder die anderen Gruppenmitglieder an der Wunde herumfressen.

Stark blutende Bisswunden

Manchmal reicht schon ein Biss und das betroffene Tier blutet sehr stark. Je kleiner eine Maus ist, umso weniger Blut hat sie. Bei Farbmäuse sind es im Schnitt 5 bis 6ml. Daher kann schon der Verlust kleiner Blutmengen gefährlich werden.
Stark blutende Wunden durchnässen das Fell an der betroffenen Stelle. Ist das durchgeweicht, tropfen dicke Tropfen daran herunter. Vor allem bei sehr kleinen Arten ist das ein lebensbedrohlicher Notfall. Jetzt müssen Sie binnen wenigen Minuten handeln. Stoppt die Blutung nämlich nicht, stirbt das Tier binnen kürzester Zeit.
Weitere Zeichen eines akuten, hohen Blutverlustes sind:

  • Blässe
  • nachlassender Muskeltonus
  • Apathie des Tieres

Als erste Hilfe leistet pures Lotagen bei massiven Blutungen gute Dienste. Geben Sie einfach einige Tropfen auf die Bissstelle. In der Regel genügt der denaturierende Effekt, um die Blutung zu stoppen. Deshalb lohnt es sich, immer einige Milliliter davon in der Mäuseapotheke daheim zu haben.
Achtung: bei flächigen, stark blutenden Wunden zerstört Lotagen das offen liegende Muskelgewebe. Das kann später zu Vernarbungen im Muskel und damit zu einer Einschränkung der Muskelfunktion führen. Nichtsdestotrotz stellt die Wunddesinfektion zur Stillung der akuten Blutung das Mittel der Wahl dar, bis Sie mit dem Bissopfer beim Tierarzt ankommen.
Nach der Erstversorgung muss die Maus sofort zum Tierarzt. Dieser sollte mit einem subkutanen Flüssigkeitsdepot das verlorene Volumen ersetzen, sodass der Kreislauf des verletzten Nagers wieder stabilisiert wird.

Größere und tiefe Wunden

Vielzitzenmaus mit Bissverletzung
Aggressive Böcke: Männliche Vielzitzenmäuse können einander schwere Wunden beibringen

Größere Wunden sind solche, bei denen teilweise auch Muskulatur herausgerissen wurde. Sie entstehen, wenn die Mäuse in eine Körperstelle hinein beißen, die Zähne schließen und dann den Kopf ruckartig nach hinten reißen oder das Opfer festhalten, bis es sich in seinem Fluchtbestreben losreißt und so selbst verletzt. Die Wundfläche an sich ist jedoch noch vergleichsweise klein.
Bisswunden, bei denen Muskulatur mit herausgerissen wird, können Sie vor allem bei Stachelmäusen, seltener auch bei Grasmäusen und Akazienratten beobachten, wenn diese sich bekämpfen.

In der Regel bluten die Wunden für ihre Größe erstaunlich wenig. Meist sind die Verletzungen aber groß und tief genug, dass sich Streu darin festsetzen kann. Daher sollten Sie den Untergrund gegen Küchenkrepp austauschen, um eine Wundinfektion zu vermeiden.
Desinfizieren Sie eventuell die Wunde, zum Beispiel mit Lavasept. Eine weitere Behandlung ist meist nicht notwendig, obwohl die Wunden mitunter schon ziemlich gefährlich aussehen. Eingreifen sollten Sie erst, wenn eine Infektion erkennbar wird (Rötungen, unnatürliche Farbe, Geruch, dauerhaft feuchte Oberfläche) oder die Wunde stark und/oder andauernd blutet (siehe stark blutende Wunden).
In letzterem Fall müssen Sie den Patienten nach der ersten Hilfe sofort einem Tierarzt vorstellen. In schlimmen Fällen kann dieser auch einen blutstillenden Cocktail spritzen. Doch auch harmloser erscheinende Wunden sollten Sie einem Veterinär vorstellen, wenn Sie sich unsicher sind. Er kann im Einzelfall entscheiden, ob eine Behandlung notwendig ist und wie Sie das Tier bis zur Genesung am besten pflegen.
Infektionen sollten Sie immer einem Tierarzt zeigen und mit ihm die weitere Behandlung beraten, etwa ob ein orales oder lokales Antibiotikum gegeben werden soll.

Großflächige Bißwunden

Verletzte Striemengrasmaus
Verletzte Striemengrasmaus: Solche Wunden entstehen in Sekunden

Großflächige Wunden sind typisch für Grasmäuse. Manche Tiere schälen sich binnen Minuten gegenseitig regelrecht Fell und Haut vom Leib, sodass blanke Muskeln und Knochen zum Vorschein kommen. Diese Wunden sehen extrem gefährlich aus und können ganze Körperpartien wie Flanken oder Rücken komplett bedecken. Sie bluten in der Regel jedoch kaum.

Diese Mäusearten sind auf derartige Kampfverletzungen eingestellt. Daher sind diese riesigen Wunden, die beispielsweise für eine Farbmaus eine tödliche Verletzung wären, für Grasmäuse zwar schwerwiegend, aber nicht immer automatisch lebensgefährlich. Die meisten Exemplare, die einen Kampf mit solchen Wunden nicht überleben, versterben am entstandenen Stress, nicht an den Verletzungen selbst. Vermeiden Sie daher möglichst jeden weiteren Stress für die betroffenen Mäuse nach einem Kampf.

Liegt eine Fläche bis etwa zur Größe einer 5-Cent-Münze frei, trocknet diese meistens ein, verschorft und heilt erstaunlich gut ohne Behandlung ab. Hier sollten Sie lediglich ein wachsames Auge auf die Wunde haben, um bei einer entstehenden Entzündung oder einer Pilzinfektion frühzeitig handeln zu können. Um die Gefahr von bakteriellen und Pilzinfektionen zu mindern, hat sich in er Praxis Chlorhexidinpuder aus der Apotheke gut bewährt. Damit können sie Die Wunde recht stressarm und effektiv abdecken.

Extrem großflächige Wunden bedürfen im Gegensatz zu kleineren einer sehr intensiven Pflege. Da diese schnellstmöglich einsetzen sollte, müssen Sie mit dem verletzen Tier umgehend einen Tierarzt aufsuchen. Liegt viel Muskulatur frei, muss diese zum einen feucht gehalten werden, damit sie nicht eintrocknet und steif wird. Zum anderen sind solch große, offene Stellen ein ideales Einfallstor für Pilze und Bakterien. Daher sollte hier eine antibiotische und antimycotische Salbe zur Anwendung kommen. Diese müssen Sie konsequent nach den Angaben Ihres Tierarztes auftragen. Hat sich erst einmal ein Erreger oder Pilz festgesetzt, ist die Behandlung deutlich langwieriger und die Überlebenschancen des Patienten sinken stark.

Bisswunden am Schwanz

Bisswunden im Schwanz sind punktuelle Verletzungen. Dennoch können sie zu starken Blutungen führen, wenn eines der großen Gefäße im Schwanz betroffen ist.
Meist blutet eine solche Wunde zwar heftig, aber nur sehr kurz. Daher hält sich der Blutverlust in den meisten Fällen in Grenzen, obwohl die blutverschmierte Umgebung einen anderen Schluss nahe legt. Beobachten Sie das betroffene Tier jedoch ganz genau. Stellen Sie diese Anzeichen fest, sollten Sie umgehend einen Tierarzt aufsuchen:

  • Schlappheit
  • Trägheit
  • fortgesetzte Blutungen
  • blasse Haut, die sonst rosa ist

Für die Erstversorgung können Sie hier wie auch bei anderen, stark blutenden Wunden auf Lotagen zurückgreifen.
Wird eine Maus unglücklich am Schwanz gebissen, kann es durchaus auch passieren, dass der dahinter liegende Teil abstirbt und in der Folge abfällt oder amputiert werden muss.

Bildquelle Fremdbild

Bisswunde VZM: (C) Anja Schirmann