Adipositas

Adipositas oder Fettleibigkeit ist ein gar nicht so seltenes Problem bei Mäusen.
Das Gewicht der einzelnen Individuen einer Art kann mitunter sehr stark schwanken, sodass Gewichtsangaben nur ein Durchschnitt zur Orientierung sein können. Liegt das Tier trotz durchschnittlicher Größe deutlich über den Angaben und/oder ist es sichtbar fülliger, spricht man von einem adipösen Nager.

Ursachen

Adipositas hat im wesentlichen zwei Ursachen: Genetische Disposition und Ernährung.
Oft meint es der Halter einfach zu gut oder ist nicht ausreichend über die Energiebedürfnisse der von ihm gehaltenen Mäuseart informiert. Infolge dessen füttert er die Tiere schlicht zu energiereich. In der Folge nehmen die Mäuse zu. Typische ernährungsbedingte Dickerchen sind beispielsweise Stachelmäuse, Buschschwanz-Rennmäuse oder Striemengrasmäuse.
Ein typischer Fall von genetischer Disposition sind rote und gelbe Farbmäuse mit dem Ay-Gen, das neben der schönen, intensiven Farbe auch für eine übermäßige bis extreme Gewichtszunahme verantwortlich ist. Die Tiere nehmen meist nach der Pubertät dramatisch zu. Genetisch adipöse Mäuse erkennen Sie auch daran, dass in einer schlanken Gruppe ein oder mehrere Tiere auffallend verfetten, während der Rest schlank bleibt.
Auch Mäuseböckchen nach der Kastration neigen vermehrt zur Gewichtszunahme wie die meisten Kastraten anderer Tierarten auch.
Neben diesen Hauptursachen gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Ursachen, die zu Adipositas führen können. Dazu gehört unter anderem Bewegungsmangel durch ein zu kleines oder falsch und/oder zu spärlich eingerichtetes Gehege.
Auch Frustfressen kann zu deutlichem Übergewicht führen. Dieses Verhalten lässt sich überwiegend bei einsamen Farbmausböcken beobachten. Nach einer Vergesellschaftung mit Artgenossen nehmen die Tiere dann meist wieder von allein ab, ohne dass Sie diätische Maßnahmen ergreifen müssten. Weitere Ursachen können zum Beispiel im Stoffwechsel leigen, lassen sich in der Regel bei solch kleinen Tieren allerdings schwer bis gar nicht bestimmen.

Folgen

Stark übergewichtige Tiere sind schon allein durch ihr Gewicht und ihre Fülle in ihrem natürlichen Verhalten behindert. Jedoch ist dies nicht das Hauptproblem der Erkrankung.
Adipositas geht einher mit Organverfettung und damit auch mit einer Organschädigung. Sie belastet das Herz-Kreislaufsystem sowie den Stützapparat, der bei sehr schweren Tieren übermäßigen Verschleiß aufweisen kann. Letzteres kann zur Einschränkung der Beweglichkeit durch Schmerzen führen. Diabetes und Störungen des Fettstoffwechsels können ebenfalls eine Folge übermäßiger Fettansammlungen sein. Auch eine verminderte Libido oder eine herabgesetzte allgemeine Leistungsfähigkeit der Tiere lassen sich bei Adipositas oft beobachten.
In extremen Fällen werden die weiblichen Tiere sogar unfruchtbar.
Damit ist Fetteleibigkeit ein ernstzunehmendes Problem. Die Tiere sind wider den ersten Eindruck nicht einfach nur ein bisschen dick, sondern werden davon krank. Nicht selten versterben die betroffenen Individuen auch früher als schlanke Artgenossen.
Die Auswirkungen von Adipositas im Tier können Sie sich in der Mauspathologie anschauen.

Behandlung

Bei einer ernährungsbedingten Adipositas ist die Lösung recht einfach und lautet Ernährungsumstellung. Verwenden Sie nur noch selten fette Leckerli und reduzieren Sie den Anteil der Fettsaaten (Sonnenblumenkern, Kardi, Kürbiskern, etc.) im Futter deutlich. Meist schlägt eine Diät mit einer reinen Kleinsaatenmischung plus Kräuter, Gemüse und fettarmem Protein sehr gut an.
Wenn Sie exotische Mäuse halten, informieren Sie sich gründlich über deren Energiebedürfnisse und ihre Neigung zur Fettleibigkeit. So können Sie das Problem effektiv bekämpfen und seinem erneuten Auftreten vorbeugen.

Bei genetischer Disposition können Sie als Halter nicht viel tun. Die Tiere werden auch mit dem energieärmsten Futter immer dicker oder halten zumindest ihr hohes Gewicht. Hier sollten Sie wie bei normalgewichtigen Tieren auf eine ausgewogene, nicht zu fettreiche Ernährung achten. Diätversuche scheitern in solchen Fällen. Die Tiere bleiben dick, auch wenn Sie den Energiegehalt im Futter deutlich senken. Sorgen Sie zusätzlich dafür, dass sich diese Tiere möglichst viel bewegen und unterstützen Sie extrem adipöse und damit in ihrer Bewegung deutlich eingeschränkte Tiere durch eine entsprechende Gestaltung des Geheges.

Bei Bewegungsmangel müssen die Tiere deutlich mehr Bewegungsmöglichkeiten erhalten, die ihrer natürlichen Art und Weise der Bewegung entsprechen. Für eher laufende Arten kann dies ein Gehege mit größerer Grundfläche und ein Laufrad sein. Für eher kletternde Arten bieten sich Äste und Wurzeln an – plus Anreize, diese auch regelmäßig zu nutzen. Weitere Bewegungsanreize lassen sich etwa über Erlebnisfutter sowie über entsprechende Fütterungsmethoden erreichen.

Einsame Frustfresser sollten schnellstmöglich Gesellschaft erhalten. Dies ist für die psychisch stark leidenden Tiere die beste und mithin einzig sinnvolle Therapie.

Ist die Ursache nicht klar erkennbar, kann ein Besuch beim Tierarzt eventuell Klärung bringen. Findet er die Ursache, kann er Sie hinsichtlich der eventuell möglichen Behandlung beraten. Nicht immer ist aber eine sichere Diagnose bei solch kleinen Tieren möglich. Hier gilt dann dasselbe wie für genetisch bedingt adipöse Nager.