Abszesse bei Mäusen

Was ist ein Abszess?

Unter einem Abszess versteht der Mediziner eine Eiteransammlung im Körper, die aus einer Entzündung resultiert. Sie wird durch eine Kapsel aus Granulationsgewebe und darüber liegendem Bindegewebe vom restlichen Körper abgegrenzt. Das Kapselgewebe enthält Abwehrzellen, die eine Ausbreitung des entzündlichen Prozesses im Körper verhindern soll.
Abszesse können subkutan, also unter der Haut, aber auch im Körper verteilt auftreten.

Ursachen

Abszesse können immer dann entstehen, wenn Keime in den Körper eingetragen werden. Dies können sichtbare Wunden (z.B. von Bissen) oder Operationsstellen sein. Aber auch beim Spritzen gelangen mitunter Keime in den Körper und lösen dort einen Abszess aus.
Abszesse entstehen aber nicht nur durch größere Wunden. Durch sogenannte Mikroverletzungen können ebenfalls Erreger in den Organismus gelangen. Die winzigen Verletzungen schließen sich so schnell, dass ein Ausschwemmen der Keim nicht möglich ist. Zudem finden die Bakterien in der Wundhöhle optimale Lebensbedingungen. Solche Mikroverletzungen etwa durch das Einspießen von Fremdkörpern wie Streu kommen häufig als Ursache in Betracht.

Weichteilabszesse entstehen oft bei einer Infektion mit Staphylokokken (z.B. S. aureus) und Streptokokken (z.B. S. zooepidemicus). Sie sind meist zahlreich und können im ganzen Körper verteilt sein.

Abszesse im Bauchraum treten oft bei Leukose auf, entstehen aber auch aus lokalen und allgemeinen Infektionen heraus.
Tumore können – vor allem in späteren Stadien – ebenfalls zu Abszessen führen.

Diagnose

Afrikanische Knirpsmaus mit Abszess unterm Ohr
Afrikanische Knirpsmaus mit subkutanem Abszess unterm Ohr

Die Diagnose eines Abszesses ist nicht immer ganz einfach. Am Anfang steht die äußerliche Untersuchung. Oft scheint der Eiter bei subkutanen Abszessen gelb durch die Haut und eventuell hat sich ein Schorf auf dem Abszess gebildet. Zudem sind solche Abszesse oft warm, gerötet und berührungsempfindlich. Daran kann der Tierarzt schnell erkennen, worum es sich handelt.
Sie sind wie alle Abszesse eine Erscheinung von Entzündungen und meist entsprechend schmerzhaft. Da Mäuse aber Beutetiere sind, die Schmerzen nicht zeigen, sollten Sie auch ohne Anzeichen von Schmerz unnötige Berührungen vermeiden.

Doch nicht immer ist die Diagnose so einfach und sicher. Manchmal lässt sich nur durch eine Punktion erkennen, ob es sich bei der Umfangsvermehrung um einen Tumor oder einen Abszess handelt. Aber auch die Punktion ist nicht immer 100%ig aussagekräftig, da Eiter eine so zähflüssige Konsistenz annehmen kann, dass er sich mit einer Kanüle nicht ansaugen lässt. Diese Prozedur sollte jedoch ohnehin nur angewendet werden, wenn die Diagnose nicht schon durch die rein äußerliche Untersuchung feststeht.

Im Körper liegende Abszesse werden oft gar nicht oder nur durch Zufall entdeckt. Abszesse an der Leber führen schnell zum Funktionsverlust des Organs, was sich dann bei der betroffenen Maus in Verhaltensauffälligkeiten, Apathie und schließlich im Leberkoma mit Bewusstseinstrübungen äußert. In diesem Fall muss das betroffene Tier erlöst werden.

Abszesse im Zahn- und Kieferbereich lassen meist eine erkennbare Beule oder Schwellung im Kopfbereich erkennen. Solche Patienten fressen oft schlecht. Auch „Sabbern“ kann auf einen solchen Abszess hinweisen.

Behandlung

Subkutaner Abszess

Das Granulationsgewebe der Kapsel, die den Abszess umgibt, enthält Abwehrzellen, die ein Ausbreiten des Abszesses im Körper verhindern sollen. Diese Schutzfunktion erschwert jedoch gleichzeitig eine Behandlung mit Antibiotika, da diese nicht über Blut und Lymphe in den Abszess gelangen und dort wirken können.
Trotzdem entscheiden sich viele Tierärzte bei Abszessen für eine orale Antibiotikagabe, um der Gefahr einer Verbreitung der Erreger im Körper entgegenzuwirken, falls der Abszess zum Körperinneren hin platzt. Dies könnte nämlich unter anderem eine lebensbedrohliche Blutvergiftung (Sepsis) nach sich ziehen. Zusätzlich wird meist ein Schmerzmittel für die ersten Tage verordnet.

Öffnet sich ein Abszess nicht von selbst, fließt aus und heilt ab, empfiehlt es sich, diesen zu spalten. Dabei ist es sehr wichtig, dass der gesamte Eiter aus der Wundhöhle entfernt wird. Daher spült der Tierarzt die entstandene Tasche und verschreibt mitunter auch weitere Spülungen mit desinfizierenden Mitteln, etwa Lavasept oder Lotagenlösung.
Wird der Abszess gespült, ist gleichzeitig sichergestellt, dass die oberflächliche Wunde lange genug offen gehalten wird, um eine erneute Eiteransammlung zu vermeiden. Sie heilt von innen heraus ab.

Neben der Spaltung gibt es die Möglichkeit einen Abszess chirurgisch zu behandeln, indem der Tierarzt ihn in einer Operation samt Kapsel entfernt. Diese invasive Methode empfiehlt sich vor allem bei ständig wiederkehrenden Abszessen. Nach dem Entfernen desinfiziert der Tierarzt die Wunde. Eventuell appliziert er auch lokale Langzeitantibiotika, z.B. Leukasekegel. Anschließend vernäht er die Wunde. Zusätzlich bekommt die Maus in der Regel ein orales Antibiotikum verabreicht.

Ist ein Abszess von selbst nach außen aufgebrochen und ausgelaufen, sollten Sie zumindest bei exotischen Mäusen nicht mehr daran herumdoktern (lassen). Das Immunsystem der Tiere ist meist stark genug, dass der Abszess ohne Hilfe abheilt. Beobachten Sie die betroffene Maus daher gut. Handlungsbedarf besteht erst, wenn Sie erkennen, dass der Abszess nicht von allein abheilt, sondern sich neu bildet, die Entzündung nicht abklingt, das umliegende Gewebe also weiterhin rötlich schimmert oder sich das Allgemeinbefinden des Patienten verschlechtert.
Je nach Schwere der Erkrankung kann die Heilung bzw. die Vermeidung einer Neubildung mit einem Antibiotikum unterstützt werden. Beraten Sie sich hier mit Ihrem Tierarzt!

Kiefer- und Zahnabszesse

Bei Kieferabszessen, die von den vorderen Schneidezähnen herrühren, kann ein geübter Tierarzt den Abszess öffnen und spülen. Allerdings sind auch dem versiertesten Tierarzt hier Grenzen in der Größe der Tiere gesetzt. In dem Fall und im Fall von weit hinten im Maul sitzenden Abszessen kann er nur mit Antibiotika arbeiten, die dann deutlich länger verabreicht werden als bei den meisten anderen Infektionen. Bei geöffneten und versorgten Abszessen wird in der Regel ein knochengängiges Antibiotikum über mindestens 2 Wochen verabreicht, bei schweren Fällen deutlich länger. Kommt der Tierarzt an den Abszess nicht heran und verschreibt ein Antibiotikum, kann sich die Gabe über 6 Wochen und noch länger hinziehen.

Hartnäckige Abszesse und Abszessfolgen

Bei sehr hartnäckigen Abszessen ist auch die Erstellung eines Antibiogramms sinnvoll. Problematisch ist hier allerdings, dass der Abstrich nicht gemacht werden kann, solange ein Antibiotikum verabreicht wird.
Abszesse müssen Sie immer ernst nehmen. Der Entzündungsprozess kann je nach Stelle, an der er sich befindet, benachbartes Gewebe mehr oder minder schnell in (dauerhafte) Mitleidenschaft ziehen und zerstören. Vor allem die filigranen Strukturen im Kopfbereich können schon nach kurzer Zeit dauerhaft geschädigt werden.

Quelle
Online-Praxis.com
Anja Ewringmann, Barbara Glöckner: Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus; Enke, 1. Auflage 2008
Karl Gabrisch/ Perneel Zwart: Krankheiten der Heimtiere; Schlütersche Verlagsgesellschaft, 7. Auflage, 2008