Doxycyclin

Der Wirkstoff Doxycyclin, der zu den neueren Tetracyclinen gehört und aus Oxytetra- oder Methacyclin hergestellt wird, wird unter verschiedenen Markennamen als Humanpräparat angeboten. Die gebräuchlichsten sind Doxycyclin-ratiopharm SF und Doxyhexal, die beide eine identische Konzentration aufweisen. Außerhalb Deutschlands ist der Wirkstoff unter dem Namen Vibravenös zu finden.
Doxycyclin gibt es sowohl als Injektionslösung, als auch in Tablettenform, wobei sich bei Mäusen der Gebrauch der Injektionslösung durchgesetzt hat.

Wirkung

Doxycyclin ist ein halbsynthetisches Antibiotikum mit einem breiten Wirkungsspektrum. Es wirkt bakteriostatisch, da es Proteinsynthese des Bakteriums hemmt, indem es sich an die Ribosomen bindet.
Da es deutlich lipophiler ist als andere Tetracycline, gelangt Doxycyclin besser und schneller in die einzelnen Gewebe und verteilt sich gut. Im Vergleich zu diesen überwindet es auch die Blut-Hirnschranke besser und wird langsamer (hauptsächlich über den Kot, in geringen Mengen auch über den Urin) ausgeschieden. Es hat also eine höhere Halbwertszeit (ca. 12h).
Resistent gegen Doxycyclin sind die meisten Stämme von E. coli, Klebsiella, Bacteroides, Enterobacter, Proteus und Pseudomonas aeruginosa.

Dosierung

Für Mäuse wird eine Dosierung von 5 bis 10mg/kg empfohlen, die 1x täglich als subkutane Injektion verabreicht wird.
Alternativ kann auch ein Depot mit 100mg/kg gespritzt werden. Hier gibt die Literatur eine Wirkdauer von 7 Tagen an, jedoch hält das Depot erfahrungsgemäß bei farbmausgroßen Arten nur 5 Tage vor und muss dann erneuert werden.
Für eine 50g schwere Maus bedeutet das für eine Konzentration von 10mg/kg ein Injektionsvolumen von 0,25ml.
Muss Doxycyclin verdünnt werden, muss dafür eine Glucoselösung verwendet werden. Mit Ringerlactatlösung verträgt sich das Präparat nicht.

Berechnungsbasis für die 2%ige Lösung bei 10 bzw. 100mg/kg:

  tägl. Gabe Depot
Konzentration 0,1mg/10g 1mg/10g
Volumen 0,1mg = 0,005ml 1mg = 0,05ml

Anwendung

Doxycyclin wirkt in einem breiten Spektrum gegen grampositive und gramnegative Bakterien, Protozoen und Mycoplasmen. Bei Mäusen wird es in der Regel subkutan gespritzt. Die orale Gabe von Tabletten ist eher eine Ausnahme.
Angewendet wird es bei Infektionen der Atemwege und des Hals-Nasen-Ohren-Bereiches wie Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Mittelohrentzündung (Otitis medea) und bestimmten Formen der Lungenentzündung (Pneumonie), die durch Mykoplasmen, Rickettsien oder Chlamydien hervorgerufen werden. Darüber hinaus eignet es sich zur Therapie von Infektionen des Urogenitaltrakts oder mit Brucellen, Listerien und ähnlichen Erregern. Es kann auch bei intrazellulären Infektionen verwendet werden.
Da es die Blut-Hirnschranke überwindet und das Gewebe gut durchdringt, ist es bei entsprechenden neurologischen Erkrankungen gut anwendbar.
Bei Infektionen mit Staphylokokken oder Pasteurellen empfiehlt sich im Vorfeld ein Antibiogramm.
In der Praxis hat sich der Wirkstoff in Verbindung mit dem Kortison Dexametason bewährt bei hartnäckigen und/oder sehr schweren allgemeinen Infekten und Infekten des Atmungsapparates. Lassen Sie diese Kombination jedoch nie als erste Lösung für eher leichte Infekte anwenden. Sie sollte ernsten Erkrankungen vorbehalten bleiben, um ihre Wirksamkeit zu behalten.

Wird Doxycyclin oral verwendet, sollte es nicht mit Milchprodukten, Nutrical oder ähnlichem angeboten werden, da es empfindlich auf Kationen (Calcium, Aluminium, Magnesium, Zink oder Bismut) reagiert. Die Absorption ist dann vermindert und die therapeutisch notwendige Dosis kann vom Körper nicht aufgenommen werden. Kationenhaltige Medikamente sollten im Abstand von 1 bis 2 Stunden verabreicht werden. Gleiches gilt für die Gabe eisenhaltiger Präparate, wobei der Abstand zur Doxycyclingabe hier 3 Stunden vorher oder 2 Stunden danach betragen sollte.

Verträglichkeit

Von Tieren, die keine organische Vorschädigung aufweisen, wird der Wirkstoff meist recht gut vertragen. Gegenüber anderen Tetracyclinen verursacht Doxycyclin zudem weniger Störungen des Magen-Darmtraktes und Superinfektionen.
Allerdings besteht bei Überdosierung die Gefahr von Leberschäden oder Leberentzündung, bei oraler Gabe auch die von Durchfällen. Bereiten Sie sich daher vor allem bei oraler Gabe auf Gegenmaßnahmen für Durchfälle vor.
Doxycyclin darf nur an Tiere mit intakter Leber- und Nierenfunktion gegeben werden. Die Gabe bei vorgeschädigten Tieren kann Organversagen zur Folge haben! Ebenfalls kontraindiziert ist die Anwendung des Wirkstoffes bei trächtigen und säugenden Tieren, Jungtieren im Wachstum und bei Patienten mit gestörter Nahrungs- oder Flüssigkeitsaufnahme.
Die allgemeine Toxizität und auch die Schädlichkeit für die Leber ist jedoch wesentlich geringer, als die anderer Tetracycline. Die LD50-Dosis für die Maus liegt bei oraler Gabe bei 757 mg/kg für Weibchen, 1007 mg/kg für Männchen und bei Injektion bei 204 mg/kg für beide Geschlechter. Bei der Ratte liegt die orale LD50-Dosis bei 281 mg/kg.

Lagerung

Lagern Sie intakte Ampullen lichtgeschützt im Kühlschrank. Ist die Ampulle angebrochen, muss der Inhalt eingefroren werden. Andernfalls verfällt die Wirkung innerhalb von Stunden. Doxycyclin in seiner wirksamen Form ist hellgelb. Verfärbt sich das Präparat, ist es verdorben.

Bezugsquellen

  • Tierarzt

Inhaltsstoffe

Zusammensetzung je ml Doxyhexal-Lösung:

  • Doxycyclin 20 mg
  • Acetylcystein
  • 2-Aminoethanol
  • Magnesiumchlorid 6 H2O
  • Povidon (PVP)
  • Wasser für Injektionszwecke

Hersteller

HEXAL AG
Industriestraße 25
83607 Holzkirchen
Tel.: (08024) 908-0
E-Mail: service@hexal.com

oder

ratiopharm GmbH
Graf-Arco-Str. 3
D-89079 Ulm
Tel.: 0049 (0) 731 402-02
E-Mail: info@ratiopharm.de

Quelle
Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie
Beipackzettel Doxyhexal
Anja Ewringmann, Barbara Glöckner: Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus; Enke, 1. Auflage 2008