Chloromycetin Palmitat

Der Wirkstoff Chloramphenicol ist zum Beispiel in den Präparaten Chloromycetin Palmitat (= Parkefelin Palmitat) und Paraxin enthalten und wird als aromatisierte Suspension angeboten. Der eigentliche Wirkstoff ist geschmacksneutral.
Chloramphenicol wurde erstmals 1947 aus dem Bakterium Streptomyces venezuelae gewonnen. Heute wird es jedoch ausschließlich vollsynthetisch hergestellt.
Bei Mäusen am gebräuchlichsten ist die Chloromycetin Palmitat 2,5%-ige Suspension für die orale Gabe und das 0,5%ige, gelbe Chloramphenicol-Spray.

Wirkung

Chloramphenicol ist ein bakteriostatisch wirkendes Breitbandantibiotikum, das bei den meisten grampositiven und gramnegativen Bakterien, Rickettsien, Chlamydien, Mycoplasmen, Leptospiren und Bacteroides greift. Besonders gut wirksam ist es auch gegen E. coli und Salmonellen.
Das in der Suspension als Palmitat vorliegende Chloramphenicol wird erst im Organismus zum direkten Wirkstoff verstoffwechselt und verteilt sich gut im Körper. Dort hemmt es das Wachstum der Bakterien, indem es deren Proteinsynthese unterbricht. Dabei greift es Bakterien innerhalb und außerhalb von Körperzellen und auch Ruhestadien der Erreger an.
Verarbeitet wird der Wirkstoff in der Leber. Ausgeschieden wird er vorwiegend über die Nieren.
Chloramphenicol dringt bei seiner Ausbreitung in Organe und Körperflüssigkeiten auch in Gelenksflüssigkeit, Knochen, Plazenta und Muttermilch ein und überwindet die Blut-Hirnschranke.
Bei Staphylococcus aureus, E. coli, Klebsiellen, Proteus, Salmonellen und Shigellen können Resistenzen vorliegen. Komplett resistent sind Pseudomonas aeruginosa und Mycobakterien.
Über die Erfolgsquote des Antibiotikums gibt es unterschiedliche Berichte, die von sehr guter Wirksamkeit bis hin zur völligen Wirkungslosigkeit reichen. Da dies in Resistenzen begründet liegen kann, empfiehlt sich eventuell vor der Anwendung die Erstellung eines Antibiogramms. Einig sind sich die Berichte lediglich darin, dass es etwas länger dauert, bis das Antibiotikum greift.

Dosierung

Die Literatur gibt für den Wirkstoff Chloramphenicol eine Dosierung von 50mg/kg an, die 2x täglich verabreicht werden sollen. Bei Mäusen geschieht dies in der Regel oral über die süße Suspension. Chloramphenicol kann aber auch gespritzt werden.
In dieser Dosierung müsste ein 50g schweres Tier dann 2,5mg pro Gabe erhalten.
Die LD50-Dosis liegt bei oraler Aufnahme bei Mäusen bei 1500mg/kg, bei Ratten bei 2500mg/kg.

Berechnungsbasis für die 2,5%ige Suspension:

Konzentration Volumen
0,5mg/10g 0,02ml/10g

Anwendung

Chloramphenicol eignet sich zur Behandlung von bakteriellen Primär- und Sekundärinfektionen:

  • der Atmungsorgane
  • der Harn- und Geschlechtsorgane
  • des Gesäuges
  • des Verdauungstraktes
  • des Bewegungsapparates
  • des zentralen Nervensystems
  • der Haut
  • des Auges
  • des Gehörganges

Typische, mit dem Wirkstoff behandelbare Infektionen sind:

  • Blutvergiftung (Septikämie)
  • Lungenentzündung (Pneumonie)
  • Rippenfell- und Lungenentzündung (Pleuropneumonie)
  • Dünndarmentzündung (Enteritis)
  • Salmonellose
  • Urogenital-Infektionen (z.B. Blasen- oder Nierenentzündung)
  • Meningitis

Die Behandlungsdauer sollte mindestens 3, höchstens 14 Tage betragen, wobei das Medikament noch mindestens 2 Tage nach Abklingen der Symptome verabreicht werden muss. Bei einer Anwendungsdauer von mehr als 14 Tagen müssen Sie mit Nebenwirkungen rechnen. Sprechen Sie eine längere Gabe daher unbedingt mit Ihrem Tierarzt ab.

Chloramphenicol-Spray wird bei bakteriellen Infektionen der Haut verwendet, etwa bei entzündeten Bisswunden, zur Entzündungsvorbeugung nach dem Abreißen der Schwanzhaut und bei Abszessen. Um seine Wirkung entfalten zu können, muß es mindestens 3x täglich aufgesprüht werden.

Achtung: Da Chloramphenicol beim Menschen in seltenen Fällen zu einer irreversiblen Schädigung des Knochenmarks führen kann, sollten Sie den direkten Kontakt mit dem Antibiotikum vermeiden! Waschen Sie sich nach Hautkontakt gründlich die Hände.

Verträglichkeit

Im Allgemeinen wird Chloramphenicol von Mäusen gut vertragen. Gelegentlich können jedoch Fressunlust, Durchfall und vorübergehende Mattigkeit auftreten. In Einzelfällen treten allergische Reaktionen (z.B. Hautveränderungen) und reversible, dosisabhängige Knochenmarksschädigungen mit Störungen der Blutbildung auf. Die Unbedenklichkeit des Medikamentes während der Trächtigkeit und der Säugephase ist nicht belegt.
Nicht verwendet werden darf der Wirkstoff bei Patienten mit Nieren- und Leberfunktionsstörungen, Störungen der Blutbildung und epileptiformen Anfallsleiden.
Bei einer Überdosierung kann es zu toxischen Erscheinungen wie Mattigkeit und/oder erhöhter Sterblichkeit kommen.

Das Chloramphenicol-Spray sollte weder von Ihnen, noch vom zu behandelnden Tier eingeatmet werden, da es reizend auf die Atemwege wirken kann. Halten sie also beim Sprühen mit dem Kopf ausreichend Abstand und sprühen Sie auch das Tier nicht im Kopfbereich an. Hier sollten Sie das Spray mit einem Wattestäbchen oder einem kleinen Pinsel auftragen.

 Vermeiden Sie die Vermischung von Chloramphenicol mit anderen Medikamenten sowie die Verdünnung des Wirkstoffes, da beides das Antibiotikum inaktivieren könnte.
Chloramphenicol hemmt den Metabolismus und verlängert dadurch die Wirkung von anderen Wirkstoffen. So kann etwa die Wirkung von Narkosemitteln signifikant verlängert werden. Chloramphenicol darf nicht mit bakterizid wirkenden Antibiotika (z.B. Penicilline, Cephalosporine) kombiniert werden.

Lagerung

Chloromycetin Palmitat sollten Sie bei Raumtemperatur (15 – 25°C) fest verschlossen und vor Licht geschützt aufbewahren.
Flasche vor Gebrauch schütteln. Chloramphenicol-Spray vor Sonnenbestrahlung und Temperaturen über 50°C schützen.

Haltbarkeit

Ungeöffnet ist Chloromycetin Palmitat 3 Jahre haltbar. Nach erstmaligem Öffnen sollten Sie es innerhalb von 10 Tagen verbrauchen.
Für das Spray findet sich das Haltbarkeitsdatum auf dem Dosenboden aufgesprüht.

Bezugsquellen

  • Tierarzt

Inhaltsstoffe

Zusammensetzung je ml Suspension (Chloromycetin Palmitat):

  • Chloramphenicolpalmitat 43,48 mg (entsprechend 25 mg Chloramphenicol).
  • Natriumbenzoat 5,00 mg (Hilfsstoff)
  • Saccharose
  • Propylenglycol
  • Glycerin
  • Bentoni
  • Carmellose-Natrium
  • Povidon
  • wasserfreie Citronensäure (Ph.Eur.)
  • Ethanol 96 %
  • Custard-Aroma
  • Sorbitanlaurat
  • Gereinigtes Wasser

Zusammensetzung Chloramphenicol-Spray:

  • 5,0 g Chloramphenicol
  • 2-Propanol
  • Aceton
  • Curcumin

Hersteller

Pfizer Pharma GmbH
Linkstraße 10
10785 Berlin
Telefon: 030 / 55 00 55 – 01

Quelle
Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie
Wikipedia.org
Anja Ewringmann, Barbara Glöckner: Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus; Enke, 1. Auflage 2008
Beipackzettel Chloromycetin Palmitat