Baytril

Baytril enthält den Wirkstoff Enrofloxacin (ein Chinolon der 2. Generation), welcher zu den sogenannten Gyrasehemmern gehört. Die DNA-Gyrase ist ein Enzym der Bakterien, ohne das ihre Überlebensfähigkeit stark abnimmt. Zusammen mit anderen Enzymen ist sie an Replikation, Transkription und Rekombination der DNA beteiligt.
Enrofloxacin bindet sich an eine Untereinheit der DNA-Gyrase und hemmt so die Wirkung derselben selektiv.
Zudem kann es wie andere Wirkstoffe dieser Wirkstoffklasse die Bakterien auch in der Ruhephase angreifen, da es die Durchlässigkeit der Zellwände beeinflusst.
Enrofloxacin ist in niedrigen Konzentrationen gegen die meisten gramnegativen Keime, viele grampositive Keime sowie gegen Mycoplasmen antimikrobiell wirksam. Es ist bakterizid. Gegen Anaerobier wirkt es nur schwach.
Wie alle Fluorochinolone ist Enrofloxacin lipophil und dringt daher gut in die Gewebe ein. Besonders hoch ist die Konzentration in Galle, Leber, Niere, Lunge und den Reproduktionsorganen. Darüber hinaus durchdringt es die Blut-Hirnschranke und ist gut knochengängig.
Der Wirkstoff wird über Leber und Niere ausgeschieden.

Dosierung

Den Wirkstoff gibt es in Form von Tabletten sowie als orale und Injektionslösung. Die Lösungen gibt es als 0,5%ige, 2,5%ige, 5%ige und 10%ige Lösung.
Für Mäuse wird in der Regel die 2,5%ige Lösung verwendet. Bei Arten, die deutlich kleiner sind als Farbmäuse, sollten Sie auf 0,5%ige Lösung zurückgreifen.
Verabreicht werden sollten abhängig von der Größe Ihrer Tiere 10 – 15 mg/kg.
Wiegen Sie also Ihre Tiere oder lassen Sie sie beim Tierarzt wiegen und sich vom Tierarzt die nötige Dosierung ausrechnen. Im Zweifel sollten die Tiere leicht (!) überdosiert sein, um eine Resistenzbildung durch (temporäre) Unterdosierungen zu vermeiden.
Bedenken Sie bei der Berechnung der Dosierung, dass diese sich nicht linear nach dem Gewicht berechnen lässt. Je kleiner eine Art ist, umso schneller ist der Stoffwechsel und umso höher muß die Dosierung in mg/kg sein. Bei größeren Arten verhält es sich genau umgekehrt.

Berechnungsbasis für die 2,5%ige Lösung bei Farbmäusen:

Konzentration Volumen
0,1mg/10g 0,004ml/10g

Anwendung

Baytril ist durch sein breites Wirkungsspektrum das bei Mäusen am häufigsten angewandte Antibiotikum. Verwendet werden kann es bei Atemwegserkrankungen, Infektionen der Verdauungsorgane, des Harn- und Geschlechtsapparates oder der Haut sowie bei äußeren Verletzungen. Es wird auch bei multiresistenten Keimen wie Salmonellen oder Pseudomonaden sowie bei E.coli-Infektionen verwendet.
Eine Behandlung muss mindestens 5 Tage dauern. Nach dem Abklingen der Symptome müssen Sie Baytril noch 2-3 Tage verabreichen. So wird verhindert, dass einige Keime das Antibiotikum überleben und sich Resistenzen bilden. Resistenzen durch Mutationen sind bereits bei Pseudomonas aeruginosa, Klebsiella pneumoniae, Actinetobacter und Enterokokken bekannt.
Eine Baytrilkur sollte maximal über 14 Tage gehen. Sprechen Sie eine längere Gabe unbedingt noch mal mit Ihrem Tierarzt ab!
Zwischen der letzten Kur und einer erneuten Gabe sollten mindestens 4 Wochen liegen. Auch hier müssen Sie für eine frühere Gabe Rücksprache mit Ihrem Tierarzt halten!
Baytril wird in der Regel als orale Lösung verabreicht. Um die Menge genau abmessen zu können, sollten Sie sie in eine 1ml-Spritze füllen. Sie besitzt die nötigen Unterteilungen für eine korrekte Gabe.
Geben Sie die Lösung einmal täglich nach Möglichkeit ins Maul oder verabreichen Sie sie mit einem Leckerli. Mehr dazu finden Sie im Artikel „Wie kommt das Medikament in die Maus?“ Sollte eine solche Gabe nicht möglich sein, können Sie sich vom Tierarzt auch die Dosierung für die Gabe über das Trinkwasser ausrechnen lassen. Dafür muss der Tierarzt wissen, wie viele Milliliter die entsprechende Gruppe am Tag trinkt. Bei Farbmäusen hat sich hier im Mäuseasyl eine Dosierung von 1ml 2,5%-Enrofloxacn-Lösung auf 30ml Wasser bewährt. Bieten Sie das antibiotikumhaltige Wasser am besten in einer abgedunkelten Flasche.
Wenden Sie Baytril niemals ohne Absprache mit dem Tierarzt an!

Verträglichkeit

Wenden Sie Baytril nur im Notfall bei im Wachstum befindlichen, tragenden oder säugenden Tieren an. Oft wird von Baytril für Mäuse im Wachstum abgeraten mit dem Hinweis auf Knorpelschäden. Diese sind jedoch nur für die Jungtiere von Hund und Katze erwähnt. Auch konnte ich in der Praxis eine negative Wirkung nicht beobachten. Trotzdem sollten Sie die Anwendung auf unbedingt notwendige Behandlungen beschränken.
In der Praxis hat sich Baytril sowohl bei Farbmäusen und Mongolischen Rennmäusen wie auch bei exotischen Nagern als sehr verträglich erwiesen. Schwere Nebenwirkungen konnte ich bislang nicht beobachten. Gelegentlich kommt es durch eine gestörte Darmflora zu weichem Stuhl oder leichtem Durchfall. Bieten Sie den Tieren daher nach einer Baytrilkur ausgleichende Mittel für den Darm (z.B. Bird Bene Bac, Naturjoghurt) an, um diesen wieder aufzubauen.
Tiere mit bekannten Anfallsleiden (z.B. Epilepsie) sollten nicht mit Enrofloxacin behandelt werden,

Lagerung und Haltbarkeit

Lagern Sie Baytril dunkel (der Wirkstoff ist lichtempfindlich), nicht über 25°C und nicht im Kühlfach.
Sollte Ihr Baytril kleine, durchsichtige Nadeln in der Flüssigkeit aufweisen, so müssen Sie es entsorgen, da es nicht mehr verwendbar ist.

Bezugsquellen

  • Tierarzt

Inhaltsstoffe

Enrofloxacinum
Conserv.: Alcohol Benzylicus
Excipiens ad solutionem

Hersteller

Bayer HealthCare AG
51368 Leverkusen
Tel.: 0214/ 30-1

 

Weitere Präparate mit Enrofloxacin

  • Enroxil
  • Enrox
  • Enrobactin
  • Entrotron
  • Enro-Sleecol
  • Enrotril
  • Ursofloxacin
  • Enrotab

 

Quellen
Pharmakologie-Datenbank der Uni Zürich
A. Ewringmann, B. Glöckner: Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus, Enke Verlag 2008
Eigene Erfahrungswerte