Basisinformationen zu Antibiotika

Antibiotika scheinen in den Augen mancher Halter das Allheilmittel und die Lösung für jedes Gesundheitsproblem. Entsprechend drängt so mancher Mäusebesitzer seinen Tierarzt nach diesen Medikamenten. Hierbei handelt es sich allerdings weder um eine Wunderwaffe, noch um harmlose Tropfen, die man mal eben geben kann. Antibiotika sind hochwirksame Medikamente die – um ihre Wirksamkeit zu entfalten und zu behalten – nur sehr gezielt eingesetzt werden sollten! Daher erhalten Mäuse Antibiotika auch nie als Prophylaxe.

Bei Mäusen kommen unter anderem diese Antibiotika zur Anwendung:

Sortierung nach Handelsname Sortierung nach Wirkstoff
Baytril Chloramphenicol
Borgal Doxycyclin
Chloromycetin Palmitat Enrofloxacin
Clont/Flagyl Florfenicol
Doxycyclin Ratiopharm Gentamycin
Gentamycin ad us. Vet Marbofloxacin
Marbocyl Metronidazol
Nuflor Oxytetracyclin
Tetraseptin Tetracyclin
Ursoyclin/Terramycin Trimethoprim + Sulfadoxin

Herstellung

Antibiotika können heute natürlich, (halb)synthetisch oder gentechnisch gewonnen werden.
Der bekannteste Produzent dieser hochwirksamen Stoffe ist der Schimmelpilz Penicillium chrysogenum (früher P. notatum), da sie an ihm im Jahr 1928 von Alexander Fleming entdeckt wurden. Ursprünglich sind Antibiotika also Naturstoffe.
Sie werden mehrheitlich von Pilzen (z.B. Penicillium, Cephalosorium) und Bakterien (z.B. Bakteriengruppe der Aktinomyceten → Streptomycin) hergestellt. Die meisten modernen Antibiotika werden biotechnologisch von Bakterien wie den Streptomyceten produziert.
Neben natürlichen Antibiotika werden heute auch halbsynthetische Wirkstoffe wie Glycopeptid-Antibiotika (z.B. Gentamicin, Spectinomycin) hergestelltt. Die Wirkstoffgruppe der Cephalosporine gehört zu den halbsynthetischen Antibiotika. Sie wurden nach einer Substanz benannt, die vom Pilz Cephalosporium acremonium (= Acremonium strictum) hergestellt wird. Die Gruppe der Sulfonamide wird mittels chemischer Synthese gewonnen.

Wirkung

Antibiotika sind wirksam gegen Erkrankungen, die von Bakterien oder Protozoen verursacht werden. Gegen Infektionen durch Viren sind sie wirkungslos.
Die Wirkung von Antibiotika beruht auf den Unterschieden zwischen eukaryotischen Zellen, aus denen höhere Organismen aufgebaut sind, und den Bakterienzellen. So greifen sie gezielt die Keime an, ohne dem befallenen Organismus mit zu schädigen. Der Ansatzpunkt der Wirkung ist also eine Struktur oder ein Mechanismus, der in höheren Zellen so nicht vorkommt. Problematisch kann hier werden, dass Antibiotika auch die wirtseigene, erwünschte Bakterienflora im Darm und auf anderen Geweben schädigen können.
Zu diesen Eigenschaften gehört das Murein, aus dem die Zellwand von Bakterien besteht. Auf der ganzen Welt ist dieser Zucker ausschließlich bei Bakterien zu finden. Auch haben diese beispielsweise andere Ribosomen zur Proteinsynthese und verfügen über andere Enzyme zur DNA-Replikation als höhere Zellen.

Antibiotika können auf drei Arten wirken:

  • bakteriostatisch (Bakterien werden an der Vermehrung gehindert)
  • bakterizid (Bakterien werden abgetötet, sind aber weiterhin physisch vorhanden)
  • bakteriolytisch (Bakterien werden getötet, indem das Mittel deren Zellwand auflöst)

Angriffspunkte der Antibiotika bei Bakterien

Die Wirkung von Antibiotika kann an verschiedenen Punkten und Mechanismen ansetzen und diese stören oder unterbinden. Im Folgenden werden kurz den verschiedenen Angriffspunkten die jeweiligen Wirkstoffgruppen zugeordnet.

Hemmer der Zellwandfunktionen

Hemmer der Proteinbiosynthese am Ribosom

Gyrase-Hemmer (Hemmer der DNA-Replikation)

Folsäureantagonisten

Ansamycine (Hemmer der bakteriellen RNA-Polymerase)

  • Rifampicin

Stoffwechselweghemmer

  • Fosmidomycin

Anwendung und Dosierung

Der zum Teil sehr schnelle und massenhafte Einsatz von Antibiotika zur Krankheitsbekämpfung muss sehr kritisch betrachtet werden, da er mit weiteren Problemen wie Resistenzbildung und diversen Nebenwirkungen einhergeht. Setzen Sie daher Antibiotika grundsätzlich niemals eigenmächtig und/oder gründliche Überlegung ein!
Halten Sie die vorgegebene Dosierung grundsätzlich ein. Ist die verabreichte Wirkstoffmenge zu gering, können sich Resistenzen bilden. Ist sie zu hoch, kann es bei einigen Präparaten zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Welche Antibiotika für eine Hochdosis ohne (gravierende) Nebenwirkungen geeignet sind, weiß Ihr Tierarzt.
Auch die Abstände der Eingabe (z.B. 2x täglich) sowie die Unverträglichkeit mit bestimmten Trägersubstanzen (z.B. Sahne) müssen Sie zwingen beachten, da sonst die Wirkung gefährde ist. Damit besteht wieder die Gefahr der Resistenzbildung.
Geben Sie Antibiotika niemals über einen zu kurzen Zeitraum. Auch hier besteht sonst die Gefahr, dass einige Keime überleben, die dann resistent gegen das angewendete Antibiotikum sind. Als Faustregel gilt: Geben Sie den Wirkstoff noch 3 Tage nach Abklingen der Symptome weiter. Je länger eine Erkrankung bereits bestand, umso länger ist dabei meist auch die notwendige Antibiotikabehandlung.

Achtung: Antibiotika sind biologisch hochaktive Stoffe. Sie gehören in den Hausmüll, nicht jedoch in den Ausguß oder ins Klo. Kleinste Reste von Wasser mit Antibiotika können Sie auch in die Zimmerpflanzen schütten. Größere Mengen müssen Sie immer angemessen entsorgen!

Resistenzen

Überleben einige Keime die Anwendung eines Antibiotikums durch eine falsche oder unsachgemäße Anwendung, können Sie Abwehr- und Sicherungsstrategien gegen den betreffenden Wirkstoff entwickeln. Die geben sie dann an neue Bakteriengenerationen weiter. Hier lassen sich verschiedene Abwehrmechanismen bei den Bakterien beobachten. Einige Arten modifizieren, etwa durch Mutation und somit der Veränderung eines Proteins, die Zielstruktur, sodass diese vom Antibiotikum nicht mehr belegt werden kann. Eine andere Strategie besteht darin, den Schadstoff einfach wieder über ein Transportsystem aus der Bakterienzelle zu schleusen oder Stoffe zu bilden, die sich an den Wirkstoff binden und ihn somit für seine eigentlichen Bestimmungsorte blockieren. Befallen solche resistent gewordenen Varianten eines Erregers einen Organismus, führt die Behandlung mit dem betreffenden Wirkstoff nicht mehr zum Absterben bzw. zur Wachstumshemmung. Er ist wirkungslos. Eine Resistenz ist entstanden.
Um ein Antibiotikum möglichst lange erfolgreich anwenden zu können, muss es immer korrekt verabreicht werden. Je seltener es eingesetzt wird, umso geringer ist im übrigen auch die Gefahr einer Resistenzbildung, da weniger Keime dem Wirkstoff ausgesetzt sind und Abwehrstrategien entwickeln können. Das ist der Grund, warum Antibiotika nicht immer das erste Mittel der Wahl sind.
Die Resistenzbildung ist eines der größten Probleme bei Antibiotika. Da es multiresistente Stämme gibt, also solche, die unempfindlich gegen mehrere Antibiotika sind, wird bei manchen Erkrankungen eine Laboruntersuchung notwendig. In dieser wird getestet, auf welche Antibiotika der Keim noch reagiert. Solche Tests werden Antibiogramme genannt.

Nebenwirkungen

Die mit Abstand häufigste Nebenwirkung ist eine Störung der Darmflora, da auch die Bakterien der natürlichen Darmflora von der Wirkung des Antibiotikums betroffen sind.  Das gilt insbesondere dann, wenn das Antibiotikum oral verabreicht wird. Die Folge ist meist Durchfall.

Auch eine Schwächung des körpereigenen Abwehrsystems und in der Folge Pilz- oder Parasitenerkrankungen sind möglich, aber deutlich seltener.
Eine noch unbestätigte Theorie blickt im Zusammenhang mit Antibiotika auf deren Wirkung auf die Flora der Atmungsorgane. Viele Halter von Farbmäusen müssen die Erfahrung machen, dass Mäuse, die einmal mit Antibiotika behandelt wurden, wahrscheinlicher wieder einen Atemwegsinfekt ausbilden. Die Theorie besagt, dass Antibiotika auch hier die natürich Keimbesiedlung der Lunge stören. So schaffen sie Lücken, in denen sich pathologisch relevante Keime festsetzen und erneute Atemwegsinfekte auslösen können.

Sehr selten entfalten Antibiotika auch organtoxische Wirkungen.

Kombinationen verschiedener Antibiotika

Mitunter lässt sich eine Erkrankung mit einem einzelnen Antibiotikum nicht mehr behandeln. Dann greift Ihr Tierarzt vielleicht zu einer Kombination. Die einzelnen Wirkstoffe lassen sich jedoch nicht beliebig kombinieren. So sollten bakterizide bzw. bakteriolytische Antibiotika nicht gemeinsam mit bakteriostatischen Antibiotika verabreicht werden, da sich diese Wirkprinzipien antagonisieren.
Einzige Ausnahme: Enrofloxacin in Kombination mit Doxycyclin hat bei Mäusen verbesserte Therapieerfolge gezeitigt als eine Monotherapie.

 

Quellen
Wikipedia
www.zum.de
Leitlinien Antibiotika für Tierärzte