Weißfußmaus/ Küstenmaus

Küstenmaus im Nitsstamm

Überblick

Herkunft: Steppen und Küsten im Südosten der USA
Sozialverhalten: großgruppengeeignet
Aktivitätszeit: nachtaktiv
Minimale Gehegegröße: 100 x 50 x 100 cm für 2 – 6 Mäuse
Handling: flotte, aber neugierige Mäuse; nur sehr selten Beißer, kneifen aber gern
Ernährung: Saaten und Getreide, Insekten, Gräser und Kräuter, Gemüse, Obst
Größe und Gewicht: 7 – 10 cm + 4 – 6cm, 15 – 30g
Geschlechtsreife: ab 29 Tage
Tragzeit: 24 – 28 Tage
Besonderheiten: Diese Mäuse hamstern gern und sortieren ihre Vorräte mitunter fein säuberlich.

Systematik und BiologieAmpelmaus grün

Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Überfamilie: Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Wühler (Cricetidae)
Unterfamilie: Neotominae
Gattung: Weißfuß- oder Hirschmäuse (Peromyscus)
Art: Weißfuß- oder Küstenmaus (Peromyscus polionotus)

55 Arten

16 Unterarten von Peromyscus polionotus

Um Verwechslungen auszuschließen, sei hier angemerkt, dass sich in Deutschland für die Küstenmaus die Bezeichnung Weißfußmaus durchgesetzt hat. Dieser Steckbrief befasst sich also mit der Küstenmaus.
Über die Artenreinheit der Küstenmäuse ist inzwischen eine Debatte entbrannt, da einige Züchter Hirschmäuse (Peromyscus maniculatus) eingekreuzt haben.

Wildtier Küstenmaus

Die Küstenmaus (Peromyscus polionotus), die sich anhand fossiler Funde schon im späten Pleistozän nachweisen lässt, lebt im Südosten der USA. Im trockenen, sandigen Boden der dortigen Steppen und Küsten, selten auch in den Wäldern, gräbt sie ihre Gänge und Höhlen, in denen sie hauptsächlich lebt. Jedoch klettern diese Tiere auch ganz gern.

Die Küstenmaus hat insgesamt 16 Unterarten, von denen eine als ausgestorben gilt. Diese Unterarten gelten alle als frühe Sukzessionsspezialisten, die ihre größte Bestandsdichte auf offenen, sandigen Arealen erreichen. Dort bleiben sie etwa 3 bis 5 Jahre, bis die Sukzession fortgeschritten ist und die Pflanzen dicht den Boden besiedeln.
In den Lebensräumen an der Küste sind sie oft die einzigen Vertreter kleiner Säuger, die die vorderen Dünen permanent bewohnen. In diesem Habitat können 18 bis 26 Mäuse pro Hektar leben.
Die Bauten bestehen zumeist aus einem Eingangstunnel, der etwa einen Meter in die Tiefe zu einer oder mehreren Wohnkammern führt. Ein Fluchttunnel führt von der Nestkammer bis kurz unter die Oberfläche. Das Nest in der zentralen Kammer besteht aus trockenem Gras und anderen Fasern. In ihren Bauten sind die Küstenmäuse oft nicht allein. Im zentralen Florida wurden 25 verschiedene Arten von Wirbellosen und Wirbeltieren gefunden.

Die Mäuse sind Gemischtköstler, also omnivor. Mehrheitlich ernähren sie sich in Abhängigkeit von der Jahreszeit von reifen Saaten. Dazu fangen sie Insekten und kleine Wirbeltiere. Haben sie die Wahl, ziehen sie lebende Tiere einem Angebot an Saaten vor. So fangen sie in ihrer Heimat Käfer, Grashüpfer, Wanzen und Ameisen.

Auch wenn sie schon im Umkreis von 5 km um das Nest herum gefangen wurden, durchqueren sie in einer Nacht oft nicht mehr als einen halben Kilometer ihres Habitats. Die meisten Beobachtungen zeigen, dass sich die Tiere nicht mehr als ein paar 100m von ihrem Geburtsort niederlassen.
In ihrem Verbreitungsgebiet sind Weißfußmäuse selten in Menschennähe zu finden. Dort können sie jedoch zu Feldschädlingen werden. Gleichzeitig sind sie eine wichtige Nahrungsgrundlage für kleine Räuber. Zu ihren Feinden zählen Schlangen, Eulen, Wiesel und Füchse.
Zudem sind Küstenmäuse für den Menschen von hygienischer Bedeutung. Bei Exemplaren in Florida wurden unter anderem 6 Arten von Nematoden, eine Art von Trematoden und zwei Floharten gefunden. Zudem gelten sie als Träger des Hantavirus.
Eine weitere Bedeutung kommt der Küstenmaus (P. Polionotus) in Amerika schon lange als Labortier zu.

Anatomie und Erscheinung

Küstenmäuse an der Futterschüssel
Schwarze und wildfarbene Küstenmaus

Hier soll nur die Küstenmaus (Peromyscus polionotus) portraitiert werden, da es nicht möglich oder sinnvoll ist, jede Art einzeln zu beleuchten.
Die Gesamtlänge der Küstenmäuse beträgt zwischen 12 und 15cm, wobei 7 bis 10 cm auf den Körper und weitere 4 bis 6 cm auf den Schwanz entfallen. Die Männchen sind bei diesen Mäusen häufig etwas kleiner als die Weibchen. Das Gewicht schwankt im Mittel zwischen 15 bis 30 g. Kleinwüchsige Exemplare können leichter, fettleibige deutlich schwerer sein.

Im Gegensatz zu Farbmäusen, mit denen der Laie sie ab und zu verwechselt, haben Küstenmäuse einen eher gedrungenen Körperbau, einen rundlichen, abgestumpftem Kopf mit relativ kleinen Ohren und großen Augen. Auch ist der Schwanz verglichen mit Farbmäusen sehr kurz.
In freier Wildbahn variiert die Farbe der Oberseite von einem helleren bis dunkleren Braunton, je nach der Farbe des Untergrundes, den sie bewohnen. Der Bauch, Füße und Schwanzunterseite sind weiß. Der Übergang zwischen der Färbung der Oberseite zu Unterseite des Tieres ist scharf abgegrenzt. In der Zucht gibt es verschiedene Farbschläge:

  • Agouti
  • Cinnamon
  • Black
  • Chocolate
  • Ivory

 

Weißfußmäuse als Haustiere

Eignung

Weißfußmäuse eignen sich aufgrund ihres unkomplizierten Sozialverhaltens und ihrer relativ leicht erfüllbaren Ansprüche sehr gut für Mäuseanfänger, die nicht unbedingt handzahme Streicheltiere suchen. In einem geeigneten Habitat sind sie sehr interessante Beobachtungstiere. Angefasst zu werden mögen Sie dagegen nur bedingt. Daher können die wuseligen Nager im Handling etwas anstrengender werden als Farbmäuse.
Achten Sie bei Ihren Anschaffungsüberlegungen darauf, dass Weißfußmäuse sehr agil sind und daher vergleichsweise viel Platz brauchen, um sich optimal entfalten zu können. Platz für einen Nagerschrank oder einen großen Eigenbau sollte also in Ihrer Planung in jedem Fall sein.
Im Gegensatz zu Farbmäusen können auch geruchsempfindliche Menschen mit den kleinen Nagern glücklich werden, da sowohl Weibchen, als auch Böcke bei richtiger Haltung fast nicht riechen. Außerdem sind hier Weibchen wie Männchen sehr verträglich. Vor dem Problem streitender Böcke wird ein Anfänger mit diesen Mäusen in gleichgeschlechtlichen Gruppen nicht stehen.
Für Kinder sind sie als Haustiere nicht geeignet!

Handhabung

Küstenmäuse sind sehr neugierige Tiere, die sich aber nur ungern auf die Hand nehmen lassen. Deshalb ist das Handling dieser Tiere auch etwas schwieriger als bei Farbmäusen. Zudem sind sie lebhafter, schneller und auch etwas schreckhafter. Sie sollten sich also nicht hektisch bewegen, wenn Sie mit den Tieren hantieren.
Erschrecken Sie eine Maus, besteht die Gefahr, dass sie auch aus mehr als 1m Höhe auf den Boden springt. Auch aus offenen Gehegen springen die Mäuse öfter auf ihren Halter oder auf den Boden oder sie fallen über die Streukante raus. Dabei können sich die kleinen Nager schwer verletzen.

 

Wießfußmausbock in der Hand
Küstenmäuse im Handling: Schnell, aber mit Gefühl zugreifen

Die Geschlechtsbestimmung führen Sie bei diesen Mäusen am besten mit Hilfe einer durchsichtigen Transportbox durch. So können Sie die Tiere in Ruhe von unten betrachten, ohne dass eine Fluchtgefahr besteht.

Beim Tierarzt können Sie die Tiere am besten wie scheue Farbmäuse behandeln. Sie sollten sich also vorsichtig und nicht zu hektisch bewegen und immer sicherstellen, dass das betreffende Exemplar die Hand bemerkt hat, bevor Sie es berühren. Ist eine Berührung nicht nötig, so kann die Maus auch in einer durchsichtigen Box begutachtet werden.
Für bestimmte Untersuchungen und für Injektionen kann auch der Nackengriff angewandt werden, der aufgrund der Lebhaftigkeit der Tiere etwas Übung verlangt.
Bei Küstenmäusen ist es aus Verträglichkeitsgründen nicht notwendig, die ganze Gruppe zum Tierarzt mitzunehmen. Jedoch gibt die dem Patienten Rückhalt und macht den Gang zum Tierarzt für ihn etwas angenehmer.

Manchmal passiert es auch, dass ein Tier flüchtet. Solche Mäuse fangen Sie am besten mit einer Lebendfalle, einer Eimerfalle oder einer Transportbox wieder ein. Geübte Halter können das Tier auch mit der Hand einfangen. Allerdings kann es hier passieren, dass der Flüchtling kräftig in die Hand kneift, wenn er sie erwischt. Die Gefahr lässt sich reduzieren, wenn Sie die Maus auf sich herumklettern lassen oder in der hohlen Hand zum Gehege zurück tragen. Allerdings verdrücken sich manche Mäuse so auch gleich wieder. Deshalb ist es besser, den Nager mit einer kleinen Faunabox einzusammeln oder zumindest Handschuhe beim Fangen zu tragen.

Sozialstruktur und Verhalten

Küstenmäuse sind nachtaktive, teilweise grabende, sehr gesellige Nager, die Sie auch gut in größeren Gruppen halten können. Dabei treten weder in Männchen-, noch in Weibchengruppen nennenswerte Streitereien auf. Zu Problemen kann es allerdings in gemischtgeschlechtlichen Gruppen kommen. Hier können die Böcke manchmal aggressiv und sogar unverträglich gegen einander sein. Zu massiven Beißereien kann es vor allem auch in Bockgruppen kommen, wenn ein Tier (auch nach nur kurzer Abwesenheit von einigen Tagen) wieder in das bestehende Revier gesetzt wird. Solche Mäuse müssen wieder ordentlich in die Gruppe zurück vergesellschaftet werden.

Weißfußmaus hamstert
Küstenmäuse hamstern auch ohne Backentaschen

In der Pupertät fallen außerdem vor allem in Bockgruppen kleinere Reibereien auf. Hier scheint es sich um “Erziehungsmaßnahmen” der älteren Böcke gegenüber den Halbstarken zu handeln. Auch bei Weibchengruppen können Zickenphasen auftreten. In der Regel legen sich beide Phänomene jedoch von selbst. Nichtsdestotrotz sollten Sie in solchen Phasen ein sehr aufmerksames Auge auf die Nager haben, um Dynamiken rechtzeitig zu erkennen, die zu ernsthaftem, die Gruppe gefährdendem Streit führen können.

Durch ihre extreme Neugier sind Lebendfänge in freier Wildbahn sehr einfach. Es ist durchaus nicht ungewöhnlich, dass ein einziges Tier in einer Nacht mehrmals gefangen und wieder freigelassen wird. Diese Neugier können Sie sich auch bei den Haustieren gut zunutze machen, wenn eine Maus entkommt.
Küstenmäuse sind sehr agile und mobile Tiere mit sesshafter, territorialer Lebensweise. Sie sind also sehr an ihr Revier gebunden und verlassen es kaum freiwillig. Daher ist die Fluchtgefahr der Mäuse bei einem ausreichend großen Käfig eher gering. Allerdings fallen die eher mittelmäßigen Kletterer mitunter vor Neugier aus dem Gehege, wenn Sie die Tür öffnen.
Dem Menschen gegenüber zeigen sich die Mäuse neugierig und an der Hand interessiert. Dennoch eignen sie sich nicht als Streicheltiere. Die Mehrheit beißt zwar nicht, kneift aber recht kräftig in angebotene Finger. Auch beim Hantieren im Gehege kann es duchaus passieren, dass die Mäuse zwicken oder gar richtig zubeißen – vor allem wenn Sie einfach ins Nest fassen. Auch Neues wird mit Leidenschaft beknabbert – seien es Finger, Kleidung oder angebotenes Spielzeug.

Weißfußmäuse haben eine für Mäuse eher seltene Eigenart: Sie sortieren und horten ihr Futter in erstaunlich großen Mengen. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie in einem Häuschen einmal 1kg Hirse und in einem anderen beispielsweise diverse Getreide fein säuberlich eingelagert finden. Das Futter ist nicht mit Extrementen verunreinigt. Daher können Sie auch die Fütterung mal für einige Tage einstellen und die Küstenmäuse von ihren Vorräten leben lassen. Tun Sie das nicht, horten die Tiere immer weiter. Ich habe bei meinen Gruppen schon Lager mit bis zu 6kg Futter gefunden.

Haltung

Zur Unterbringung der sehr bewegungsfreudigen Mäuse gibt es mehrere Möglichkeiten.
So eignen sich Gehege ab einer Größe von 100 x 50 x 100 cm und einem (Parallel)Gitterabstand von maximal 6 mm oder Maschengitter von max. 1,27 cm Maschenweite für 2 bis 6 Tiere.
Am besten eignen sich umgebaute Schränke und Eigenbauten. Hier können Sie mit Astwerk und gut strukturiert eingerichteten Etagen ein abwechslungsreiches, alle Sinne und Triebe der Tiere ansprechendes Umfeld schaffen. Die Bodenverblendung sollte hier ca. 30 cm hoch sein, um den Mäusen eine Buddeletage anbieten zu können, ohne dass diese übermäßig viel Streu vor dem Nagerheim verteilen. Hier ist durch Maschengitter eine optimale Lüftung garantiert.

Weißfußmaus auf einem Keramikschuh
Küstenmäuse freuen sich über alle Arten von Inventar

Aquarien und Terrarien bieten den munteren Mäusen vergleichsweise wenig Kletterfläche, da zum einen das Gitter als bekletterbarer Untergrund fehlt und sich zum anderen Äste und dergleichen schlechter befestigen lassen. Je nach Maßen und Lüftungsart ist auch eine ausreichende Belüftung nicht gewährleistet. Daher sind sie für die Haltung dieser Nager nur bedingt geeignet.
Mäusetische eignen sich für Weißfußmäuse gar nicht, da sie auch aus größeren Höhen auf den Boden springen und Sie die Mäuse schnell in der Wohnung suchen müssten.
Bei jedweder Gehegelösung sollten Sie darauf achten, dass diese keine Schlupflöcher aufweist. Küstenmäuse sind recht klein und können sich auch durch entsprechend kleine Löcher und Spalten quetschen, um sich dann mit Begeisterung die Wohnung anzuschauen.

Als Einstreu können Sie alle sehr saugfähigen Materialien verwenden, da die Nager recht viel Urin absetzen. Am besten sind staubarme Kleintierstreu oder ähnliches geeignet, da hier Gangbauten besser halten. Aber auch gereinigtes Leinstroh (z.B. Eurolin) oder Hanfstreu können Sie mit Heu geschichtet zum Buddeln anbieten. Auf den Etagen ist nur die Saugfähigkeit der Streu von Bedeutung.

Weißfußmaus in einer Voliere
Auch in stark strukturierten Gehegen sind die neugierigen Mäuse gut zu beobachten

Die Einrichtung sollte dreidimensional stark strukturiert werden und das Klettervermögen der Tiere ansprechen und schulen. Dazu eignen sich Äste, Wurzeln, Leitern, waagerechte Seile und andere Einrichtungsgegenstände. Auch Korkröhren werden gern angenommen. Bedenken Sie beim Einrichten, dass Küstenmäuse zwar sehr gern klettern, aber ab und zu auch abstürzen. Sie sollten dann nicht zu tief und nicht zu hart fallen.
Unabdingbar sind mehrere Häuschen aus den verschiedensten Naturmaterialien, in die sich die Tiere zurückziehen können. Auch Kokosnüsse und Finkennester eignen sich zu diesem Zweck sehr gut. Um hier ihre Nester auszupolstern, nehmen die Mäuse besonders gern das weiche Innere der Kapokschote an.
Da die Mäuse in ihrer Heimat oft auf sandigem Grund leben, können Sie in jedem Fall auch ein großes Sandbad oder am besten mehrere Sandbäder für die Tiere anbieten. Es wird allerdings eher als Klo genutzt – was den Reinigungsaufwand des Geheges erheblich reduzieren kann. Die Mäuse sind aber keine Sandbader.
Bei Laufrädern scheiden sich die Geister. Ist das Bewegungsangebot ausreichend groß, ist ein Rad nicht unbedingt notwendig. Wer seinen Tieren dennoch eines anbieten will, sollte darauf achten, dass es einen Mindestdurchmesser von 20 cm, eine geschlossene Lauffläche und eine geschlossene Rückwand hat. Für die neugierigen Gesellen ist das Rad oft mehr ein Spielzeug als eine Bewegungsgelegenheit.

Ebenfalls zur Grundausstattung gehören eine Wasserflasche, eine Trockenfutter- und eine Feuchtfutterschüssel.

Ernährung

Weißfußmaus mit Zophoba
Küstenmäuse fangen Mehlwürmer und Zophobas auch lebend

Das Grundfutter setzt sich idealer Weise aus einem Gemisch aus diversen Kleinsaaten und Grassamen sowie verschiedenen Getreiden zusammen. Hirse können Sie auch in Form von Kolbenhirse anbieten. Da Weißfußmäuse sehr experimentierfreudig sind, können Sie diese Grundmischung mit vielen Einzelfuttermitteln wie Trockengemüse oder Einzelsaaten ergänzen und variieren.
Kürbis- und Sonnenblumenkerne eignen sich für die neugierigen Nager sehr gut als artgerechtes Leckerli.

Das Frischfutter sollte überwiegend aus Gemüse und sonstiges Grünfutter bestehen. Als Ergänzung können Sie ein wenig Obst füttern.

Tierisches Eiweiß darf in der Ernährung auf keinen Fall fehlen. Dazu eignen sich lebende oder getrocknete Insekten, aber auch gekochtes Eiweiß. Lebende Insekten haben den Vorteil, dass sie die Tiere zu mehr Bewegung anregen, da die Mäuse die Insekten erst erjagen müssen.

Einige Linien der Küstenmäuse scheinen zu Fettleibigkeit zu neigen, da die Tiere ungebremst alles in sich reinfressen, was ihnen an energiereichen Leckerli angeboten wird. Gehen Ihre Mäuse aus dem Leim, sollten Sie die Leckerlis radikal kürzen oder auf energiearme Varianten umsteigen.

Fortpflanzung

Weißfußmaus im Jugendfell
Weißfußmaus im Jugendfell

Küstenmäuse sind eine der wenigen monogamen Vertreter der Gattung, die für längere Zeit zusammenbleiben. Sie weisen eine starke Paarbindung auf und ziehen auch gemeinsam ihre Jungtiere groß.
Die Tragzeit beträgt zwischen 24 und 28 Tagen, je nachdem ob noch ein Wurf gesäugt wird oder nicht. Es werden durchschnittlich 3 bis 4 nesthockende Junge mit einem Gewicht von 6 bis 7g geboren. Die Augen öffnen die Jungtiere im Alter von 13 bis 14 Tagen. Entwöhnt werden sie dann mit 20 bis 25 Tagen. Danach beginnen sie auch ihre Umgebung aufmerksam zu erkunden.

Die Geschlechtsreife der Weibchen tritt im Schnitt mit dem 29. oder 30. Tag ein. Zuchtreif sind sie jedoch erst ab einem Alter von 12 Wochen.

Die durchschnittliche Zeit zwischen den Würfen liegt bei 30 Tagen.
Die Tiere vermehren sich also relativ stark. Damit Sie nicht irgendwann vor einem Übervölkerungsproblem stehen, sollten Sie als Hobbyhalter daher nur gleichgeschlechtliche Tiere halten. Wenn Sie Küstenmäuse nachziehen möchten, müssen Sie schon vor Zuchtbeginn den Verbleib des Nachwuchses klären.
Da in der Haustierhaltung die Jahreszeiten die Vermehrung der Mäuse nicht mit Pausen – etwa im Winter – begrenzen, sollten Sie die Männchen phasenweise von den Weibchen trennen, um diesen eine Pause zu gönnen. Vermeiden Sie auch, dass zu junge Weibchen gedeckt werden. Günstiger ist es, die Mäusinnen physisch und psychisch erst vollkommen ausreifen zu lassen.

In freier Wildbahn liegt die Lebenserwartung der Küstenmäuse meist unter 9 Monaten, auch wenn über einjährige Exemplare nicht ungewöhnlich sind. In Gefangenschaft können diese Mäuse dagegen im Ausnahmefall 4 Jahre und älter werden, sodass man von einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 3 bis 4 Jahren ausgehen kann.

Krankheiten

Küstenmäuse sind von robuster Gesundheit und werden entsprechend selten krank bei richtiger Haltung und Pflege, sodass es keine für diese Mäuse typischen Erkrankungen gibt. Am ehesten müssen Sie mit Erkältungen nach einem unsachgemäßen Transport oder bei Zugluft rechnen. Eine Disposition dafür scheinen die Mäuse leider auch generell zu haben.

Für veterinärmedizinische Notfälle sollten Sie aber in jedem Fall eine finanzielle Rücklage von ca. 100 Euro haben.

Vergesellschaftung

Weißfußmäuse in der Futterschüssel in einer Badewanne
Kennenlernen in der Badewanne – mit Futter schwindet die Scheu vor den “Neuen” schnell

Die Vergesellschaftung von Küstenmäusen ist genau wie ihr sozialer Umgang sehr friedlich und unkompliziert. Weder bei den Männchen, noch bei den Weibchen sind ernsthafte Probleme bei der Vergesellschaftung zu erwarten, wenn Sie die Maßgabe eines neutralen Territoriums, auf dem sich die Tiere kennen lernen können, beachten. Andernfalls kann es zu heftigen Beißereien bis hin zu Todesfällen kommen. Auch die Etappenmethode mit drei Etappen (Wanne, Hamsterknast , leeres Endgehege) hat sich gut bewährt. Im Normalfall beschnuppern sich die Tiere ausgiebig, ohne dass es zu Dominanzgesten oder gar Streitereien kommt. Die zusammengeführten Gruppen sind in der Regel stabil.
Problematisch kann es allerdings sein, ein neues Männchen in eine gemischte Gruppe zu integrieren. Hier sollten Sie in jedem Fall die Etappenmethode wählen und die drei Etappen zeitlich etwas ausdehnen. Manchmal gelingt es auch gar nicht, einen neuen Bock zu integrieren.

Anschaffung

Küstenmäuse gibt es im Tierschutz sehr selten. Nachfragen bei privaten Pflegestellen und bei Tierheimen kann sich aber lohnen.
Andernfalls werden Sie eher bei einem seriösen Züchter fündig werden.
Selten finden Sie die Tiere auch in Zoohandlungen. Vom Kauf ist hier in jedem Fall abzuraten, da die meisten Händler die Geschlechter nur schwer unterscheiden können und Sie schnell ungewollt ein Pärchen erwerben. Auch ist das Risiko, kranke, mit Parasiten behaftete, schwangere oder zu junge Tiere zu erwerben, deutlich größer als bei einem seriösen Züchter.
Dieselben Risiken wie bei Zoohandlungen gehen Sie auch ein, wenn Sie Ihre neuen Mitbewohner auf einer Messe erwerben. Hier können Sie Glück haben und an einen seriösen Züchter geraten. Die Zahl der schwarzen Schafe ist jedoch sehr hoch.

Je nach gewünschter Gehegelösung sollten Sie für die Erstanschaffung von Unterkunft, Inventar, Streu, Futter und Transportbox zwischen 200 und 300 Euro rechnen.
Monatlich fallen für Futter und Streu dann je nach Gruppengröße und verwendeter Einstreu Kosten in Höhe von etwa 20 bis 40 Euro an.

Artengesellschaft

Bitte bedenken Sie in jedem Fall: Artengesellschaften gehören immer in Hände erfahrener Halter und benötigen deutlich mehr Platz als die artreine Haltung!
Für eine Artengesellschaft sind Küstenmäuse durch ihren friedlichen Charakter gut geeignet. Da aber nie sicher ist, ob die andere Art die kleinen Mäuse auch akzeptiert, sollten Sie niemals Küstenmäuse für eine Artengesellschaft anschaffen, wenn Sie bei Nichtvertragen nicht auch die Möglichkeit haben, beide Arten getrennt zu halten.
Sie sollten beide Arten, die Sie vergesellen möchten, schon als artreine Gruppe längere Zeit gehalten haben und ausreichend über die Bedürfnisse und Eigenheiten beider Arten informiert sein. So vermeiden Sie Artenkombinationen, unter denen einige Bedürfnisse der Tiere leiden würden.
Besonders harmonisch leben beispielsweise Farbmäuse und Küstenmäuse zusammen. Bei dominanten Arten wie Vielzitzenmäusen oder Stachelmäusen werden Küstenmäuse schnell untergebuttert, im schlimmsten Falle sogar angegriffen und (schwer) verletzt. Die richtige Auswahl der Partnerart und die ausreichende Gehegegröße ist für ein solches Unterfangen also besonders wichtig!
Das Gehege für eine Artengesellschaft sollte je nach gewählter Partnerart eine Gesamtgrundfläche (Etagen eingerechnet) von mindestens 2 bis 4 qm haben. Können Sie diese Grundbedingungen nicht sicherstellen, sollten Sie von einer Artengesellschaft absehen!

Weitere Informationen

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Quellen:
das-tierlexikon.de
University of South Carolina
Animaldiversity
United States Department of Agriculture