Vielzitzenmaus

Vielzitzenmäuse

Überblick

Herkunft: Trocken- und Feuchtsavannen, Buschland und Kulturland Afrikas südlich der Sahara
Sozialverhalten: gern Großgruppen
Aktivitätszeit: dämmerungs- und nachtaktiv
Minimale Gehegegröße: 100 x 50 x 100 cm mit Etage für bis zu 5 Mäuse
Handling: bei zahmen Exemplaren einfach, scheue Tiere am besten mit Handlingbox; haben gewisse Beißneigung
Ernährung: Saaten und Getreide, Insekten, Gräser und Kräuter, Gemüse, Obst
Größe und Gewicht: 10 – 15 cm + 10 – 15 cm, 60 – 120g
Geschlechtsreife: 40 – 45 Tage
Tragzeit: ca. 23 Tage
Besonderheiten: Diese selbstbewussten, intelligenten Nager eignen sich hervorragend zum Klickern oder für ähnliche Trainings.

Systematik und BiologieAmpelmaus grün

Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Überfamilie: Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
Unterfamilie: Echte Mäuse (Murinae)
Gattung: Vielzitzenmäuse (Mastomys)
Art: Afrikanische Vielzitzenmaus (Mastomys spec.)

 

8 Arten

Mastomys awashensis
Mastomys coucha südliches Afrika
Mastomys erythroleucus südliches Marokko, West- und Zentralafrika
Mastomys huberti Westafrika südlich der Sahara
Mastomys natalensis südlich der Sahara
Mastomys pernanus südwestliches Kenia, Nordtansania
Mastomys shortridgei Nordosten Namibias, Nordwesten Botswanas
Mastomys kollmanspergeri

Im Handel kursieren zwar M. coucha und M. natalensis. Es ist aber anzunehmen, dass es sich bei den erhältlichen Tieren fast immer um Mischlinge beider Arten handelt, da diese untereinander fruchtbar sind.

Wildtier Afrikanische Vielzitzenmaus

Die 7 Arten von Vielzitzenmäusen sind äußerlich kaum unterscheidbar. Die Farben variieren beim Wildtier in braunen, rötlichen, gelben und grauen Tönen. Die Unterseite ist weiß bis grau.
Den bevorzugten Lebensraum der großen Mäuse bilden Trocken- und Feuchtsavannen, Buschland und Kulturland. Dort bleiben die nachtaktiven Tiere hauptsächlich am Boden und graben unterirdische Gänge, in denen sie in großen Kolonien zusammenleben.
Abseits von menschlichen Siedlungen ernähren sie sich von Getreide, Grassamen, Knollen, Bohnen, Grünem, Insekten und anderen Wirbellosen, innerhalb von Siedlungen auch von menschlichem Abfall.

In vielen Regionen Afrikas nimmt die Vielzitzenmaus die Rolle ein, die die Hausmaus in Europa inne hat. Zugleich zählt die Gattung zusammen mit den Kusuratten (Arvicanthis) zu den bedeutendsten Schadnagern Afrikas südlich der Sahara.
Von Bedeutung ist sie auch in hygienisch-medizinischer Hinsicht, da sie mit Pestbakterien verseuchte Flöhe beherbergen und damit die Pest übertragen kann. In der Forschung setzt man daher Vielzitzenmäuse zur Pest-, aber auch zur Tumorforschung ein.

Anatomie und Erscheinung

Vielzitzenmaus auf dem Häuschendach
Vielzitzenmäuse sind recht große, gedrungene Nager

Der Name der Vielzitzenmaus rührt von der Eigenschaft her, dass die Tiere (bis auf eine Ausnahme) statt zehn 16 bis 24 Zitzen besitzen.
Mit einer Körperlänge von 10 bis 15 cm und einem ebenso langen, nackten Schwanz sind die Tiere recht groß, sodass sie teilweise auch unter der Bezeichnung Vielzitzenratten zu finden sind.
Je nach Größe, Statur und Geschlecht erreichen sie ein durchschnittliches Gewicht von 60 bis 120 g.
Mit zunehmendem Alter gehen vor allem die ohnehin eher birnenförmigen Weibchen noch etwas in die Breite, während Böcke ihre walzenförmige Statur behalten. Sie setzen eher Speck im Nacken an, was in einem mitunter recht imposanten Stiernacken resultiert.

Neben der Wildfarbe gibt es inzwischen einige Farbzuchtformen. Zu diesen gehören drei Aufhellungsmutationen, von denen eine rote Augen und cremefarbenes Fell hervorruft. Ebenso gibt es seit vielen Jahren ein Scheckungsgen. Eine weitere Mutation verursacht in Kombination mit der Scheckung Tiere mit einem rein weißen Fell.

Im Vergleich zur Farbmaus besitzen Vielzitzenmäuse einen runderen Kopf und wesentlich größere Augen, an denen man schon die Jungtiere gut unterscheiden kann, die für den Blick des Laien bis zu einem gewissen Alter Farbmäusen stark ähneln.

Vielzitzenmäuse als Haustiere

Eignung

Vielzitzenmäuse haben ein eher eigenwilliges und selbstbewusstes, manchmal auch aggressives Wesen. Daher verteidigen sie ihr Revier auch eher als Farbmäuse mit den Zähnen. Wer ins Nest fasst, muss sich nicht wundern, wenn er gebissen wird.
Vielzitzenmäuse sind sehr neugierige und intelligente Nager. Mit der nötigen Zuwendung können sie recht zahm werden. Besonders aufgeschlossene Charaktere lernen auch sehr bereitwillig mit Clicker und Target Stick. Möchten die Mäuse allerdings keinen oder kaum Kontakt zum Halter, sollten Sie das akzeptieren. Sind sie nur schüchtern, können Sie mit Geduld und Leckerlis versuchen, ihr Vertrauen zu gewinnen.
Vielzitzenmäuse sind also neugierig, aber eben auch sehr selbstbewusste Charaktertiere. Sie eignen sich daher nur sehr bedingt als Kuscheltiere und auf keinen Fall sind sie ideale Spielgefährten für Kinder. Mit ihnen wird ein Halter am glücklichsten werden, der sie in erster Linie beobachten oder ihren Spiel- und Lerntrieb erfüllen möchte.
Ein Pluspunkt der Vielzitzenmäuse für geruchssensible Menschen ist der im Vergleich zu Farbmäusen wesentlich geruchsärmere Urin sowohl der Weibchen, als auch der Böcke.

Handhabung

Das Handling von Vielzitzenmäusen richtet sich stark nach der Gelegenheit und dem Charakter der Tiere. Zahme Exemplare mit geringer Beißneigung können Sie zu Hause wie Farbmäuse einfach in die Hand nehmen. Bedenken Sie aber: auch diese Mäuse können plötzlich losspringen. Länger rumtragen sollten Sie die Vielzitzenmäuse also nur, wenn Sie sich sicher sein können, dass sich die Maus dabei wohl fühlt.

Vielzitzenmaus auf der Hand
Entspannt auf der Hand: Das geht nicht mit jeder Vielzitenmaus

Sind Sie sich nicht sicher, ob eine Vielzitzenmaus beißt, können Sie die Hand auch nur unter den hinteren Teil des Tieres schieben und das Tier so umsetzen. Beim Tierarzt lassen sich diese Tiere meist unkompliziert handhaben und bei Bedarf auch problemlos mit dem Nackengriff fixieren. Dabei sollten Sie darauf achten, die Falte groß genug zu nehmen. Das Fell der Tiere ist so weit, dass sie sich zum Beißen mitunter noch ziemlich weit darin umdrehen können.

Für bekannt bissige Tiere verwenden Sie zu Hause am besten eine Handlingbox oder stabile Handschuhe. Beim Tierarztbesuch schützen die stabilen Lederhandschuhe die Hände ebenfalls, da die Tiere eine ziemliche Beißkraft entwickeln können, wenn sie Angst haben. Der Nackengriff bedarf bei diesen Exemplaren einer gewissen Übung, da sie meist recht flott sind.

Bissige und zahme Mäuse können Sie beim Tierarzt auch mit Nackengriff oder Nacken-Rückengriff und an der Schwanzwurzel auf der Unterlage fixieren. So lassen sich die Tiere ohne größere Verletzungsrisiko spritzen.

Sehr scheue Vielzitzenmäuse sollten Sie in heimischer Umgebung mit der Handlingbox fangen, wenn der Bedarf besteht, sie umzusetzen. Beim Tierarzt können diese Tiere sehr problematisch werden und ziellos davonspringen, wenn sie sich erschrecken. Sollte die Untersuchung keiner Berührung bedürfen, lassen Sie das Tier idealerweise in einer durchsichtigen Faunabox begutachten. Muss das Tier aus der Box genommen werden, wickeln Sie es am besten in ein dickes Handtuch, so dass das Tier bis auf die zu untersuchende Stelle weitgehend bedeckt ist. Das reduziert die Gefahr einer Flucht erheblich und ist die schonendste Methode. Auch Injektionen sind bei dieser Methode möglich. Das bedarf allerdings einiger Übung. Fixieren Sie dabei das Tier im Handtuch und ziehen Sie lediglich eine Fellfalte für die Injektion. Eine solche Falte lässt sich bei der weiten „Jacke“ der Vielzitzemäuse recht einfach ziehen.
Der Nackengriff ist bei sehr scheuen Tieren nur erfahrenen Haltern zu empfehlen, da er kaum korrekt angebracht werden kann und der Versuch das Tier dazu enorm unter Stress setzt.

Für die Geschlechtsbestimmung scheuer oder sehr junger und damit oft sprunghafter Tiere eignet sich am besten die durchsichtige Faunabox oer ein anderes transparentes Gefäß, durch die Sie das Tier problemlos und stressfrei von unten betrachten können.

Entflohene Exemplare fangen Sie am besten mit einem Kescher, einer Faunabox oder einer Gitterfalle wieder ein.

Sozialstruktur und Verhalten

Vielzitzenmäuse im Bonbonglas
Vielzitzenmäuse: Hauptsache stapeln

Die dämmerungs- bis nachtaktiven Vielzitzenmäuse haben sehr ausgeprägtes Sozialverhalten. Daher müssen Sie IMMER mindestens vier, besser mehr Mäuse halten.

Männchengruppen sind dabei nicht so problematisch wie bei Farbmäusen. In der Mehrheit der Fälle kommt es aber auch bei Vielzitzenmäusen in Männchengruppen zu Reibereien bis hin zu ernsthaften Auseinandersetzungen.  Hier sollten Sie beachten: Die soziale Reife setzt bei Vielzitzenmäusen erst mit etwa 6 Monaten ein. Vorher sind auch Böcke meist unkompliziert und die Vergesellschaftungen einfach. Mit der Reife werden jedoch nicht nur die Vergesellschaftungen schwieriger. Auch bis dahin friedliche Gruppen können jetzt binnen kürzester Zeit durch Zoff zerfallen. Vor allem Anfänger sollten daher von der Haltung unkastrierter Böcke absehen.

Wenn Sie Weibchen oder Kastraten vergesellschaften möchten, ist es ebenfalls deutlich unkomplizierter, Mäuse unter einem halben Jahr zu vergesellen. Danach sollten Sie im Idealfall schon etwas Erfahrung mitbringen.

Vielzitzenmaus im gehege
Eine Vielzitzenmaus ist keine Maus

Vielzitzenmäuse eignen sich auch für große Gruppen von über 20 Tieren sehr gut. Hierbei sind Weibchen und/oder Kastraten die bessere Wahl. Werden Bockgruppen zu groß, ist die Gefahr von Unruhe oder gar Streit größer als bei Weibchen und Kastraten. Beachten Sie bei Großgruppen, dass die Tiere genügend Raum brauchen, auch wenn sie sich gern zum Schlafen stapeln.

Vielzitzenmäuse zeigen im Verhalten im wesentlichen zwei Tendenzen. Es gibt Stämme, die sehr ruhige, gut handhabbare Tiere hervorbringen. Hier handelt es sich zumeist (wenn auch nicht immer) um recht große Exemplare. Jedoch gibt es auch sehr flinke, agile Tiere, die sich auch meist weniger gern anfassen lassen. Diese Mäuse sind zumeist der kleineren Variante der Vielzitzenmäuse zuzurechnen.

Unabhängig vom Stamm sind Vielzitzenmäuse sehr neugierig und lernbegierig. Zu kleine oder zu karge Gehege und mangelnde Anreize wie neues Inventar, Spielzeug und ähnliches provizieren bei den intelligenten Nagern Langeweile und damit oft eine ziemliche Zerstörungswut. Im Zuge dessen zerstören sie nicht nur Inventar, sondern fressen bei Holzgehegen auch Löcher in die Böden und Außenwände – bevorzugt an geschützten Stellen wie hinter oder unter einem Häuschen. Deshalb ist es sinnvoll, diesen Mäusen intellektuell anspruchsvolle Beschäftigung anzubieten. Sie können zum Beispiel mit Vielzitzenmäusen genau wie mit einigen anderen Mäusearten clickern, sie mit dem Targetstick trainieren oder ihnen Fummelbretter anbieten.

Haltung

Vielzitzenmaus im naturnah eingerichteten Gehege
Ein abwechslungsreiches, großes Gehege ist für Vielzitzenmäuse Pflicht

Für 6 Tiere sind Käfige, Volieren und Nagerschränke ab einer Größe von 100 x 50 x 100 cm die Mindestgröße. Die Mäuse möchten aber gern mehr Platz haben und fühlen sich in größeren Gehegen wohler, werden agiler und somit für den Betrachter interessanter.

Für die großen Nager eignen sich selbst- oder umgebaute Schränke bzw. geschlossene Regale am besten. Diese bieten mit Etagen ausreichend Platz für Bewegung. Zudem können Sie durch die individuelle Planung für ausreichend Etagen und auch für einen Absturzschutz Sorge tragen. Das ist wichtig, da zumindest die größeren und recht korpulenten Vielzitzenmäuse nur mäßig gut klettern. Das bedeutet zwar nicht, dass sie an schwierigen Stellen nicht nach oben kommen. Die Gefahr eines Absturzes ist jedoch höher als bei besseren Kletterern. Stützen sie ab, sollten sie weich und nicht tiefer als 50 cm fallen. Das lässt sich in einem Selbstbau am einfachsten realisieren.
Die Gefahr, dass die Bewohner ihr neues Heim stark annagen, wenn es aus Holz besteht, ist eher gering, solange sie ausreichend beschäftigt werden. Ist das Habitat ausreichend groß und passend eingerichtet, lassen sie ihrem eher mäßigen Nagetrieb vor allem an Ästen und Häuschen freien Lauf. Befinden die Mäuse ihr Gehege allerdings für zu klein oder zu langweilig, neigen sie durchaus dazu dieses selbständig per genagten Löchern auf Zimmergröße zu erweitern. Beobachten Sie die Mäuse also vor allem am Anfang ganz genau. Eventuell müssen Sie das Gehege erweitern oder mit Metallbeschlägen sichern.
Aquarien und Terrarien sind aufgrund der Belüftung auch in einer den Tieren entsprechenden Größe problematisch. Ein Volierenaufsatz wäre für Aquarien empfehlenswert. Andernfalls sollten Sie ganz auf die Haltung in geschlossenen Glasbehältern verzichten.
Klassische Volieren sind nur bedingt geeignet, da die Mäuse die enthaltenen Freiräume nur schlecht nutzen können.

2 Vielzitzenmäuse im Gehege
Sobald die Tür offen ist, wird geschaut, was es Neues gibt

Da Vielzitzenmäuse nicht ganz so gut klettern wie Farbmäuse, sollten Sie ihnen auch dickere Äste, etc. anbieten, auf denen sie mit Begeisterung herumklettern. Auch Äste mit stark strukturierter Rinde bieten den Tieren reichlich Kletterfläche. Apfelbaum oder ähnliche Obsthölzer sind also die perfekten Klettermöbel. Mit Seilen oder sehr dünnen Zweigen können die Tiere dagegen nur wenig anfangen. Sie werden meist nur angenagt und/ oder zu Nestern verbaut.
Einrichtung wie Häuschen und Verstecke können Sie in allen Variationen aus verschiedensten natürlichen Materialien wie Ton, Kork, Holz und anderem anbieten, um den Tieren Unterschlupfmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Trägere Tiere nutzen vor allem am Boden stehende Häuschen, während agilere Exemplare auch Hängehäuser und Nistkästen, die über Äste erreichbar sind, gern annehmen. Achten Sie hier darauf, dass die Einschlupflöcher für die großen Mäuse einen ausreichend großen Durchmesser haben.
Einrichtung wie Heunester, Korkrollen und Häuschen fallen ab und an dem Zerstörungswahn einiger Exemplare zum Opfer. Dies geschieht im besonderen dann, wenn die Tiere zu wenig Platz haben und/oder sich langweilen.
Ein besonderes Gimick für Vielzitzenmäuse sind Hängematten. Laut einigen Haltern sind sie bei den großen Mäusen so beliebt, dass sie quasi ein Muss im Gehege sind.

Vielzitzenmaus spickt aus dem Gehege
Die Welt jenseits des Geheges ist einfach unwiderstehlich

Ein Sandbad für die Fellpflege brauchen Vielzitzenmäuse nicht. Bieten Sie dennoch eines an, nutzen viele Tiere die Sandschale gern als Klo.
Als Einstreu eignet sich jeglicher natürlicher Untergrund, etwa staubarme Kleintierstreu, Rindenmulch, Leinstreu oder ähnliches.

Obwohl Vielzitzenmäuse es gern warm haben, vertragen sie auch Temperaturen bis 17°C noch ohne Probleme. An solche Temperaturen müssen Sie sie jedoch gewöhnen. Temperaturstürze um mehrere Grad sowie schnelle Temperaturwechsel können zu Erkältungen führen. In kühleren Räumen sollten Sie zudem mehr Futter und Nistbaumaterial sowie Einstreu anbieten. Auch einen Heatspot nehmen die Mäuse in kühleren Räumen gern an.
Ideal ist eine Umgebungstemperatur von 20 bis 22 Grad.
In der Sommerhitze sind die Tiere auch für etwas Abkühlung dankbar. Erstaunlicherweise mögen meine Tiere zu diesem Zweck eine Dusche aus einer sehr fein vernebelnden Sprühflasche ganz gern. Jedoch können Sie auch gekühlte Steine oder ähnliches verwenden.

Trocken- und Feuchtfutter sollten Sie den Mäusen in getrennten Schüsseln anbieten.
Verwenden Sie aus hygienischen Gründen für das Wasser immer eine Flasche. Die Tiere koten und urinieren häufig in die Schüsseln und geben so einfacher Keime weiter.

Ernährung

Vielzitzenmaus frisst frischen Hibiskus
Hmmm, lecker Hibiskus – das finden auch Vielzitznmäuse

Das Trockenfutter sollte ein Mix aus einer Getreidemischung und Kleinsaaten (z.B. Grassamen, Spitzsaat) bestehen. Diesen Mix können Sie durch getrocknete Kräuter, Trockengemüse und ähnliches ergänzen. Achten Sie darauf, dass die Saatenmischung nicht zu energiereich ist, da Vielzitzenmäuse zu Adipositas neigen.

Als Frischfutter nehmen die Tiere besonders gern Eisbergsalat. Jedoch können Sie die komplette Obst– und Gemüsepalette durchprobieren. Der Schwerpunkt sollte aber deutlich beim Gemüse sowie bei sonstigem Grünfutter liegen. Obst ist eher als Leckerli in kleinen Portionen geeignet.

Grundlegend notwendig ist zudem eine Quelle für tierisches Protein. Diese können Sie in Form von Schaben und anderen lebenden Insekten, Trockeninsekten wie Seidenraupen oder gekochtem Ei anbieten. Greifen Sie nach Möglichkeit nicht auf Mehlwürmer und Zophobas als einzige oder Haupteiweißquelle zurück. Diese Insektenlarven sind sehr fettreich.

Fortpflanzung

Junge Vielzitzenmäuse in der Badewanne
So sehen gesunde, junge Vielzitzenmäuse aus

Vielzitzenmäuse bekommen alle 4 Wochen nach einer Tragzeit von ca. 23 Tagen bis zu 22 nesthockende Jungtiere. Die Angaben durchschnittlicher Würfe schwanken dabei zwischen 5 und bis zu 20 Welpen, die je nach Wurfgröße bei der Geburt ein Gewicht von etwa 1,8 Gramm haben.
Nach 12 bis 16 Tagen öffnen die Jungtiere die Augen und beginnen, feste Nahrung aufzunehmen. Aber erst nach einer weiteren Woche sind die Jungen dann entwöhnt. Jedoch sollten sie mindestens noch eine Woche bei der Mutter bleiben, um wichtige Verhaltensweisen zu lernen und sich richtig zu sozialisieren. Zu früh getrennte Jungtiere können später verhaltensauffällig werden. Das äußert sich zum einen in Problemen mit Artgenossen, aber auch in einer erhöhten Bissigkeit dem Halter gegenüber.

Die Geschlechtsreife tritt mit etwa 40 bis 45 Tagen ein. Von Zuchtreife wird aber bei Männchen erst ab ca. 12 Wochen und bei Weibchen ab ca. 16 Wochen gesprochen.
Die Tiere erreichen durchschnittlich ein Alter von 1,5 bis 2,5 Jahren.

Aufgrund der rasanten Vermehrungsrate der Tiere, müssen Sie als Liebhaber vorher in jedem Fall sicherstellen, dass Sie kein Paar oder ein trächtiges Tier erwerben.

Krankheiten

Warzen im Gesicht einer Vielzitzenmaus
Warzen im Gesicht einer Vielzitzenmaus

Vielzitzenmäuse leben noch nicht allzu lange in Menschenhand und haben sich so noch die robuste Gesundheit ihrer Vorfahren erhalten. Bei tiergerechter Haltung und Fütterung werden sie kaum jemals krank. Am häufigsten treten bei diesen Tieren Erkältungen durch Zugluft oder zu kalte Räume auf. Eine auffällige Krebsneigung haben die Tiere nicht. Treten Geschwüre auf, sind es meist gutartige Lipome, der zu Adipositas neigenden Mäuse. Ebenfalls häufig lassen sich Warzen bei Vielzitzenmäusen beobachten. Solange diese nicht an sensiblen Stellen wie Auge, Maul, Genitalregion oder unter den Füßen wachsen, sind sie in der Regel eher ein kosmetisches Problem.

Doch auch wenn die Tiere eine insgesamt robuste Gesundheit haben, sollten Sie den Krankheitsfall immer mit einplanen und für veterinärmedizinische Notfälle eine Rücklage von ca. 100 Euro haben.

Vergesellschaftung

Gruppe Vielzitzenmäuse zur Vergesellschaftung im Duna
Gruppe Vielzitzenmäuse zur Vergesellschaftung im Duna

Bei diesen großen Mäusen empfiehlt sich zur Vergesellschaftung am ehesten die Etappenmethode. Sie ermöglicht den Tieren ein entspanntes Kennenlernen und dem Halter erste Beobachtungen, wie die Nager aufeinander reagieren. In der Badewanne können Sie gut sondieren, wie sich die Vielzitzenmäuse gegenseitig finden. Setzen Sie sie nach dem Kennenlernen in einen Hamsterknast oder eine Transportbox von je nach Gruppengröße mindestens 40 cm Seitenlänge. Verläuft die Vergesellschaftung bis dahin friedlich und ohne größere Aggressionen, können Sie die Tiere dann schon ins Endgehege setzen. Bei problematischeren Anläufen sollten Sie mindestens noch eine weitere Zwischengröße von etwa 80 cm Seitenlänge dazwischen schalten.

Die Tiere sind neuen Artgenossen gegenüber meist eher unkompliziert – adulte Böcke über 6 Monate ausgenommen. Die Vergesellschaftung ist daher nach einer Woche bzw. nach spätestens zwei Wochen weitestgehend abgeschlossen. Bei verhaltensgestörten Tieren sollten Sie allerdings bis zu 4 Wochen einplanen. Diese brauchen mehr Zeit, um den Umgang mit Artgenossen (wieder/ neu) zu lernen.

Es ist für Profis möglich, dauerhaft friedliche Böckchengruppen zu halten. Jedoch sollten Sie ihnen mehr Zeit geben, sich aneinander zu gewöhnen. Antipathien sind bei ihnen anfangs häufiger und stärker als bei Weibchen. Legen sich Antipathien auch nach einer Woche auf derselben Käfigstufe nicht, sollten Sie die Vergesellschaftung als gescheitert ansehen. Sind Fortschritte in diesem Zeitraum sichtbar, braucht Ihre Gruppe einfach mehr Zeit, um sich zu finden und die Rangordnung zu festigen.
Mitunter kommt es aber auch vor, dass einzelne Exemplare erhebliche Aggressionen zeigen und das Gegenüber noch nach zwei bis drei Tagen ernsthaft angreifen. Dann sollten Sie mehrere Methoden miteinander kombinieren. Geeignete Kombinationen mit der Etappenmethode als Basis wären Großraum-, Duft-, Trenngitter- oder Streutauschmethode. Ist auch nach mehreren Versuchen keine Annäherung der Mäuse abzusehen, sollten Sie die Vergesellschaftung abbrechen. Dann ist es besser, wenn Sie für das aggressive Tier nach anderen, passenderen Partnern schauen oder den (männlichen) Aggressor kastrieren lassen. Frühestens 6 bis 8 Wochen nach der Kastration können Sie es mit Böcken erneut probieren. Schon nach 4 Wochen können Sie einen Versuch mit Weibchen starten.
Kommt es zu Streit, sollten Sie außerdem frühzeitig eingreifen. Andernfalls kann das ernsthafte Verletzungen nach sich ziehen.

Anschaffung

Sollten Sie nach der Lektüre der Texte zu dem Schluss gekommen sein, dass Vielzitzenmäuse die richtigen Haustiere für Sie sind, beginnt die Suche nach den geeigneten Tieren.

Vielzitzenmaus im Möhrengrün vorm Haus
Die Anschaffung von Vielzitzenmäusen will wohl überlegt sein

Afrikanische Vielzitzenmäuse finden Sie inzwischen auch im Tierschutz. Bei Tierheimen oder Notstationen nachzufragen, lohnt sich also in jedem Fall. Da diese Mausart oft lange auf ein neues Heim wartet, sollte Ihr erster Weg der zum Tierheim oder privaten Pflegestellen führen.

Züchter, die diese Tiere als Heimtiere züchten, gibt es kaum. Jedoch vermehren Reptilienhalter oft diese possierlichen Nager. Bei letzteren haben Sie allerdings das Problem, dass Sie nicht wissen, ob der Vermehrer die Geschlechter sauber trennen kann und wie gesund und sauber die Tiere sind. Fragen Sie daher bei Züchtern und Reptilienhaltern immer nach, ob die Möglichkeit einr Schwangerschaft besteht.

Ähnliches gilt für Zoohandlungen. Hier handeln Sie sich schnell ungewollt kranke, mit Parasiten behaftete, schwangere oder zu junge Tiere ein. Auch die Geschlechterbestimmung ist oft sehr unsicher, wenn Sie Ihre Vielzitzenmäuse im laden kaufen.

Auf Säugermessen findet man Vielzitzenmäuse eher selten, auf Reptilienbörsen (als Futtertiere) jedoch recht häufig. Ob Sie dort allerdings wirklich Tiere erwerben wollen, sollten Sie sich gut überlegen. Vor allem Anfängern, die die Mäuse, das Geschlecht und den Gesundheitszustand nur schwer einschätzen können, kann ich nicht dazu raten.

Artengesellschaft

Bitte bedenken Sie in jedem Fall: Artengesellschaften gehören immer in Hände erfahrener Halter und benötigen deutlich mehr Platz als die artreine Haltung!

Für eine Artengesellschaft sind Vielzitzenmäuse recht gut geeignet, da sie flexibel sind und meist freundlich auf andere Arten reagieren. Jedoch verträgt sich nicht jedes Exemplar mit anderen Arten. Mitunter kommt es in den gemischten Gesellschaften zu Spannungen. Da die meisten infrage kommenden Arten (teils deutlich) kleiner als die Vielzitzenmäuse sind, sollten Sie dann zu deren Schutz von einer Artengesellschaft absehen.
Schaffen Sie niemals Vielzitzenmäuse für eine Artengesellschaft an, wenn Sie bei Nichtvertragen nicht auch die Möglichkeit haben, beide Arten getrennt zu halten. Alternativ können Sie auch Tiere anschaffen, die schon andere Arten kennen und/oder deren Verträglichkeit mit der gewünschten Art bekannt ist.
Sie sollten beide Arten, die Sie vergesellen möchten, schon als artreine Gruppe längere Zeit gehalten haben und ausreichend über die Bedürfnisse und Eigenheiten beider Arten informiert sein. So vermeiden Sie Artenkombinationen, unter denen einige Bedürfnisse einer Art oder gar beider Arten leiden würden.
Eine Artengesellschaft mit Vielzitzenmäusen ist mit Nagern denkbar, die wie diese gut und gerne klettern und die von der Ernährung der großen Mäuse nicht verfetten. Klassische Gesellschaften für diese Mäuse sind beispielsweise Farbmäuse und Stachelmäuse. Eine sehr harmonische Kombination stellen dabei Vielzitzenmäuse mit Farbmäusen dar. Deshalb werden sie gern als Partner für einsame, unkastrierte Farbmausböcke gehalten. Weitere Informationen zur Artengesellschaft von Vielzitzenmäusen mit Farbmäusen finden Sie unter “Verhalten”.
Das Gehege sollte eine Gesamtgrundfläche (Etagen eingerechnet) von mindestens 1 bis 3,5 qm haben, je nachdem, welche Arten Sie zusammen halten möchten. Können Sie die genannten Grundbedingungen nicht sicherstellen, sollten Sie von einer Artengesellschaft absehen!

Weitere Informationen

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Lesenswerte Links:

Quellen:
http://www.schulzoo.de/
http://www.vielzitzenmaus.de.vu/
Wilson & Reeder (2005):
Mammal Species of the World: A Taxonomic and Geographic Reference, Verlag J. Hopkins 
Leirs, H. et al (2010): Rodent Outbreaks in Sub-Saharan Africa. In: Singleton (Hrsg.): Rodent Outbreaks. Ecology and Impacts.