Sinai-Stachelmaus

 Sinai-Strachelmaus

Überblick

Herkunft: trockene Gebiete wie Halbwüsten, Wüsten, felsige Regionen, Savannen und Trockenwälder des Nahen Ostens
Sozialverhalten: sehr sozial, bis hin zu Großgruppen geeignet
Aktivitätszeit: dämmerungs- und nachtaktiv
Minimale Gehegegröße: 100 x 50 x 100 cm mit Etage für 3 – 4 Stachelmäuse
Handling: bei zahmen Tieren einfach, bei scheuen oder bissigen Tieren Erfahrung nötig, NIE am Schwanz halten!
Ernährung: fettarm; Saaten- und Getreidemischung, Insekten, Schnecken, Gemüse und sonstiges Grün, (wenig) Obst
Größe und Gewicht: 9 – 13 cm + 9 – 12  cm, 30 – 50 g (adipöse Mäuse bis 100 g)
Geschlechtsreife: 8 – 12 Wochen
Tragzeit: 34 – 39 Tage
Besonderheiten: Unkastreierte Böcke können zu Aggressionen untereinander neigen. Kastration löst dieses Problem.

Systematik und Biologie

Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Überfamilie: Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
Unterfamilie: Echte Mäuse (Murinae)
Gattung: Stachelmäuse (Acomys)
Art: Stachelmaus (Acomys dimidiatus)

19 Arten

In der Aufzählung handelt es sich um die gegenwärtig anerkannten Arten und Unterarten. Jedoch besteht bei den Stachelmäusen eine beständige, wissenschaftliche Diskussion, beispielsweise ob die Arten wirklich selbständige Arten oder nur Unterarten oder Formen darstellen. Es wird sogar diskutiert, ob Stachelmäuse überhaupt den Echten Mäusen zuzurechnen sind.
Daraus resultieren die unterschiedlichen Darstellungen verschiedener Quellen. So wird die im südlichen Algerien vorkommende Tibesti-Stachelmaus einmal als Unterart der Nilstachelmaus mit dem wissenschaftlichen Namen Acomys cahirinus seurati angeführt. Andere Quellen stellen sie unter dem Namen Algerische Stachelmaus mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Acomys seurati als eigenständige Art dar.

Wildtier Sinai-Stachelmaus

Sinai-Stachelmäuse bewohnen ausschließlich trockene Gebiete. Dazu gehören Halbwüsten, Wüsten, felsige Regionen, Savannen und Trockenwälder des Nahen Ostens. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von der Sinai-Halbinsel in Ägypten über Israel, Jordanien, den Irak, den Libanon und Pakistan bis zur Arabischen Halbinsel und nach Syrien.
Die Mäuse sind perfekt an ihre Umgebung angepasst. Geschickt laufen und springen sie über Steine und Geröll und klettern auch auf Wurzeln, Büschen und Ästen.
In ihrer natürlichen Umgebung bauen Sinai-Stachelmäuse eher spärliche Nester. Meist tut es eine Kuhle im Boden oder einer Felsspalte, gepolstert mit Fell und weichem Pflanzenmaterial.
Auch für ihre Jungtiere ist ein weiches, kunstvolles Nest nicht sehr wichtig. Die Kleinen kommen als Nestflüchter auf die Welt und verlassen das Nest schon nach etwa 6 Tagen.
Sinai-Stachelmäuse kommen in ihrem Verbreitungsgebiet recht häufig vor und sind hier zum einen als Teil der Nahrungskette, zum anderen als Träger verschiedener Krankheiten von Bedeutung.

Anatomie und Erscheinung

Sinai-Stachelmaus auf einem Ast
Typisch Sinai-Stachelmaus: die großen Ohren und die langen Vibrissen

Sinai-Stachelmäuse haben ein langgezogenes, spitzes Gesicht, große, hochstehende Trichterohren und sehr lange Vibrissen.
Namensgebend sind die platten Borstenhaare am Rücken, die an die Stacheln eines Igels erinnern, beim Anfassen aber längst nicht so borstig und stabil sind.
Diese Stachelmäuse sind auf der Oberseite sandfarben mit grauen Stachelspitzen. Die weiche Unterseite ist creme-farben bis weiß.
Mit einer Körperlänge von ca. 9 bis 13 cm sind sie etwas größer als Farbmäuse. Jedoch sind die Stachelmäuse von deutlich gedrungenerer Gestalt. Der nackte, dunkel geschuppte Schwanz ist mit ca. 9 bis 12 cm noch einmal fast so lang, wie der Körper. Das Gewicht variiert zwischen 30 und 50g. Bei zu reichhaltiger Ernährung können sie es aber auch auf 70 bis sogar 100g bringen.

Die Sinai-Stachelmaus als Haustier

Eignung

Sinai-Stachelmäuse benötigen ein großes, gut strukturiertes Habitat, das entsprechend Platz in der Wohnung benötigt. Zudem sind sie keine Kuscheltiere, auch wenn die neugierigen Mäuse recht zahm werden. Anfassen und Streicheln mögen die wenigsten von ihnen. Resolute Exemplare quittieren es auch mit einem Biß, wenn ihnen ihr Mensch zu aufdringlich wird.
Wer also Tiere sucht, die vielfältige Verhaltensweisen an den Tag legen und bereit ist, ihnen den nötigen Platz und Abstand zu gewähren, wird an Stachelmäusen viel Freude haben.
Für Anfänger empfiehlt sich am ehesten eine Weibchen- und/oder Kastratengruppe. Männchengruppen sind in erfahrenen Händen besser aufgehoben und sollten nicht zu groß (max. 5 bis 8 Tiere) sein.
Für kleine Kinder sind Stachelmäuse als Haustiere nicht geeignet. Ältere Kinder, die die neugieren Nager nur beobachten möchten, können unter elterlicher Aufsicht jedoch Freude an den aufgeschlossenen Nagern haben.

Handhabung

Das Handling der Tiere ist meist etwas schwierig. Die wenigsten Stachelmäuse schätzen es, angefasst zu werden, und noch weniger lassen sie sich gern auf die Hand nehmen. Auch sollten Sie bei diesen Mäusen die Hand nie schließen, da sie sonst schnell zubeißen können.
Zahme Tiere kommen auch auf die Hand. Jedoch bleiben die quirligen Nager selten still sitzen. Da sie im Gegensatz zu Farbmäusen keine Hemmungen haben, einfach in die Tiefe zu springen, bedarf das Handling auf der Hand einiger Übung, damit die Mäuse nicht ungefragt auf Wohnungserkundungstour gehen.

Sinai-Stachelmaus auf der Hand
So entspannt sitzen die wenigsten Sinai-Stachelmäuse auf der Hand

Eher ungeübte Halter können Sinai-Stachelmäuse mit einer kleinen Transportbox einfangen und sie aus dieser in ihre neue Umgebung oder eine Transportbox beim Saubermachen entlassen. Dabei müssen Sie nicht notwendigerweise mit der Box hinter der Maus her hetzen. Stachelmäuse sind ungemein neugierig und kommen, wenn Sie sich einen Moment gedulden, oft von ganz allein in die Box.
Auf gar keinen Fall sollten Sie die Tiere am Schwanz festhalten! Um zu entkommen, trennen sich die Stachelmäuse sehr leicht von der Schwanzhaut. Übrig bleiben die blutigen Schwanzwirbel, die nach einiger Zeit entweder abfallen oder vom Tier oder seinen Gefährten abgefressen werden.

Die Geschlechtsbestimmung gelingt mit einer durchsichtigen Transportbox am einfachsten und stressfreiesten für alle Beteiligten.

Beim Tierarzt sind Stachelmäuse schwierige Patienten, da selbst zahme Tiere kaum stillsitzen werden und Sie bei Stachelmäusen auch kaum eine Hautfalte zum Greifen bekommen. Das Fell der Nager sitzt nämlich sehr straff. Nehmen Sie die Tiere an der Nackenfalte, lassen diese oft Haare. Manche bekommen regelrecht kahle Stellen. Bei grobem Umgang mit den Mäusen kann beim Nackengriff sogar die Haut reißen. Der Nackengriff bedarf also einiger Übung, um den Patienten nicht zu verletzen, und sollte nur im absoluten Notfall angewendet werden.
Schonender ist es, das betreffende Tier in einer Box zu betrachten oder so in ein Handtuch zu wickeln, dass nur der zu untersuchende Teil herausschaut. Die Nackenfalte sollte nur bei Injektionen und anderen Handgriffen angewandt werden, die maximale Kontrolle über da Tier erfordern.

Stachelmäuse sind zwar keine typischen Ausbrecher, aber auch sie musste ich schon suchen. Am einfachsten können Sie sie zu zweit einfangen, indem einer das Tier in eine bestimmte Richtung lotst, während der andere dem Tier eine Transportbox mit interessant riechendem Inhalt hinhält. In der Regel geben die Tiere irgendwann ihrer Neugier nach und klettern in die Box, um zu schauen, was darin ist. Dann müssen Sie nur noch schnell genug den Deckel schließen und schon haben Sie den Ausreißer wieder.
Alternativ eignen sich auch Gitterfallen und Wippenfallen zum Einfangen. Verwenden Sie ausschließlich Fallen für Ratten und andere größere Tiere. Bei Fallen mit Klappmechanismus besteht allerdings die Gefahr, dass versehentlich der Schwanz der Tiere eingeklemmt wird und sie diesen verlieren. Wippenfallen sollten Sie daher vorziehen. Mit sehr hohen Vorratstonnen oder Eimern können Sie alternativ auch eine Eimerfalle bauen. Ist die Falle zu niedrig, sind die sprungkräftigen Mäuse allerdings schnell wieder draußen. Ein normaler Wischeimer reicht daher nicht aus.

Sozialstruktur und Verhalten

Gruppe Sinai-Stachelmäuse holt sich Schaben ab
Sinai-Stachelmäuse: Am besten gleich im Dutzend

Sinai-Stachelmäuse lassen sich gut in größeren Gruppen halten. Sie kommen auch mit Gruppenstärken von 15 oder 20 Tieren noch sehr gut zurecht und bauen eine friedliche, stabile Gruppenstruktur auf. Dies gilt jedoch nur für Verbände, die aus Weibchen und/ oder Kastraten bestehen. Schwierig wird es hingegen nicht erst in größeren Gruppen mit unkastrierten Böcken. Verfolgungsjagden bringen Unruhe in die Gruppe. Auch Verletzungen – vor allem an Schwanz und Ohren – sind hier an der Tagesordnung. Im schlimmsten Fall werden einzelne Tiere so lange gejagt, dass sie schließlich versterben, schreitet der Halter nicht ein. Das gilt auch für gemischte Familienverbände, in denen mehrere unkastrierte Böcke leben. Während die Weibchen meist unversehrt bleiben, können sich die Böcke der Gruppe ernsthaft verletzen. Die Gefahr von Streit ist hier noch größer als bei reinen Bockgruppen.
Schwanzverletzungen oder ab-/angefressene Schwänze und Ohren sind jedoch nicht immer die Folge von Streit. Sie können auch Anzeichen für Verhaltensstörungen, beispielsweise aufgrund von Platz- oder Proteinmangel, sein.

Ist die Ursache jedoch eine Unverträglichkeit unter Böcken, hilft in der Regel nur die Kastration. In manchen Fällen reicht aber auch schon ein entsprechend großes Habitat (min. 5qm für 5 bis 8 Tiere) aus. Auch die Verkleinerung von großen Gruppen auf 3 bis 4 Tiere kann helfen. Zeigt ein gemobbtes Gruppenmitglied starke Stresssymptome (Abmagerung, gesträubtes, schlechtes Fell), sollte es vorübergehend von der Gruppe separiert werden, bis die Mobber der Gruppe kastriert sind. Damit die Rückführung unkompliziert abläuft, sollten Sie die Tiere so trennen, dass diese sich noch riechen können. Ein Trenngitter leistet hier gute Dienste.

Die dämmerungs- und nachtaktiven Stachelmäuse sind keine Schmusetiere. Sie bauen aber durchaus eine Bindung zu ihrem Menschen auf. Nur auf die Hand möchten die wenigsten. Versuche, sie in die Hand zu nehmen und zu „erziehen“, quittieren sie schnell mit einem schmerzhaften Biss.
Futterzahm werden die äußerst neugierigen Sinai-Stachelmäuse jedoch recht schnell. Oft kommen sie auch nur, um zu schauen, was es denn Neues oder Interessantes zu sehen oder zu beschnuppern gibt.
Wenn Sie etwas mehr Zeit mit den Tieren verbringen, können Sie auch Klickern oder Target-Training mit diesen Stachelmäusen machen. Die stacheligen Mäuse sind überaus gelehrige und dankbare Schüler.

Haltung

Obwohl sich im Netz Mindestgrößenangaben für ein zwei Sinai-Stachelmäuse ab 60x30x30 cm finden, sind solche Gehegegrößen deutlich zu klein für diese agilen Tiere. Als Minimum ist eine Größe von 100x50x100cm für 3 bis 4 Exemplare anzusehen. Die Mäuse möchten gern auch in die Höhe klettern. Dafür muss genug Raum vorhanden sein. Nach oben sind der Käfiggröße keine Grenzen gesetzt. Ich persönlich halte meine Stachelmäuse in größeren Anlagen mit einer Fläche zwischen 2 und 7 qm. Diese Fläche nutzen die Mäuse auch komplett aus.

Sinai-Stachelmäuse auf Schabenjagd
EIn Aquarium als Jagdbecken verhindert, dass entflohene Schaben durch Ihre Wohnung krabbeln

Für die agilen Stachelmäuse eignen sich am besten umgebaute Schränke oder Volieren mit Etagen. Diese lassen sich hervorragend strukturieren und den Bedürfnissen der gut kletternden und hervorragend springenden Mäuse anpassen.
Da Terrarien in einer ansprechenden Größe sehr teuer und unhandlich sind, sind sie zur Haltung nur bedingt geeignet. Planen Sie, Ihre Tiere in einem Terrarium zu halten, sollten Sie schon beim Kauf auf eine ausreichende Belüftung achten.
Aquarien sind für Sinai-Stachelmäuse ohne Aufbau zu flach. Hier muss ein Volierenaufsatz her, um das Gehege sowohl in der Fläche als auch in der Höhe zu erweitern.

Als Einstreu können Sie Holzstreu, Mulch, Hanf, Eurolin, aber auch Erde und andere Untergründe verwenden. Das Einstreumaterial muss bei Stachelmäusen nicht sehr hoch aufgeschüttet werden, da die Tiere keine Gänge und auch kaum ausgeprägte Nester anlegen. Heu sollten Sie ihnen aber in jedem Fall trotzdem anbieten.
Ob die Einstreu sehr geruchsbindend ist, spielt bei Stachelmäusen kaum eine Rolle, da die Nager nur wenig Urin absetzen und fast nicht riechen. Lediglich bei Spielsand und Quarzsand berichten einige Halter, dass die Tiere unangenehm riechen. Da Sepiolith und Atapulgit zwar saugstark und geruchsbindend sind, aber stark stauben, sollten Sie sich für speziellen Terrariensand entscheiden, wenn Sie Ihre Tiere auf Sand halten möchten.

 

Sinai-Stachelmäuse in ihrer Voliere
Sinai-Stachelmäuse verschwinden auch in großen Volieren nicht unsichtbar

Das Habitat der neugierigen Nager sollten Sie möglichst abwechslungsreich gestalten. Dafür eignen sich alle Arten von Naturmaterialien außer dünneren Seilen, die die Tiere nicht benutzen können.
Da Sinai-Stachelmäuse häufig auf felsigem Untergrund leben, bietet es sich zum Beispiel an, den Tieren einen kleinen Steinhaufen aus zuvor gut gereinigten Steinen anzubieten. Diesen müssen Sie in jedem Fall gut verkeilen, damit sich kein Stein löst und eines der Tiere erschlägt.
Solche Steinhaufen sind wie dicke Äste und Wurzeln oder ähnliches beliebte Plätze zum Sonnenbaden. Auch wenn die Mäuse dieses Bad sehr genießen, sollten Sie den Käfig nie der prallen Sonne aussetzen. Stachelmäuse brauchen immer einen Schattenplatz zu ihrer Verfügung.
Neben den dicken Ästen, können Sie auch schmalere anbieten, auf denen die Mäuse zum Beispiel auf eine Etage balancieren können. Dies schult Koordination und Gleichgewicht der Tiere.
Für Unterschlupfe eignen sich Korkröhren und –platten, Blumentöpfe, Ton- und Holzhäuser und andere natürliche Einrichtungsgegenstände. Auch Finkennester und hängende Kokosnüsse werden gern angenommen.
Nur mit entsprechend viel Platz und einem gut strukturierten Käfig können die Stachelmäuse ihre natürliche Neugier ausleben und werden zu mehr Bewegung angeregt. Da die Tiere leicht zu Verfettung neigen, ist dies sehr wichtig.

Die Literatur gibt als notwendige Raumtemperatur zur Haltung 28-30°C an. Aber auch bei Zimmertemperatur zeigen die Mäuse keinerlei Anzeichen von Unwohlsein. Sie können den Tieren trotzdem eine zusätzliche Wärmequelle anbieten. Heizsteine oder von einem Wärmelicht oder Keramikstrahler beschienene Natursteine werden sehr gern genutzt. Hier sitzen die Tiere oft stundenlang und genießen die Wärme.

Ob Sinai-Stachelmäuse ein Laufrad brauchen, da scheiden sich die Geister. Ist das Habitat groß genug, ist ein Laufrad eigentlich überflüssig. Einige der Mäuse entdecken in Laufrädern jedoch ein großartiges Spielzeug, mit dem sie sich gern beschäftigen.

Sie können die Mäuse sowohl aus einem zentralen wie auch aus mehreren kleineren Futternäpfen füttern.
Ein Wassernapf wird allerdings öfter mit einer Toilette verwechselt, weshalb sich eher die Verwendung einer Wasserflasche anbietet.

Ernährung

Stachelmäuse ernähren sich zum größten Teil von verschiedenen Saaten. Dazu kommen bis zu 5% Grünpflanzen und 5 bis 15% Insekten.

Sinai-Stachelmäuse an der Futterschüssel
Zum Essen versammelt sich die ganze Mannschaft

Sinai-Stachelmäuse neigen sehr schnell zu Verfettung. Das Grundfutter sollte daher zum größten Teil aus feineren, nicht zu fetthaltigen Saaten bestehen. Derzeit in der Diskussion sind außerdem stark kohlenhdrathaltige Saaten als Übeltäter für kugelrunde Stachelmäuse. Vor allem Hirse steht hier im Fokus.
So eignet sich beispielsweise eine Mischung aus verschiedenen Kleinsaaten, Grassamen, etwas Exotenfutter und einer Getreidemischung sehr gut als Trockenfuttergrundmischung. Hier ist der Hirseanteil nicht zu hoch und die Mischung kann über die Auswahl der Kleinsaaten gut im Fettgehalt gesteuert werden. Dieser Mischung können Sie auch Waldvogelfutter oder diverse fertige Kleinsaatenmischungen zusetzen.

Als Feuchtfutter sollten Sie in erster Linie Gemüse und sonstiges Grünfutter reichen. Obst finden die Mäuse in freier Natur kaum und sollten es daher auch als Haustiere nur in Maßen bekommen. Vorsicht ist auch bei Tomaten und anderen oxalsäurehaltigen Gemüsen angeraten. Die Oxalsäure kann Nierenschäden verursachen, wenn das Gemüse im Überfluss angeboten wird. Sonst gelten die üblichen Rochtlinien der Fütterung auch für Sinai-Stachelmäuse.
Auch wenn Stachelmäuse sehr wenig trinken, müssen sie immer Zugang zu einer Wasserquelle, am besten einer Wasserflasche, haben.

In freier Wildbahn nehmen die Mäuse auch einen mehr oder weniger großen Anteil tierischer Kost wie beispielsweise Schnecken und Insekten zu sich.
Dieses essentiell notwendige Eiweiß können Sie den Haustieren in Form von Mehlwürmern, Wanderheuschrecken, Grillen, Schaben, Schnecken, magerem Fleisch, gekochten Eiern oder ähnlichem zuführen.
Auf Mehlwürmer als Lebendfutter sollten Sie jedoch nur selten zurückgreifen, da diese zu fetthaltig sind und die Tiere kaum zu mehr Bewegung anregen, wie etwa die Jagd nach Heuschrecken. Gleiches gilt für Zophobas. Einen besonderen Leckerbissen für viele Stachelmäuse stellen Gehäuseschnecken wie die Achatschnecke dar. Diese lassen sich zudem relativ einfach selbst züchten.
Sie können aber auch getrocknete Insekten unter das Körnerfutter geben.

Dass Stachelmäuse zu Verfettung neigen, wurde bereits angesprochen. Diesem Fakt sollten Sie in der Ernährung unbedingt besondere Beachtung schenken, da die Verfettung das Leben der Tiere enorm verkürzen kann.
Sinai-Stachelmäuse sind in der Haustierhaltung fast immer zu dick, da sie zu reichhaltig gefüttert werden. Welche Rolle die freie Verfügbarkeit von Wasser beim Verfetten dieser Stachelmausart spielt, wird derzeit noch diskutiert.

Fortpflanzung

Die Angaben zur Tragzeit von Stachelmäusen variieren von 34 bis 39 Tagen, wobei auch die Regel „wenig Junge – kürzere Tragzeit, mehr Junge – längere Tragzeit“ zur Anwendung kommt.

Junge Sinai-Stachelmaus
Junge Sinai-Stachelmaus

Während der Geburt stehen die männlichen Stachelmäuse Maus an Maus als „Wächter“ vor dem Bau/Nest und verteidigen bei Bedarf den Eingang. Das so geschützte Weibchen kommt wie ein Huftier auf allen Vieren nieder. Dies ist eine große Seltenheit bei Nagern. Bei der Geburt helfen die Weibchen der Sippe als Hebammen. Ist kein weiteres Weibchen vorhanden, übernimmt der Vater die Rolle der Hebamme. Dieser Instinkt macht das Familienleben der Stachelmäuse außergewöhnlich. Es ist aber nur selten zu beobachten, da sich die Gebärende bei der Geburt völlig sicher und ungestört fühlen muss. Die Hebammendienste sind für die werdende Mutter eine große Erleichterung, da Stachelmauskinder bei der Geburt schon sehr groß sind.

Die Jungen kommen meist am Morgen zur Welt und ihre Mutter ist am Abend bereits wieder paarungsbereit. Es werden 1 bis 4 Junge mit einem Geburtsgewicht 6-6,55g (weiblich) bzw. ca. 6,20g (männlich) geboren. Meiner Erfahrung nach sind Zwillingsgeburten am häufigsten. Seltener kommen Einzelkinder oder auch Drillinge vor. Eine Vierlingsgeburt stellt eine große Ausnahme dar.
Die Neugeborenen werden von der eigenen Mutter und anderen Muttertieren von der Keimlingshülle befreit und abgeleckt. Damit regen die erwachsenen Tiere die Atmung und Bewegung der Babys an.
Sinai-Stachelmauskinder kommen als Nestflüchter auf die Welt. Sie haben also schon offene Augen, durchbrochene Schneidezähnen und vollständige Behaarung. Schon wenige Minuten nach der Geburt fangen sie an, durch das Nest zu krabbeln und es auf der Suche nach einer der vier Zitzen der Mutter zu erkunden.
Kinderlose Weibchen versuchen oft, die Welpen zu adoptieren. Manchmal stehlen sie sogar ein Kind und bemuttern es wie ein eigenes. Dieses Verhalten stellt das Überleben verwaister Mäusekinder sicher, da säugende Weibchen auch Kinder fremder, verstorbener Muttertiere annehmen und aufziehen. Das ist für eine Tierart mit so geringer Jungenzahl sehr wichtig.
Nach nur 6 Tagen benötigen die kleinen Stachelmäuse keine Muttermilch mehr zum Überleben. Die Säugezeit beträgt aber normalerweise trotzdem 19 bis 20 Tage.

Die Geschlechtsreife erreicht der Nachwuchs dann mit 2 bis 3 Monaten. In diesem Alter haben die Mäuse dann auch ihren ersten Nachwuchs.
Kleine Sinai-Stachelmäuse tragen ein Jugendfell, welches hellgrau ist und kaum ausgebildete Stacheln besitzt. Einige Wochen nach der Geburt bekommen die Jungen auf dem Rücken einen kreisrunden Fleck. Dieser besteht aus sandfarbenen Borsten und wird im Laufe der Zeit immer größer, bis das Tier sein komplettes Erwachsenenfellkleid ausgebildet hat. Gleichzeitig werden die Stacheln immer ausgeprägter.

Die durchschnittliche Lebenserwartung von Stachelmäusen beträgt 4 Jahre.

Während Goldstachelmäuse und Zwergstachelmäuse als heikel gelten und beispielsweise durch Stress häufiger ihre Jungtiere fressen, ist die Vermehrung von Sinai-Stachelmäusen vergleichsweise unkompliziert. Trotz der geringen Nachkommenzahl kann der Nachwuchs einer Gruppe dem Halter daher schnell über den Kopf wachsen. Aus einer Gruppe von fünf Tieren können innerhalb von 4 oder 5 Monaten 40 und mehr Tiere werden.
Deshalb sollten Sie in einer reinen Liebhaberhaltung nur gleichgeschlechtliche Gruppen oder solche mit Kastraten zu halten. Dies gilt insbesondere für Anfänger in der Stachelmaushaltung, die sich schon von den ersten Würfen schnell überfordert fühlen.
Zudem gibt es Sinai-Stachelmäuse auch immer wieder in der Notfallvermittlung. Hier sind sie oft lange zu Gast, da sie nur schwer ein neues Heim finden. Wer Nachwuchs haben will, sollte sich also schon vor der Anschaffung einer gemischten Gruppe überlegen, was aus den Mäusekindern werden soll, wenn sie niemand haben möchte.

Krankheiten

Sinai-Stachelmaus mit Durchfall
Hoher Rücken, eingefallene Flanken, angelegte Ohren – typisch bei Durchfall

Sinai-Stachelmäuse sind im allgemeinen sehr gesunde und robuste Tiere bei korrekter Haltung und Fütterung. Allerdings tritt bei den Nageren gehäuft ein schwerer Durchfall auf. Dieser ist häufig kaum zu bekämpfen und kehrt auch nach anfänglichen Besserungen durch eine Behandlung oft wieder. Meist versterben die Patienten früher oder später an diesem Durchfall. Leider ist bis heute noch nicht eindeutig geklärt, was genau den Durchfall verursacht. Im Verdacht steht der sogenannte EHEC, der bei einigen Fällen des Stachelmausdurchfalls nachgewiesen werden konnte. Jedoch ließ er sich nicht bei allen Fällen finden.

Bei zu zuckerhaltiger Ernährung neigen die Tiere außerdem zu Diabetes, bei zu sehr kohlenhydrat- und fettreicher Nahrung zu Verfettung mit ihren das Leben der Tiere erheblich verkürzenden Begleiterscheinungen. Vor allem die Fettleibigkeit stellt ein großes Problem dar, da sie von vielen Haltern nicht als solche wahrgenommen und gegengesteuert wird.

Außerdem reagieren Stachelmäuse bei falscher Haltung und/oder falscher Ernährung zu Verhaltensstörungen wie Schwanznagen.

Auch wenn sich diese Erkrankungen relativ selten sind, sollten Sie sich in jedem Fall eine Rücklage für veterinärmedizinische Notfälle schaffen in Höhe von ca. 100 bis 150 Euro.

Vergesellschaftung

Sinai-Stachelmäuse: Zur Vergesellschaftung in der Badewanne
Sinai-Stachelmäuse: Zur Vergesellschaftung in der Badewanne

Die Vergesellschaftung junger, noch nicht komplett umgefärbter Tiere mit Altersgenossen oder Alttieren gestaltet sich in der Regel recht unkompliziert. Die erwachsener Stachelmäuse ist mitunter etwas schwierig. Bei der Vergesellschaftung erwachsener Tiere sollten Sie schon etwas Erfahrung mit anderen Arten gesammelt haben.

Erwachsene Tiere gewöhnen Sie am besten mit der Etappenmethode, in schwierigen Fällen in Kombination mit der Duftmethode aneinander. Wichtig ist dabei, dass Sie in der Etappenmethode die Transportbox nicht zu klein wählen. Alternativ können auch kleine Gitterkäfige verwendet werden. Die Mäusee reagieren sonst mitunter sehr aggressiv aufgrund der Enge. Die gesamte Integration sollten Sie sehr behutsam betreiben. Sie sollte bei Weibchen und Kastraten über etwa 1 Woche, bei Böcken über einen Zeitraum von mindestens 2 bis 3 Wochen gezogen werden. So gehen Sie sicher, dass die Gruppe stabil bleibt. Auch bei der Vergesellschaftung junger Tiere untereinander oder junger Tiere mit erwachsenen Mäusen reicht es in der Regel, wenn Sie die Etappenmethode über eine Woche anwenden.
Eine Alternative für Gruppen aus Weibchen mit oder ohne Kastraten bietet die Großraummethode. Da Sinai-Stachelmäuse aggressiv auf Enge reagieren kann diese Methode vor allem solche Exemplare entspannen, die in kleineren Behältnissen starke Angst zeigen und so den Vergesellschaftungserfolg gefährden.

Es gibt aber vor allem unter Böcken durchaus auch Individuen, die sich gar nicht aneinander gewöhnen lassen. Hier hilft nur eine endgültige Trennung beider Tiere und die Suche nach jeweils neuen Partnern oder die Kastration.

Anschaffung

Sinai-Stachelmäuse gibt es immer wieder in Tierheimen und Notstationen. Eine Nachfrage dort lohnt also in jedem Fall.

Sinai-Stachelmäuse auf einem Flechtkorb
Sinai-Stachelmäuse sind im Tierschutz eher seltene Gäste

In Zoohandlungen wurden diese Tiere eine ganze Weile regelrecht als Ramschware verkauft. Inzwischen sind sie hier eher selten anzutreffen. Vom Kauf im Laden sollten Sie aber ohnehin Abstand nehmen. Das Risiko, kranke, mit Parasiten behaftete, schwangere oder zu junge Tiere oder schlicht das falsche Geschlecht zu erwerben, ist sehr groß.

Am ehesten werden Sie auf der Suche nach der Sinai-Stachelmaus bei einem seriösen Züchter fündig und gut beraten werden. Aber auch auf Messen werden verschiedene Stachelmausarten öfter angeboten. Schauen Sie sich die Tiere hier besonders genau an. Schwarze Schafe verkaufen dort gern ihre Mäuse, die dann nicht immer einwandfrei sind.

Für die Erstausstattung müssen Sie je nach gewünschter Gehegelösung für das Gehege selber, Einstreu, Inventar, Futter und Transportbox ca. 200 bis 400 Euro rechnen.
Im Unterhalt sind die Sinai-Stachelmäuse dann mit 30 bis 40 Euro für eine kleine Gruppe pro Monat nicht teurer als andere Kleinsäuger.

Artengesellschaft

Bitte bedenken Sie in jedem Fall: Artengesellschaften gehören immer in Hände erfahrener Halter und benötigen deutlich mehr Platz als die artreine Haltung!
Für eine Artengesellschaft sind Stachelmäuse durch ihr neugieriges, meist offenes Wesen recht gut geeignet. Da sich aber nicht jedes Exemplar mit anderen Arten verträgt, sollten Sie diese Tiere niemals für eine Artengesellschaft anschaffen, wenn Sie bei Nichtvertragen nicht auch die Möglichkeit haben, beide Arten getrennt zu halten.

Sie sollten beide Arten, die Sie vergesellen möchten, schon als artreine Gruppe längere Zeit gehalten haben und ausreichend über die Bedürfnisse und Eigenheiten beider Arten informiert sein. So vermeiden Sie Artenkombinationen, unter denen einige Bedürfnisse der Tiere leiden würden.

Eine Artengesellschaft mit Stachelmäusen ist nur mit Nagern denkbar, die mit der geringen Energiemenge des Stachelmausfutters auch gut ernährt werden können. Das gilt für die beliebte Kombination von Farbmäusen und Sinai-Stachelmäusen NICHT! Farbmäuse brauchen erheblich mehr Energie, als die sparsamen Wüsten- und Steppenbewohner. Problematisch sind mitunter auch Artengesellschaften zwischen verschiedenen Stachelmausarten. Hier ist im Vorfeld eine gründliche Recherche nötig. Einige Arten verdrängen einander in freier Wildbahn und sollten daher auch als Haustiere nicht zusammen wohnen. Außerdem sollten Sie bedenken, dass sich die einzelnen Stachelmausarten miteinander fortpflanzen können. Das Gehege sollte je nach Gruppengröße und zweiter Art eine Gesamtgrundfläche (Etagen eingerechnet) von mindestens 2 bis 4 qm haben. Können Sie diese Grundbedingungen nicht sicherstellen, sollten Sie von einer Artengesellschaft absehen!

Weitere Informationen

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Quellen:
heimtiere-online.de
Terraristik-Leipzig.de
rodent-info.net
Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder, (Hrsg.): Mammal species of the world Vol. 2, 3. Auflage, The Johns Hopkins University Press, Baltimore, 2005