Schilfwühlmaus

Schilfwühlmäuse im NaturgehegeÜberblick

Herkunft: feuchte Habitate mit stehenden Gewässern im Südosten Sibiriens, der Mongolei und Mandschurei, Korea und im östlichen China
Sozialverhalten: kleine bis mittelgroße Gruppen
Aktivitätszeit: tagaktiv
Minimale Gehegegröße: 150 x 50 x 50 cm für 4 bis 6 Wühlmäuse
Handling: meist recht gut händelbar, nicht bissig
Ernährung: viel Frischfutter, ergänzend eine Saaten- und Getreidemischung
Größe und Gewicht: 12 – 14 cm + 2,9 – 3,5 cm, 25 – 60g
Geschlechtsreife: ab 4 – 6 Wochen
Tragzeit: ca. 23 Tage
Besonderheiten: Schilfwühlmäuse sind sehr neugierig und auch in großen Naturgehegen gut zu beobachten.

Systematik und Biologie

Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Überfamilie: Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
Unterfamilie: Arvicolinae
Gattung: Microtus
Art: Schilfwühlmaus (Microtus fortis)

5 Unterarten:

M. f. calamorum Unterer Yangtze
M. f. dolichocephalus Mandschurei
M. f. michnoi Transbaikal
M. f. pelliceus Ussuri
M. f. uliginosus Zentral-Korea

Wildtier Schilfwühlmaus

Schilfwühlmäuse leben in mehreren Unterarten im Südosten Sibiriens, der Mongolei und Mandschurei, Korea und im östlichen China. Dort bewohnen sie bevorzugt feuchte Habitate mit stehenden Gewässern. Daher können diese Nager auch hervorragend schwimmen und tauchen und zeichnen sich durch eine Affinität zum Wasser aus.
Ihren Bau legen Schilfwühlmäuse als unterirdisches, verzweigtes Gangsystem an, dessen Löcher überirdisch oft durch feste Wege verbunden sind.
In ihrem natürlichen Lebensraum ernähren sich diese Wühlmäuse von Gras, Schilf und verschiedenen Wurzeln. Saaten und Insekten ergänzen ihren Speiseplan.
Von hygienischer Bedeutung für den Menschen sind Schilfwühlmäuse unter anderem als Träger des Hanta-Virus.

Schilfwühlmaus auf Erde mit Ulmenblättern
Das Fell der Schilfwühlmaus hat die perfekte Tarnfarbe auf nasser Erde

Anatomie und Erscheinung

Die in Haustierhaltung tagaktiven Wühlmäuse werden mit einer Kopf-Rumpflänge von 12 bis 14cm und einer Schwanzlänge von 2,5 bis 3,9cm recht groß. Mit einem durchschnittlichen Gewicht von 25 bis 60g sind sie jedoch vergleichsweise leicht.
Das Fell ist sehr dicht und erdbraun bis leicht olivfarben. Darin verschwinden die recht kleinen Ohren regelrecht.

Schilfwühlmäuse als Haustiere

Eignung

Schilfwühlmäuse sind hochsoziale Tiere, die niemals einzeln gehalten werden dürfen! Da sie tagaktiv, eher neugierig, zahm und im Gehege gut zu sehen sind, eignen sie sich für Halter, die einer Gruppe den nötigen Platz bieten können, tagsüber zu Hause sind und Freude am Beobachten der Tiere haben.
Angefaßt und gestreichelt werden wollen diese Nager jedoch nicht, obwohl zahme Exemplare auch gern einmal neugierig auf die Hand des Halters klettern.
Aufgrund ihrer auf Frischfutter basierenden Ernährung eignen sie sich nicht für Halter, die die Tiere ab und zu tageweise allein lassen müssen.
Für Kinder sind diese lebhaften Nager nicht geeignet!

Handhabung

Da Schilfwühlmäuse in der Regel recht zahm sind, können Sie sie zu Hause einfach mit der Hand von einem Gehege in ein anderes oder eine Transportbox setzen. Scheuere Exemplare fangen Sie besser mit einer kleinen Transportbox, um unnötigen Stress zu vermeiden. Verwenden Sie bei bissigen Exemplaren stabile Lederhandschuhe.

Schilfwühlmaus schläft auf dem T-Shirt
So zahm wird nicht jede Schilfwühlmaus: Mein Pete schläft auf dem Bauch ins T-Shirt gekuschelt

Zahme Tiere können Sie für die Geschlechtsbestimmung einfach in die geschlossene Hand nehmen. Vermeiden Sie es dabei, die Maus auf den Rücken zu drehen, da sie dann stark zappelt. Halten Sie sie einfach so hoch, dass Sie unter den Po schauen können.
Sie können das betreffende Tier auch in eine Box oder Schüssel mit durchsichtigem Boden zu setzen und von unten zu betrachten.

Beim Tierarzt richtet sich das Handling nach der Zahmheit und der notwendigen Untersuchung, sodass sie aus den oben beschriebenen Methoden jeweils die passende wählen sollten. Einen Nacken- oder Nacken-Rückengriff sollten Sie nur dann anwenden, wenn die Fixierung einer Maus unbedingt notwendig ist. Wie die meisten Wühlmäuse sind auch Schilfwühler eher stressempfindlich und können im schlimmsten Fall mit einem Kollaps reagieren.

Entflohene Exemplare lassen sich recht gut mit der Hand wieder einfangen. Für scheuere Tiere empfiehlt sich eine Gitterfalle, da die handelsüblichen Trip Trap Plastikfallen zu klein für erwachsene Schilfwühlmäuse sind. Auch mit einer Transportbox und etwas Geduld sind die neugierigen Gesellen recht schnell wieder eingefangen.

Sozialstruktur und Verhalten

Gruppe Schilfwühlmäuse
Schilfwühlmäuse brauchen unbedingt mehrere Artgenossen

Schilfwühlmäuse sind sehr aufgeweckte, neugierige und intelligente Tiere, die unbedingt die Gruppe brauchen, um sich als Haustier wohl zu fühlen.
In freier Natur leben nur die Weibchen als Gruppen mit ihren Jungtieren zusammen. Geschlechtsreife Männchen schließen sich nur im Winter einer Gruppe an. Als Haustiere lassen sie sich jedoch auch in reinen Männchengruppen zusammenhalten. Am besten eignen sich dafür Tiere, die sich zuvor noch nie mit einem Weibchen gepaart haben. Bei Reibereien in Männchengruppen sollten Sie eine Kastration des Aggressors in Betracht ziehen. Über das Ausmaß des Effektes einer Kastration liegen aufgrund der wenigen Individuen in Deutschland jedoch noch keine eindeutigen Erkenntnisse vor.

Ist die Gruppe stabil, ist es egal, ob Sie sich für eine Weibchen- oder Männchengruppe entscheiden. Lediglich die Vergesellschaftung gestaltet sich bei männlichen Schilfwühlern meist etwas schwieriger.
Aufgrund ihrer sozialen Ader eignen sich vor allem Weibchen auch für die Haltung in größeren Gruppen. Bei männlichen Mäusen sollten die Gruppen jedoch nicht zu groß (4 bis 8 Tiere) werden.

Haltung

Als Gehege eignen sich am besten Aquarien oder in der Bauart ähnliche, wasserfeste (!) Eigenbauten ab 150×50 cm Grundfläche für 4 bis 6 Tiere.

Naturgehege für Schilfwühlmäuse
Naturgehege für Schilfwühlmäuse

Da Schilfwühlmäuse gern im Wasser baden und Holzstreu oder ähnliches schnell schimmeln würde, verwenden Sie am besten Erde und/oder Kokoshumus als Untergrund. Diese nehmen die Feuchtigkeit gut auf und haben zudem noch den Vorteil, dass Sie das Gehege bepflanzen können. Soweit die Tiere dies nicht selbst besorgen, können Sie die Erde auch mit einem Blumensprüher vor dem Austrocknen bewahren. So halten auch die Gänge der starken Wühler sehr gut.
Bieten Sie den Wühlmäusen einen mindestens 30 cm hohen Untergrund an, in den sie sich mit Elan eingraben und ihr Gangsystem anlegen können.

Achten Sie auch bei der Einrichtung auf die Feuchtigkeit im Gehege und verwenden Sie für Häuschen und Co. Gegenstände aus Keramik, gebranntem Ton und ähnlichen Materialien. Auch Kork ist sehr schimmelresistent. Möchten Sie den Tieren Äste und Wurzeln anbieten, so sollten diese im Idealfall von Gehölzen stammen, die an eher feuchten Orten wachsen wie etwa Weiden oder Erlen, da diese nicht so leicht Schimmel ansetzen.
Versuche, das Gehege zu bepflanzen, etwa mit Moos und Grasbüscheln oder auch darin eine Wiese anzusäen, sind meist nur temporär von Erfolg gekrönt. Die Mäuse verspeisen ihre lebende Dekoration mit Genuss – mitunter samt Wurzeln. Nur in sehr großen Gehegen mit mehreren Quadratmetern und einem geringen Tierbesatz haben Pflanzen eine realistische Chance, länger zu überleben.
Ebenfalls ins Gehege einbringen können Sie die verschiedensten einheimischen Asseln. Zum einen dienen sie den Wühlmäusen als Eiweißquelle. Zum anderen helfen sie, das Gehege sauber zu halten.
Ebenfalls unabdingbar für Schilfwühlmäuse ist eine Badeschale mit Wasser. Andernfalls nutzen sie gern auch ihren Trinknapf zu diesem Zweck und verwandeln ihn mit Leidenschaft in einen Sumpf.

Bieten Sie daher das Trinkwasser in einer Wasserflasche an. Das Futter müssen Sie nicht in einer Schüssel anbieten. Sie können es auch lose im Gehege verteilen.

Ernährung

Schilfwühlmäuse mit Möhre
Möhren und anderes Wurzelgemüse stehen bei Schilfwühlmäusen hoch im Kurs

Die Basis der Ernährung für Schilfwühlmäuse bilden Gemüse und sonstiges Frischfutter aus dem Garten oder vom Balkon. Eine besondere Vorliebe haben sie dabei für Wurzelgemüse wie Möhren, Steckrüben, Schwarzwurzeln und ähnliches. Das können Sie einfach in die Erde stecken, sodass es nur ein kleines Stück herausschaut. Die Mäuse graben es mit Leidenschaft wieder aus und fressen es.
Säen Sie Hirse oder andere Saaten im Gehege an, so tun sich Schilfwühlmäuse sehr gern an den Keimlingen und jungen Pflanzen gütlich. Eine Wiese kann also in der Regel nicht anwachsen.
Obst sollten Sie eher selten und nur in begrenzten Mengen anbieten. Greifen Sie dabei vor allem auf Früchte aus den gemäßigten Breiten zurück. Das kommt ihrer natürlichen Diät am nächsten.

Eine abwechslungsreiche Trockenfuttermischung sollte die Frischfutterbasis ergänzen.

Essentiell ist ebenfalls tierisches Eiweiß in der Wühlmausernährung. Es kann beispielsweise aus getrockneten Seidenraupen, klassischen Futterinsekten oder auch Asseln bestehen.

Eine Quelle für frisches Wasser ist für diese Mäuse sehr wichtig. Da sie in der Natur am Wasser leben, haben sie es dort immer zur Verfügung und haushalten damit nicht wie das etwa Wüstentiere tun. Daher trinken sie vergleichsweise viel. Ein Wassermangel kann daher schnell zu gesundheitlichen Problemen führen.

Fortpflanzung

Junge Schilfwühlmäuse
Junge Schilfwühlmäuse

Die Paarung der Tiere zieht sich meist über mehrere Tage hin und ist von lautstarkem Gepiepse begleitet. Danach bringt die Schilfwühlmäusin nach einer Tragzeit von etwa 23 Tagen durchschnittlich 5 bis 6 Junge zur Welt, die nach 3 Wochen langsam selbständig und mit 4 bis 6 Wochen geschlechtsreif werden. Vor der 5. Lebenswoche sollten Sie die Jungen aber nicht abgeben.

Schilfwühlerinnen sind hingebungsvolle Mütter. Sie bewachen und beschützen ihren Nachwuchs mit Leib und Seele. Die ersten Erkundungsgänge der Jungen außerhalb des Nestes enden schnell, wenn Mutter es merkt und die Protest schreienden Kleinen wieder zurück trägt. Dieser Trieb ist so stark, dass die Übermama manchmal sogar versucht, (fast) erwachsene Gruppenmitglieder wegzutragen. Auch wenn die Jungtiere schon 4 Wochen und älter sind, bremst dies ihre Mutter nicht wirklich.

Schilfwühlmäuse werden im Durchschnitt 2 Jahre alt.

Krankheiten

Schilfwühlmäuse sind bei korrekter Pflege eher selten krank, sodass sich keine typischen Erkrankungen benennen lassen. Bei Wassermangel entwickeln sie jedoch aufgrund ihres Flüssigkeitsbedarfs schneller Symptome als Tiere aus trockeneren Lebensräumen. Ein solches Tier muss sofort (!) einem Tierarzt vorgestellt werden!
Auch wenn Schilfwühlmäuse bei richtiger Haltung und Fütterung eher selten krank werden, sollten Sie sich eine finanzielle Rücklage für veterinärmedizinische Notfälle von etwa 100 Euro schaffen.

Vergesellschaftung

Die Vergesellschaftung kann bei Schilfwühlmäuserichen schwierig bis unmöglich werden, wenn diese Tiere sich bereits einmal mit Weibchen gepaart haben.

Nicht angepaarte Männchen und Weibchen sollten auf neutralem Boden auf einer möglichst großen Fläche, etwa der Badewanne, zusammengesetzt werden. Danach folgen Sie am besten der Etappenmethode unter Auslassung der Stufe mit der Transportbox.
Besonders bei Männchen empfiehlt es sich, erwachsenen Tieren, die als dominant und/oder aggressiv bekannt sind, junge Böckchen dazu zu vergesellschaften. Hier sind die Erfolgsaussichten höher als mit erwachsenen Tieren.
Ob eine Kastration Abhilfe bei Aggressivität schaffen kann, ist bisher nicht ausreichend erprobt, um verlässliche Aussagen zu treffen. Erste Versuche waren jedoch vielversprechend.

Anschaffung

Schilfwühlmaus schaut aus dem Haus
Stellen Sie sich bei Schilfwühlmäusen auf eine längere Suche ein

Wenn Sie nach der Lektüre dieses Steckbriefes zu dem Ergebnis gelangt sind, dass Schilfwühlmäuse für Sie die richtigen Hausgenossen sind, beginnt die Suche nach den passenden Tieren. Diese kann sich aufgrund der Seltenheit dieser Nager als Heimtiere schwierig und langwierig gestalten.
In Tierheimen und Nothilfen sind diese Tiere nicht zu finden. Am ehesten werden Sie bei Schulzoos, Zoos oder seriösen Züchtern Glück haben. Vergewissern Sie sich bei Züchtern immer über die Zucht- und Haltungsbedingungen.
Eventuell tauchen diese Nager in Zoohandlungen oder auf Börsen auf. Verzichten Sie hier besser auf einen Kauf. Die Gefahr, kranke oder schwangere Tiere zu bekommen oder das falsche Geschlecht, ist nicht auszuschließen.

Je nachdem, welche Gehegelösung und welche Einrichtung Sie wählen, sollten Sie für eine Erstausstattung für Schilfwühlmäuse (Gehege, Untergrund, Inventar, Transportbox) etwa 300 bis 400 Euro veranschlagen.
Der monatliche Unterhalt für Untergrund, Feucht-, Trocken- und Eiweißfutter liegt je nach Gruppengröße bei etwa 30 bis 50 Euro im Monat.

Artengesellschaft

Über eine Artengesellschaft liegen derzeit nicht genügend Erkenntnisse vor, um eine Empfehlung zu geben. Erste Versuche haben sich jedoch als sehr schwierig erwiesen.
Verzichten Sie daher, Schilfwühlmäuse in einer Artengesellschaft zu halten!

Weitere Informationen

Sie haben noch Fragen, die dieser Steckbrief noch nicht beantwortet hat? Dann können Sie diese ganz einfach in unserem Forum stellen!

 

Quellen:
Rodent-Info
Funet.fi