Kleine Wüstenspringmaus

 Kleine Wüstenspringmaus frisst Trockenmöhre

Überblick

Herkunft: nördliches Afrika von Marokko, Senegal bis Süd-West-Iran und Somalia in Küsten-, Sand-, Salz- und Felswüsten, Halbwüsten, Savannen und Ausläufern von Gebirgen
Sozialverhalten: Paar oder Kleingruppe
Aktivitätszeit: dämmerungs- und nachtaktiv
Minimale Gehegegröße: 10qm oder Wohnungshaltung
Handling: meist recht scheue Tiere; die langenm kräftigen Beine können ein Problem werden
Ernährung: Saaten und Getreide, Gräser und Kräuter, Gemüse, wenig Obst, Insekten
Größe und Gewicht: 9 – 14cm + 13 – 18cm, ca. 55g
Geschlechtsreife: 8 – 12 Monate
Tragzeit: 25 – 30 Tage
Besonderheiten: Die intelligenten Tiere sind anfangs sehr schüchtern, tauenn aber auf, wenn Sie Ihnen nicht zu sehr auf den Pelz rücken.

Systematik und BiologieAmpelmaus rot - schwierige Art

Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Familie: Springmäuse (Dipodidae)
Unterfamilie: Wüstenspringmäuse (Dipodinae)
Gattung: Jaculus
Art: Kleine Wüstenspringmaus (Jaculus jaculus)

4 Arten

Kleine Wüstenspringmaus (Jaculus jaculus) Nordafrika, Sahelzone, Westasien ostwärts bis Iran
Blanford-Springmaus (Jaculus blanfordi) Iran, Afghanistan, Pakistan
Große Wüstenspringmaus (Jaculus orientalis) Nordafrika, Palästina
Turkmenische Springmaus (Jaculus turkmenicus) Turkmenistan, Usbekistan
 

Wildtier Kleine Wüstenspringmaus

Kleine Wüstenspringmäuse kommen im nördlichen Afrika von Marokko, Senegal bis Süd-West-Iran und Somalia vor. Dort bewohnen sie Küsten-, Sand-, Salz- und Felswüsten, Halbwüsten, Savannen, aber auch Ausläufer von Gebirgen.

Im harten Boden ihres Lebensraumes legen die Wüstenspringmäuse ein weit verzweigtes Gangsystem an, das bis zu zwei Meter tief in den Boden reicht. Die Ausgänge dieser Bauten verschließen sie in den heißen Sommermonaten tagsüber mit Sand und Pflanzenteilen, um den Bau vor der Austrocknung zu bewahren und sich vor Fressfeinden zu schützen. Während der kühleren Wintermonate bleiben die Ausgänge offen.
Den Tag verschlafen die streng nachtaktiven Tiere in ihrer mit Kamelhaaren, Schafwolle und Pflanzenteilen gepolsterten Schlafkammer, die gleichzeitig auch als Nestkammer dient. Von dieser führen zwei bis drei Fluchtgänge direkt nach draußen. Es gab lange eine Diskussion, ob Kleine Wüstenspringmäuse in ihren Bauen Winterschlaf halten. Neuere Quellen sprechen eindeutig dafür.

Wenn sich die Nager auf Nahrungssuche begeben, laufen sie mitunter 10 km und mehr in einer einzigen Nacht. Dabei sammeln sie Samen, Pflanzenteile, Körner, Früchte, Wurzeln und Insekten. Das notwendige Wasser nehmen sie meist mit der Nahrung auf.
Kleine Wüstenspringmäuse haben in ihrer natürlichen Umgebung viele Feinde. Dazu gehören Fenneks, Eulen, Schlangen und andere kleine Räuber. Auf der Flucht vor diesen Bedrohungen können die Tiere eine enorme Geschwindigkeit entwickeln. Fühlt sich eine Wüstenspringmaus bedroht, kann man allerdings auch beobachten, dass sie mit den Vorderpfoten Sand in das Gesicht des Gegners schleudert.

Anatomie und Erscheinung

Kleine Wüstenspringmaus
Kleine Wüstenspringmaus

Die Kleine Wüstenspringmaus ist mit einer Körperlänge von 9 bis 14cm, einer Schwanzlänge von 13 bis 18cm und einem Gewicht von etwa 55g ein mittelgroßer Vertreter ihrer Gattung. Die Hinterbeine, deren Füße je drei Zehen tragen, werden mehr als 10 cm lang und erlauben den Tieren Sprünge aus dem Stand von bis zu 1 m Höhe und 2 bis 3 m Weite. Auf sandigen Böden sorgt ein Büschel weißer Haare unter den Füßen dafür, dass die Tiere nicht zu sehr einsinken. Auf festem Boden bewirken die scharfen, langen Krallen der Hinterfüße optimalen Bodenkontakt, da sie ähnlich wie Spikes wirken. Die vergleichsweise winzigen Vorderbeine tragen starke Krallen, mit denen die Tiere gut wühlen können.
Am rundlichen Kopf sitzen große Ohren. Die großen Augen weisen die Nager als nachtaktiv aus.
Das Fell der Mäuse ist auf der Oberseite blassgelb bis beigebraun, auf der Unterseite hell cremefarben bis weiß. An den seitlichen Oberschenkeln tragen sie einen mehr oder minder deutlichen, weißlichen Streifen. Auffallend ist der Büschel schwarzweißer Haare am Ende des sonst nur sehr spärlich behaarten Schwanzes.

Die Kleine Wüstenspringmaus als Haustier

Eignung

Kleine Wüstenspringmäuse versprühen durch ihr starkes Kindchenschema viel Charme. Vergessen Sie darüber nicht, dass es sich um recht sensible, anspruchsvolle Nager handelt, die enorm viel Platz brauchen und in der Regel nicht gern angefasst werden wollen. Zudem müssen Sie sich als Halter mit der recht strengen Nachtaktivität der Mäuse arrangieren können.
Mit diesen Tieren holen Sie sich Mitbewohner ins Haus, die Ihre Wohnung unter Umständen ziemlich umkrempeln können, da Sie diese Tiere nicht einfach in ein Gehege einsperren können. Die Platzansprüche der possierlichen Nager sollten Sie auf keinen Fall unterschätzen!
Damit qualifizieren sich Kleine Wüstenspringmäuse lediglich als Hausgenossen für echte Liebhaber und erfahrene Exotenhalter.
Für Kinder sind die sensiblen, nachtaktiven Geschöpfe als Haustiere völlig ungeeignet!

Handhabung

Kleine Wüstenspringmaus in der Hand
Mit diesem Griff kann die Springmaus weder Sie noch sich selbst verletzen

Die Handhabung hängt stark von der Zahmheit der Tiere ab. Ruhige, ausgeglichene Tiere können Sie einfach in die Hand nehmen, um sie umzusetzen oder das Geschlecht zu bestimmen. Lassen Sie dabei die langen Hinterbeine zwischen Fingern herausschauen, sodass die Springmäuse ins Leere strampeln, wenn sie zappeln. Das vermindert das Verletzungsrisiko für die Tiere erheblich.
Achten Sie darauf, dass die Nager dabei nicht zu weit mit den Füßen in Richtung Kopf kommen, da sie sich mit ihren scharfen Krallen sonst ernsthaft selbst verletzen können. Die Krallen sind so scharf, dass sie auch menschliche Haut mitunter durchtrennen können.
Scheue Tiere sollten Sie nach Möglichkeit niemals anfassen. Lässt es sich nicht vermeiden und Sie können die Tiere nicht mit der Hand fangen, verwenden Sie am besten ein Handtuch, das sie auf das betreffende Tier werfen und das Tier so mitsamt Handtuch greifen können. Achten Sie hier sorgfältig darauf, dass sich die Maus nicht im Stoff verfängt. Das erhöht das Verletzungsrisiko für die dünnen Beine enorm. Frotteehandtücher sind daher für diesen Zweck ungeeignet.
Wickeln Sie das Tier fest in das Handtuch und legen Sie nur die zu betrachtende Stelle – bei der Geschlechtsbestimmung die Afterregion – frei. Wenn Sie die Augen der Springmaus bedecken, wird diese etwas ruhiger.
Geht es nur um das Umsetzen der Tiere, können Sie sie auch einfach mitsamt Häuschen von einem Gehege ins andere verfrachten.

Beim Tierarzt handhaben Sie zahme Tiere wie zu Hause. Scheue Mäuse sollten Sie ein einer nicht allzu großen Box zum Arzt transportieren. Wenn die Nager an den Deckel stoßen, wenn sie sich aufrichten, ist die Gefahr wesentlich kleiner, dass sie mit Kraft dagegen springen und sich schwer verletzen können. Müssen sehr scheue Exemplare vom Tierarzt untersucht werden, empfiehlt sich eine leichte Gasnarkose. So kann die Untersuchung besser und schneller ablaufen. Außerdem sinkt die Gefahr, dass die Springmaus bei der Untersuchung flüchtet oder verletzt wird.

Entflohene Tiere können Sie einfach wieder einsammeln, wenn sie zahm sind. Scheue Nager fangen Sie am besten mit einem dünnwandigen, möglichst großen Karton. Der gibt im Gegensatz zu einer Faunabox etwas nach, wenn die Tiere dagegen springen. Zudem sehen die Tiere die Wände im Gegensatz zur durchsichtigen Faunabox. Das Fangen mit dem Karton minimiert also wieder das Verletzungsrisiko für die Tiere.
Zur Handhabung von Kleinen Wüstenspringmäusen benötigen Sie allerdings keine Lederhandschuhe. Diese Nager beißen nur äußerst selten. Auch bei schmerzhaften, notwendigen Behandlungen sind die Tiere dem Halter gegenüber kein bisschen aggressiv.

Für alle Situationen gilt: Gehen Sie ruhig vor. Vermeiden Sie schnelle und hektische Bewegungen. Wenn Sie es langsam angehen, lassen sich auch scheue Tiere deutlich besser handhaben!

Sozialstruktur und Verhalten

2 Kleine Wüstenspringmäuse
Kleine Wüstenspringmäuse mögen als Haustiere gern Artgenossen haben

Diese streng nachtaktiven Nager leben in freier Natur oft solitär, also als Einzelgänger. In Menschenobhut bilden sie aber auch friedlich zusammenlebende Gruppen. Da die Mäuse als Haustiere nicht wie in freier Wildbahn regelmäßig Artgenossen begegnen können, sollten Sie immer mindestens zwei Tiere halten. Wenn Sie eine Gruppe halten möchten, erkundigen Sie sich unbedingt beim vorherigen Halter, wie harmonisch die Tiere miteinander gelebt haben.
In Gehegehaltung können je nach Gehegegröße Aggressionen auftreten. Sind die Mäuse sonst eher harmonisch gewesen und waren sie beim Vorbesitzer eher verträglich, kann mehr Raum die Konflikte schnell lösen.

Interessant ist die Schlafposition der Wüstenspringmäuse. Entweder schlafen sie auf der Seiten liegend und drehen den Kopf leicht ein oder sie sitzen dabei auf ihren Hinterbeinen, den Kopf zur Brust hin eingedreht.

Die Tiere sind hochintelligent, langweilen sich schnell und wollen beschäftigt werden. Egal, ob Sie Ihre Springmäuse in einem Gehege oder frei in einem Zimmer halten, Sie sollten ihnen permanent neues Spielzeug anbieten. Dabei sind Ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt. Ich lasse den Nagern öfter etwas im Zimmer stehen, das sie untersuchen, beklettern und zernagen können oder worin sich Futter versteckt. Dazu gehören: alte Naturfaserteppiche, volle Altpapierkartons, Weinsteine mit verstecktem Futter, Inventar aus anderen Gehegen, das ausgiebig untersucht und beschnuppert wird, Foodbälle, Rispensträuße und ähnliches.
Im Gegensatz zur Großen Wüstenspringmaus konnte ich aber eher selten beobachten, dass die Kleinen Springmäuse etwas gezielt zernagten.

Haltung

Kleine Wüstenspringmaus im Gehege
Kleine Wüstenspringmaus im Gehege

Einige Quellen empfehlen für die Haltung von Kleinen Wüstenspringmäusen Aquarien ab einer Größe von 150 cm. Ich habe aber schnell feststellen müssen, dass selbst mein Gehege von 300x70cm Grundfläche noch zu klein für die sehr agilen, neugierigen Tiere ist. Meine Springmäuse leben daher freilaufend in der Wohnung. Mehr darüber finden Sie im Exkurs zur Wohnungshaltung.
Möchten Sie Springmäuse lieber im Gehege halten, sollten Sie von einem Mindestmaß von 300x300cm für zwei bis vier Tiere ausgehen. Deutlich besser und geeigneter wäre jedoch ein ganzes Zimmer für die bewegungsfreudigen Nager.
Aquarien sind keine optimale Haltungsalternative. Manche Halter berichten von panikartigem Umherspringen, wenn sie im Becken hantieren. Die scheuen Nager versuchen mit großen Sprüngen zu fliehen, wenn sie sich erschrecken oder der Halter nach ihnen greift. Dabei tendieren sie dazu, ungebremst gegen die Aquarienscheibe zu laufen. Das kann schwere bis tödliche Verletzung nach sich ziehen. Ein Experiment zeigte bei mir ein ähnliches Problem, da die Tiere die Glasscheiben nicht sehen. Diese Gefahr besteht bei Haltung im Wohnungsfreilauf nicht. Auch wenn die Springmäuse hier je nach Strecke enorme Geschwindigkeiten entwickeln, gab es bei mir nie derartige Verletzungen.
Bauen Sie Ihr Gehege also ganz oder teilweise aus Glas, sollten Sie die Scheiben so mit Inventar versehen, dass die Wüstenspringmäuse noch vor der Scheibe abgebremst werden. Ein Stein, ein Häuschen oder ähnliches erfüllen diesen Zweck sehr gut. Damit die Tiere im Gehege gar nicht zu viel Tempo kriegen können, sollten Sie die Einrichtung so verteilen, dass die Tiere Slalom laufen müssen. Aus einer geraden Strecke machen die flinken Läufer schnell eine Sprintstrecke.

Als Einstreu empfiehlt sich in jedem Fall Sand. Mindestens einen Teil des Geheges sollten Sie mit Attapulgit oder Sepiolith auslegen oder den Quarzsand mit Talkum oder Urgesteinsmehl versetzen, sodass die Nager darin ihre Fellpflege betreiben können. Bekommen Springmäuse keinen geeigneten Sand, verfettet das Fell stark und die Tiere erkälten sich schnell. Den Rest des Geheges können Sie beispielsweise mit durchgesiebtem Flusssand oder Strandsand, aber auch mit Kleintierstreu oder Erde auffüllen.
Ebenfalls sehr gern angenommen wird eine nach oben offene Kiste, die mit Erde oder einem Erde-Humus-Gemisch gefüllt wird. Diese Kiste darf gern bis 10 cm unter den Rand gefüllt werden und 50 cm und höher sein.

Obwohl Kleine Wüstenspringmäuse von Natur aus eher solitäre Tiere sind, schlafen meine Mäuse meist zusammen in einem Unterschlupf. Trotzdem sollten Sie mindestens einen Unterschlupf pro Exemplar anbieten. Andernfalls streiten die Nager eventuell um das Häuschen. Als Einrichtung für das Gehege eignen sich größere Wurzeln, Stammteile und Äste sowie Weinsteine, Tontöpfe oder größere Holzhäuschen für Nager.
Als Nistmaterial können Sie beispielsweise Heu anbieten, aber auch Zellstoff wird gern angenommen. Manche Tiere freuen sich auch über Kokosfasern, Schafwolle oder Hundehaare. Auch Kleidung aus Naturfasern wird mit Leidenschaft zerlegt. Wenn Sie die Möglichkeit haben, können Sie aber auch in einem Zoo, der Kamele hält fragen, ob Sie etwas Kamelhaar für Ihre Tiere bekommen können.

Kleine Wüstenspringmäuse genießen gern ein Rotlicht oder eine andere Wärmequelle, mit der Sie am besten gezielt eine Sandfläche oder einen Stein bestrahlen. Dafür eignen sich alternativ auch ein Keramikstrahler oder eine Heat Lamp mit Tageslichtspektrum. Besonders im Übergang vom Sommer zum Herbst und auch im Winter, wenn es kühler wird, empfiehlt sich eine solche Wärmequelle, da sich die Tiere sonst eventuell durch die ungewohnt niedrigen Temperaturen erkälten. Alternativ können Sie den Mäusen auch Heizsteine oder Wärmeplatten anbieten. Auf diesen halten sich die Springmäuse ebenfalls besonders bei kühleren Raumtemperaturen gern auf.

Ernährung

Kleine Wüstenspringmaus frisst Ulme
Mit etwas Geduld begeistern sich Kleine Wüstenspringmäuse auch für Grünes

Die Ernährung Ihrer Kleinen Wüstenspringmäuse sollte sich an der natürlichen Nahrung orientieren, die vor allem aus viel frischem Grün, Wurzeln, Saaten und Getreiden besteht.
Hier allerdings haben die Mäuse Frischfutter als Hauptmahlzeit verschmäht. Als trockenes Basisfutter gibt es hier daher einen Mix aus Exoten- und Wellensittichfutter, dem Sie nach Belieben Grassamen und verschiedenste Mischungen von Wild- und Unkrautsamen beifügen können. Der Versuch, Löwenzahn- und Petersilienwurzeln zu verfüttern, ist bei mir bis jetzt aber gescheitert. Auch Leckerli wie Kürbiskerne stießen nur auf mäßiges Interesse. Beliebt sind bei meinen Gruppen dagegen getrocknete Möhrenstücken.
Neben dem losen Saatenmix können Sie den Springmäusen auch Hirsekolben und –rispen, Darikolben sowie Getreideähren anbieten. Auch gern genommen werden Fruchtstände von Gräsern, die Sie im Sommer auf fast jeder Wiese finden. Dieses Futter hat zudem den Vorteil, dass die Springmäuse länger mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt sind.

Obst und Gemüse werden in frischen Zustand meist verschmäht. Sie können es aber trotzdem immer wieder anbieten. Manche Tiere entdecken erst nach einiger Zeit ihre Leidenschaft für ein bestimmtes Obst oder Gemüse. Achten Sie jedoch darauf, dass Sie Obst nur selten anbieten, da Springmäuse nicht zu süß gefüttert werden sollten.
So mäkelig viele Kleine Wüstenspringmäuse mit frischem Gemüse sind, so begeistert sind sie bei getrocknetem. Vor allem getrocknete Möhrenscheiben stehen bei den Kleinen hoch im Kurs.

Auch bei Eiweißfutter dauert es oft lange, bis die Mäuse überhaupt etwas annehmen. Und selbst dann fressen sie nur sehr wenig davon.

Ebenfalls anbieten können Sie einen Nagerstein oder eine Sepiaschale. Achten Sie hier darauf, dass die Tiere nicht zu viel davon fressen. Nehmen Sie den Stein notfalls für einige Zeit aus dem Gehege.

Die Saaten bieten Sie den Tieren am besten in einer Schüssel an. Fruchtstände von Gräsern und Getreiden können Sie einfach im Gehege verteilen oder aufhängen.
Auch wenn Wüstenspringmäuse sehr wenig trinken, sollten Sie ihnen immer eine Wasserschüssel mit frischem Wasser zur Verfügung stellen. Da die Tiere aus der hohlen Hand trinken, kommt ihnen diese Form der Wasserquelle eher entgegen als eine Trinkflasche. Stellen Sie die Schüssel am besten erhöht auf, sodass die Mäuse sie nicht mit Einstreu oder Sand verschmutzen können.

Fortpflanzung

Die Nachzucht Kleiner Wüstenspringmäuse gelingt zumindest bei einigen Haltern regelmäßig. Nachzuchten vermehren sich dabei eher als Wildfänge. Auch erhöht die Haltung im dauerhaften Freilauf die Chance auf Nachwuchs.

War die Paarung erfolgreich, werden nach durchschnittlich 25 bis 30 Tagen drei bis vier nackte und blinde Jungtiere geboren. Maximal 4 Würfe zieht eine Springmausmutter dabei im Jahr groß. Erst mit etwa 5 Wochen verlassen die kleinen Wüstenspringmäuse mit geöffneten Augen das Nest. In den nächsten 8 bis 10 Tagen sind sie damit beschäftigt, das Gehen auf den stelzenartigen Beinen zu üben. Insgesamt benötigen sie aber noch mindestens weitere vier Wochen, bis sie selbständig sind. Mit 6 Wochen beginnen sie Grünfutter zu probieren, wenig später auch Saaten. Erst nach mindestens 2,5 Monaten können die Jungen ihre Eltern verlassen.

Hilfreich bei der Aufzucht hat sich die Verwendung von Nagerhäuschen erwiesen, deren Eingang mehrere Zentimeter über dem Boden liegt. So wird vermieden, dass die Mutter den Nachwuchs an den Zitzen aus Versehen mit aus dem Nest schleppt. Dies kann fatal für die Springmauskinder enden, da bei vielen Exemplaren kaum ein Instinkt zum Zurückholen der Jungen ins Nest vorhanden ist. Die Jungtiere werden schlicht „vergessen“. Alternativ können Sie spezielle Schlafhäuschen selbst bauen.

Ruhe ist für die Aufzucht der Kleinen unabdingbar. Verzichten Sie daher auf Nestkontrollen, sonst besteht die Gefahr, dass die Eltern ihren Nachwuchs verlassen und Sie die Waisen mit der Flasche aufziehen müssen. Sie müssen das Nest auch nicht kontrollieren. In der Regel ist aus diesem das leise Fiepen der Jungen mehrmals am Tag zu hören.

Die Geschlechtsreife tritt bei der Kleinen Wüstenspringmaus mit 8 bis 12 Monaten ein.
Diese Nager erreichen ein durchschnittliches Lebensalter von etwa 3 bis 5 Jahren. Manchmal werden sie auch über 6 Jahre alt.

Krankheiten

Kranke Kleine Wüstenspringmaus
Kranke Kleine Wüstenspringmaus

Wenn Sie die grundlegenden Bedürfnisse dieser Tiere in Haltung und Ernährung beachten, sind Wüstenspringmäuse eher selten krank.
Empfindlich reagieren sie allerdings auf starke Temperaturschwankungen oder auf ein stark verfettetes Fell. Beides kann Erkältungen auslösen, die in jedem Fall behandelt werden müssen.

Achtung: Eine Kastration männlicher Tiere endet bei klassischen Kastrationsverfahren tödlich! Durch die Körperhaltung der Springmäuse drücken die Organe des Bauchraums auf die Schnittöffnung und rutschen durch. Der betroffene Darmteil stirbt ab, was den Tod des Tieres zur Folge hat. Sollte – etwa aufgrund einer Verletzung oder Hodendrehung – eine Kastration notwendig werden, weisen Sie Ihren Tierarzt unbedingt auf dieses Problem hin, da die OP-Wunde entsprechend alternativ verschlossen werden muss!

Auch wenn die Tiere eher selten erkranken, sollten Sie in jedem Fall eine finanzielle Reserve für veterinärmedizinische Notfälle in Höhe von etwa 100 Euro anlegen.

Vergesellschaftung

Die Vergesellschaftung von Wüstenspringmäusen im Gehege ist eher schwierig und risikobehaftet. Hier kann es durchaus vorkommen, dass sich die Tiere ernsthaft verletzen, wenn sie anfangs wild umherspringen. Auch die Wahrscheinlichkeit von Aggressionen ist im Gehege größer als im Freilauf. Sind die Mäuse also eher Scheu oder gelten ein oder mehrere Exemplare als schwierig, sollten Sie auf eine Vergesellschaftung im Gehege verzichten.
Bei Vergesellschaftungen im dauerhaften Freilauf ist dieses Problem bei mir noch nicht aufgetreten. Daher eignet sich der Freilauf als Form der Großraummethode am besten für Kleine Wüstenspringmäuse.

Bewährt hat es sich, die Tiere vormittags einander vorzustellen. Zu dieser Zeit sind sie ruhiger. Meist fällt das Kennenlernen dann recht kurz aus, bevor alle wieder schlafen gehen. Nutzen Sie für die Vergesellschaftung ein Wochenende, um auch am ersten Abend und der darauffolgenden Nacht ein Auge auf Ihre Springmäuse haben zu können. Im Idealfall nutzen Sie einen Raum dafür, den die Nager sonst nicht betreten dürfen.

Bewährt hat sich auch, ein neues Tier einfach in das Nest der schlafenden Gruppe zu setzen. Hier verschläft es mit den anderen den Tag und nimmt so schon den Gruppengeruch an. Auch hier sollten Sie am Vormittag anfangen und die erste Nacht gut überwachen.

Da die Mäuse sehr unterschiedlich reagieren, kann hier nicht jeder Fall für die folgende Zeit beschrieben werden. Wenn Sie Fragen dazu haben, können Sie diese aber in unseren Forum stellen.

Anschaffung

Kleine Wüstenspringmaus
Kleine Wüstenspringmäuse sind seltene Pfleglinge – stellen Sie sich auf eine längere Suche ein

Haben Sie nach der Lektüre festgestellt, dass Kleine Wüstenspringmäuse die richtigen Tiere für Sie sind, beginnt die Suche nach den passenden Tieren.
Da die Mäuse sehr selten sind, werden Sie im Tierschutz kaum fündig werden. Suchen Sie daher in Kleinanzeigen und Foren nach einem seriösen Züchter. Da diese Tiere so selten nachgezogen werden, sollten Sie sich auf eine längere Suche einstellen, wenn Sie keine Wildfänge erwerben möchten.

Die meisten der heute in Deutschland verkauften Springmäuse sind Wildfänge. Das sollten Sie bedenken, wenn Sie auf Messen und Börsen nach Ihren neuen Mitbewohnern suchen. Hier gilt jedoch besondere Vorsicht, da nicht alle Angebote auf einem solchen Event seriös sind und Sie auch kranke Tiere verkauft bekommen. Zudem können Sie nicht sicher sein, ob als  Nachzuchten angebotene Mäuse nicht doch Wildfänge sind.

Sehr selten verkaufen auch spezialisierte Zoohandlungen Kleinee Wüstenspringmäuse. Die Gefahr, kranke und/oder parasitenhaftete Tiere verkauft zu bekommen, ist hier groß. Zudem führen die Läden in der Regel Wildfänge.

Für die Anschaffung Kleiner Wüstenspringmäuse sollten Sie je nach Gehegelösung für die Grundausstattung (Gehege, Einstreu, Inventar, Futter, Transportbox) 300 bis 500 Euro einplanen.
Die laufenden Kosten für ein Paar belaufen sich im Monat für Trocken- und Frischfutter, sowie Sand auf etwa 30 bis 40 Euro.

 Artengesellschaft

Kleine Wüstenspringmäuse sind sehr friedliche Tiere, die sich mit jedem Nager vertragen, der ihnen freundlich begegnet. Jedoch würden Artengesellschaften mit Kleinen Wüstenspringmäusen soviel Platz beanspruchen, dass es für den normalen Nagerhalter nicht praktikabel ist. Daher sollten Sie davon absehen, diese Tiere mit anderen Arten zu vergesellen.

Lediglich die Gesellschaft mit ihren größeren Verwandten, den Großen Wüstenspringmäusen hat sich als praktikabel erwiesen. Hier sollten Sie jedoch immer ein Auge auf die Tiere haben. Zum einen sind Große Wüstenspringmäuse dominanter und mitunter aggressiver im Umgang miteinander. Dadurch können sie auch die kleinen Verwandten eher verletzen. Zum anderen können sich beide Arten miteinander fortpflanzen, da sie derselben Gattung angehören.

Weitere Informationen

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Quelle:
Animal Diversity

Rodent-InfoEl Hilali, M., J. Veillat. 1975. Jaculus orientalis : A True Hibernator. Mammalia, 39: 401-404.
Hooper, E., M. El Hilali. 1972. Temperature Regulation and Habits in Two Species of Jerboa, Genus Jaculus. Journal of Mammalogy, 53: 574-593.
Kirmiz, J. 1962. Adaptation to Desert Environment: A study on the jerboa, rat, and man. London: Butterworth & Co.