Große Wüstenspringmaus

 Große Wüstenspringmaus frisst Kürbiskerne

Überblick

Herkunft: nördliches Afrika von Marokko über Algerien und Ägypten bis Israel in Küsten-, Sand-, Salz- und Felswüsten, Halbwüsten, Savannen, Ausläufern von Gebirgen und Gerstenfelder
Sozialverhalten: Paar oder Kleingruppe
Aktivitätszeit: dämmerungs- und nachtaktiv
Minimale Gehegegröße: 10qm oder Wohnungshaltung
Handling: meist recht scheue Tiere; die langenm kräftigen Beine können ein Problem werden
Ernährung: Saaten und Getreide, Gräser und Kräuter, Gemüse, wenig Obst, Insekten
Größe und Gewicht: 13 – 16cm + 19 – 25cm, 110 – 145g
Geschlechtsreife: 8 – 12 Monate
Tragzeit: 28 Tage
Besonderheiten: Die Weibchen können sehr dominant und aggressiv werden. Männchen sind untereinander verträglich.

Systematik und BiologieAmpelmaus rot - schwierige Art

 Ordnung:  Nagetiere (Rodentia)
 Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
 Familie:  Dipodidae (Springmäuse)
 Unterfamilie:  Dipodinae (Wüstenspringmäuse)
 Gattung:  Jaculus
 Art:  Große Wüstenspringmaus (Jaculus orientalis)

4 Arten

Kleine Wüstenspringmaus (Jaculus jaculus) Nordafrika, Sahelzone, Westasien ostwärts bis Iran
Blanford-Springmaus (Jaculus blanfordi) Iran, Afghanistan, Pakistan
Große Wüstenspringmaus (Jaculus orientalis) Nordafrika, Palästina
Turkmenische Springmaus (Jaculus turkmenicus) Turkmenistan, Usbekistan

Wildtier Große Wüstenspringmaus

Große Wüstenspringmäuse kommen im nördlichen Afrika von Marokko über Algerien und Ägypten bis Israel vor. Dort bewohnen sie Küsten-, Sand-, Salz- und Felswüsten, Halbwüsten, Savannen, Ausläufer von Gebirgen, aber auch die Gerstenfelder der Beduinen.
Im harten Boden ihres Lebensraumes legen die Springmäuse ein weit verzweigtes Gangsystem an, das bis zu zwei Meter tief in den Boden reicht. Die Ausgänge dieser Bauten verschließen sie in den heißen Sommermonaten tagsüber mit Sand und Pflanzenteilen, um den Bau vor der Austrocknung zu bewahren und sich vor Fressfeinden zu schützen. Während der kühleren Wintermonate bleiben die Ausgänge offen.
Den Tag verschlafen die streng nachtaktiven Tiere in ihrer mit Kamelhaaren und Pflanzenteilen gepolsterten Schlafklammer, die gleichzeitig auch als Nestkammer dient. Von dieser führen zwei bis drei Fluchtgänge direkt nach draußen. Es gab lange eine Diskussion, ob Große Wüstenspringmäuse in diesen Bauen Winterschlaf halten. Neuere Quellen sprechen eindeutig dafür.

Wenn sich die Mäuse auf Nahrungssuche begeben, laufen sie mitunter 14 km und mehr in einer einzigen Nacht. Dabei sammeln sie grüne Pflanzenteile, Wurzeln, Samen, Körner, Früchte, und Insekten. Das notwendige Wasser können die Nager metabolisch erzeugen. Sie müssen es also nicht unbedingt aufnehmen. Flüssigkeit konsumieren sie jedoch auch mit grünen Pflanzenteilen und Insekten.

Große Wüstenspringmäuse haben in ihrer natürlichen Umgebung viele Feinde. Dazu gehören Fenneks, Eulen, Schlangen und andere kleine Räuber. Auf der Flucht vor diesen Bedrohungen können die Tiere eine enorme Geschwindigkeit entwickeln. Fühlt sich eine Wüstenspringmaus bedroht, kann man allerdings auch beobachten, dass sie mit den Vorderpfoten Sand in das Gesicht des Gegners schleudert.
Für den Menschen ist die Große Wüstenspringmaus in Teilen Nordafrikas als Getreideschädling von Bedeutung. Außerdem wird sie von manchen Beduinenstämmen auch als Mahlzeit geschätzt.

Anatomie und Erscheinung

Groeß Wüstenspringmaus im Terrarium
Große Wüstenspringmaus: Mit den langen Beinen kann sie enorme Geschwindigkeiten erreichen

Die Große Wüstenspringmaus ist mit einer Körperlänge von 13 bis 16cm, einer Schwanzlänge von 19 bis 25cm und einem Gewicht von 110 bis 145g kein ganz kleines Nagetier. Die namengebenden Hinterbeine, deren Füße je drei Zehen tragen, werden mehr als 15 cm lang. Sie erlauben den Tieren Sprünge aus dem Stand von bis zu 1 m Höhe und 2 bis 3 m Weite. In ihrer Heimat sorgt ein Büschel weißer Haare unter den Füßen dafür, dass die Tiere im Sand nicht zu sehr einsinken. Auf festem Boden bewirken die scharfen, langen Krallen der Hinterfüße einen optimalen Bodenkontakt, da sie ähnlich wie Spikes arbeiten. Die vergleichsweise winzigen Vorderbeine tragen starke Krallen, mit denen die Tiere gut wühlen können.
Am rundlichen Kopf sitzen große 2,8 bis 3,5 cm lange Ohren. Die großen Augen weisen die Mäuse als nachtaktiv aus.

Das Fell der Tiere ist auf der Oberseite sandfarben bis gelb, auf der Unterseite cremefarben. An den seitlichen Oberschenkeln tragen sie einen mehr oder minder deutlichen weißlichen Streifen.
Auffallend ist der Büschel schwarzweißer Haare am Ende des sonst nur sehr spärlich behaarten Schwanzes.

Die Große Wüstenspringmaus als Haustier

Eignung

Große Wüstenspringmäuse sind recht sensible, anspruchsvolle Nager, die enorm viel Platz brauchen und in der Regel nicht gern angefasst werden wollen. Zudem können sie das Leben und auch die Wohnung des Halters in nicht geringem Maße umkrempeln, wenn Sie sich für die Wohnungshaltung oder Terrarienhaltung mit Freilauf entscheiden.
Damit qualifizieren sie sich lediglich als Hausgenossen für echte Liebhaber und erfahrene Exotenhalter, die ihnen auch alles bieten können und wollen, was die Nager zum Wohlfühlen brauchen. Prüfen Sie also gut, ob Sie diese Tiere wirklich aufnehmen möchten.
Für Kinder sind die sensiblen, nachtaktiven Geschöpfe als Haustiere völlig ungeeignet!

Handhabung

Große Wüstenspringmaus auf meinem Schoß
Große Wüstenspringmaus auf meinem Schoß: So zahm werden nur wenige

Die Handhabung hängt stark von der Zahmheit der Tiere ab. Ruhige, ausgeglichene Tiere können Sie einfach in die Hand nehmen, um sie umzusetzen oder das Geschlecht zu bestimmen. Lassen Sie dabei die langen Hinterbeine zwischen Fingern herausschauen, so dass die Tiere ins Leere strampeln, wenn sie zappeln. Das vermindert das Verletzungsrisiko für die Mäuse erheblich. Achten Sie dabei darauf, dass die Springmäuse dabei nicht zu weit mit den Füßen in Richtung Kopf kommen, da sich die Tiere mit ihren scharfen Krallen ernsthaft selbst verletzen können. Die Krallen sind so scharf, dass sie auch menschliche Haut, besonders die dünnere Frauenhaut, zerschneiden können.
Scheue Exemplare sollten Sie nach Möglichkeit niemals anfassen. Lässt es sich nicht vermeiden und Sie können die Tiere nicht mit der Hand fangen, verwenden Sie ein Handtuch, das Sie auf das betreffende Tier werfen und die Maus so mitsamt Handtuch greifen. Achten Sie hier sorgfältig darauf, dass sich die Springmaus nicht im Stoff verfängt. Das erhöht das Verletzungsrisiko für die dünnen Beine enorm. Frotteehandtücher sind daher für diesen Zweck ungeeignet.
Wickeln Sie das Tier fest in das Handtuch und legen Sie nur die zu betrachtende Stelle, bei der Geschlechtsbestimmung die Afterregion, frei. Wenn Sie die Augen der Springmaus bedecken, wird diese etwas ruhiger.

Geht es nur um das Umsetzen der Mäuse, können Sie sie auch einfach mitsamt Häuschen von einem Gehege ins andere verfrachten.

Beim Tierarzt handhaben Sie zahme Tiere wie zu Hause. Scheue Tiere sollten Sie in einer nicht allzu großen Box zum Arzt transportieren. Wenn die Tiere an den Deckel stoßen und sich aufrichten, ist die Gefahr wesentlich kleiner, dass sie mit Kraft dagegen springen und sich schwer verletzen. Müssen sehr scheue Exemplare vom Tierarzt untersucht werden, empfiehlt sich eine leichte Gasnarkose. So kann die Untersuchung besser und schneller ablaufen. Außerdem sinkt die Gefahr, dass die Springmaus bei der Untersuchung flüchtet oder verletzt wird.

Entflohene Tiere können Sie einfach wieder mit der Hand einsammeln, wenn sie zahm sind. Besonders neugierige Exemplare laufen Ihnen vielleicht sogar nach. Scheue Nager fangen Sie am besten mit einem dünnwandigen, möglichst großen Karton. Der gibt im Gegensatz zu einer Faunabox, mit der man sonst scheue Exoten gut fangen kann, etwas nach, wenn die Tiere dagegen springen. Zudem sehen die Tiere die Wände im Gegensatz zur durchsichtigen Box. Das Fangen mit dem Karton minimiert also wieder das Verletzungsrisiko für die Tiere.

Zur Handhabung von Großen Wüstenspringmäusen benötigen Sie allerdings keine Lederhandschuhe. Diese Nager beißen nur in extremen Notfällen. Selbst Wildfänge beißen nicht vermehrt. Auch bei schmerzhaften, notwendigen Behandlungen sind die Tiere dem Halter gegenüber nicht aggressiv. Massive Bissigkeit kann deshalb bei dieser Mäuseart als Verhaltensstörung angesehen werden.

Grundsätzlich gilt beim Umgang mit diesen Tieren: Agieren Sie ruhig, langsam und vermeiden Sie jegliche Hektik! Dann lassen sich die Tiere wesentlich besser handhaben, da sie so weniger schreckhaft sind.

Sozialstruktur und Verhalten

Große Wüstenspringmäuse
Große Wüstenspringmäuse brauchen (mindestens) einen Artgenossen

Diese streng nachtaktiven Nager leben in sozialen, kleinen Gruppen. Sie sollten also immer mindestens zwei Tiere halten. Es darf aber auch gern eine Gruppe von vier bis acht Tieren sein. Allerdings berichten die meisten Halter, dass es bei den Männchen in einer Gruppe zu heftigen Kämpfen kommen kann. Das kann ich allerdings nicht bestätigen. Bei mir waren auch mehrere Männchen immer verträglich untereinander.

Auffallend ist das Aggressionspotential der Weibchen. Sie verfolgen und verletzen ihr Männchen mitunter sogar. In geschlossenen Gehegen unter 3 qm Grundfläche kann dies schnell mit dem Tode des Verfolgten enden. Meist verletzen sich die Flüchtenden an den Wänden des Geheges tödlich (z.B. Genickbruch). Eine Integration in geschlossenen Gehegen ist daher risikoreicher als im Freilauf.
In der Haltung im Gehege (Grundfläche 300×70 cm) haben die Mäuse bei mir starke Aggressionen gezeigt und sich auch verletzt. Dies ließ mit der Änderung der Haltungsform (siehe Kapitel „Haltung“) stark nach.

Interessant ist die Schlafposition der Wüstenspringmäuse. Entweder schlafen sie auf der Seite liegend und drehen den Kopf leicht ein oder sie sitzen auf ihren Hinterbeinen, den Kopf zur Brust hin eingedreht.

Springmäuse sind hochintelligent, langweilen sich schnell und wollen beschäftigt werden. Egal, ob Sie Ihre Tiere in einem Gehege oder frei in einem Zimmer halten, Sie sollten den Tieren permanent neues Spielzeug oder andere Beschäftigung anbieten. Dabei sind Ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt. Ich lasse den Mäusen öfter etwas im Zimmer stehen, das sie untersuchen, beklettern und zernagen können oder worin sich Futter versteckt. Dazu gehören: alte Naturfaserteppiche, volle Altpapierkartons, Weinsteine mit verstecktem Futter, Inventar aus anderen Gehegen, das ausgiebig untersucht und beschnuppert wird, Foodbälle und ähnliches. Auch Clickern ist eine Option für die neugierigen und gelehrigen Springmäuse.

Haltung

Große Wüstenspringmaus auf meinem Küchenboden
Große Wüstenspringmaus auf meinem Küchenboden

Einige Quellen empfehlen für die Haltung von Großen Wüstenspringmäusen Aquarien mit Grundflächen von mindestens 120 x 60 bis 200 x 50 cm. Ich habe schnell feststellen müssen, dass selbst mein Gehege von 300 x 70 cm Grundfläche noch zu klein für die sehr agilen, neugierigen Tiere ist. Meine Springmäuse leben daher freilaufend in Teilen der Wohnung. Mehr darüber finden Sie im Exkurs zur Wohnungshaltung. Bei anderen Haltern hat sich auch die Haltung in sehr großen Gehegen mit täglichem Freilauf oder der Umbau eines ganzen Zimmers bewährt.
Als Mindestmaß sollten Sie bei zwei Großen Wüstenspringmäusen von einer Gehegegrundfläche von 10 qm ausgehen.
Die Haltung in Aquarien ist dagegen sehr problematisch und alles andere als ideal ist. Manche Halter berichten von panikartigem Umherspringen, wenn sie im Becken hantieren. Die scheuen Tiere versuchen mit großen Sprüngen zu fliehen, wenn sie sich erschrecken oder der Halter nach ihnen greift. Dabei tendieren sie dazu, ungebremst gegen die Aquarienscheibe zu laufen. Das kann schwere bis tödliche Verletzung nach sich ziehen. Ein Experiment zeigte bei uns ein ähnliches Problem, da die Mäuse die Glasscheiben nicht sehen.
Bauen Sie Ihr Gehege – so Sie sich für eines entscheiden – also ganz oder teilweise aus Glas, sollten Sie die Scheiben mit Inventar versehen, das die Mäuse noch vor der Scheibe abbremst. Ein Stein, ein Häuschen oder ähnliches erfüllen diesen Zweck sehr gut. Damit die Tiere im Gehege gar nicht zu viel Tempo kriegen können, sollte die Einrichtung so verteilt sein, dass die Nager Slalom laufen müssen. Aus einer geraden Strecke machen die flinken Läufer schnell eine Sprintstrecke.

Als Einstreu empfiehlt sich in jedem Fall Sand. Mindestens einen Teil des Geheges sollten Sie mit Attapulgit oder Sepiolith auslegen oder den Sand mit Talkum oder Urgesteinsmehl versetzen, sodass die Tiere darin ihre Fellpflege betreiben können. Bekommen Springmäuse keinen geeigneten Sand, verfettet das Fell extrem schnell und die Nager können sich leicht erkälten. Den Rest des Geheges können Sie beispielsweise mit durchgesiebtem Flusssand, Strandsand, Erde oder Kleintierstreu auffüllen.

Große Wüstenspringmaus im Gehege
Große Wüstenspringmaus im Gehege

Ebenfalls sehr gern angenommen wird eine nach oben offene Kiste, die mit Erde oder einem Erde-Humus-Gemisch gefüllt wird. Diese Kiste darf gern bis 10cm unter den Rand gefüllt werden und 50cm hoch oder höher sein. Wissen die Tiere erst einmal, was sich in der Kiste verbirgt, wird die Rampe schnell überflüssig und sie springen einfach vom Boden aus hinein. Ich konnte auch schon beobachten, dass in der Erde Nester angelegt und sogar bewohnt werden.

Obwohl Große Wüstenspringmäuse soziale Tiere sind, schlafen einige von ihnen konsequent in getrennten Unterschlupfen. Daher sollten Sie mindestens einen Unterschlupf pro Exemplar anbieten, sonst streiten die Tiere eventuell um das Häuschen. Als Einrichtung für das Gehege eignen sich größere Wurzeln, Stammteile und Äste sowie Weinsteine, Tontöpfe oder größere Holzhäuschen für Nager.
In Wohnungshaltung verteilen Sie einfach Schlaf- und Sandkisten im Raum/den Räumen der Tiere. Sie können den Mäusen auch eine Ecke mit dem genannten Inventar einrichten. Unbedingt notwendig ist eine spezielle Ecke in Wohnungshaltung jedoch nicht.
Als Nistmaterial können Sie beispielsweise Heu anbieten, aber auch Zellstoff wird gern angenommen. Manche Tiere freuen sich außerdem über Kokosfasern oder Hundehaare. Mit Leidenschaft werden Kleidungsstücke aus Naturfasern zerlegt und in das Nest eingearbeitet. Wenn Sie die Möglichkeit haben, können Sie auch in einem Zoo, der Kamele hält fragen, ob Sie etwas Kamelhaar für Ihre Tiere bekommen.

Ob die Springmäuse Rotlicht brauchen, scheidet die Springmaushalterfraktion. Meinen Beobachtungen nach fühlen sich die Tiere auch bei Zimmertemperatur wohl, wenn diese 18 bis 20°C nicht unterschreitet. Bietet man aber ein Rotlicht an und bestrahlt damit gezielt eine Sandfläche oder einen Stein, genießen die Nager die kleine Wärmedusche trotzdem sehr. Besonders im Übergang vom Sommer zum Herbst, wenn es kühler wird, empfiehlt sich ein solches Rotlicht oder eine andere Wärmequelle, da sich die Nagetiere sonst eventuell durch die ungewohnt niedrigen Temperaturen erkälten. Wer nicht auf Rotlicht zurückgreifen will, kann auch Keramikstrahler oder Heat Lamps mit Tageslichtspektrum verwenden.
Alternativ können Sie den Tieren auch Heizsteine oder Wärmeplatten anbieten. Auch auf diesen halten sich die Springmäuse besonders bei kühleren Raumtemperaturen ab und zu gern auf.

Dieser Text ist nur ein Anhaltspunkt zur Haltung. Mit den lebhaften Mäusen können Sie viele Überraschungen erleben. Welche ich mit meinen Tieren schon erlebt habe, können Sie im Tagebuch nachlesen.

Ernährung

Jungtier in der Futterecke
Jungtier in der Futterecke

Die Ernährung Ihrer Großen Wüstenspringmäuse sollte sich an der natürlichen Nahrung orientieren, die vor allem aus viel frischem Grün, Wurzeln, Saaten und Getreiden besteht.
Hier allerdings haben die Mäuse Frischfutter als Hauptmahlzeit verschmäht. Als trockenes Basisfutter gibt es hier daher einen Mix aus Exoten- und Wellensittichfutter, dem Sie nach Belieben Grassamen und verschiedenste Mischungen von Wild- und Unkrautsamen beifügen können. Der Versuch, Löwenzahn- und Petersilienwurzeln zu verfüttern, ist bei mir bis jetzt aber gescheitert. Dafür können sich die Nager sehr für getrocknete Möhren begeistern.
Neben dem losen Saatenmix können Sie den Springmäusen Hirsekolben und –rispen sowie Getreideähren anbieten. Ebenfalls gern genommen werden Fruchtstände von Gräsern, die Sie im Sommer auf fast jeder Wiese finden. Dieses Futter hat zudem den Vorteil, dass die Tiere länger mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt sind.

Obst und Gemüse werden mitunter verschmäht. Sie können es aber trotzdem immer wieder anbieten. Manche Tiere entdecken erst nach einiger Zeit ihre Leidenschaft für ein bestimmtes Obst oder Gemüse. Achten Sie jedoch darauf, dass Sie Obst nur selten anbieten, da die Tiere nicht zu süß gefüttert werden sollten. Sonstiges Grün wie Gräser und Kräuter werden zwar oft interessiert beäugt und umher getragen. Jedoch frisst nicht jede Springmaus davon. Auch hier dauert es mitunter eine Weile, bis sie ihre Begeisterung dafür entdecken.

Auch bei Eiweißfutter dauert es oft lange, bis die Tiere überhaupt etwas annehmen. Um dennoch die Eiweißversorgung zu sichern, mische ich Brösel von getrockneten Seidenraupen oder andere Trockeninsekten unter die Kleinsaatenmischung.

Ebenfalls anbieten können Sie einen Kalkstein (keinen Salzleckstein!) oder eine Sepiaschale. Achten Sie hier darauf, dass die Tiere nicht zu viel davon fressen. Nehmen Sie den Stein notfalls für einige Zeit aus dem Gehege. Oft wird der Stein aber lediglich mit Zähnen und Krallen bearbeitet, ohne die Mäuse davon etwas fressen.

Die Saaten bieten Sie Ihren Mäusen am besten in einer Schüssel an. Fruchtstände von Gräsern und Getreiden können Sie einfach im Gehege verteilen oder aufhängen.
Auch wenn die Tiere sehr wenig trinken, sollten Sie ihnen immer eine Wasserschüssel mit frischem Wasser zur Verfügung stellen. Da die Mäuse aus der hohlen Hand trinken, kommt ihnen eine Wasserschüssel eher entgegen als eine Flasche.

Fortpflanzung

Große Wüstenspringmaus Jungtiere schlafen im Nest
Jungtiere schlafen im Nest

Die meisten in Deutschland gehaltenen Großen Wüstenspringmäuse sind importierte Wildtiere oder Farmzuchten. Die Nachzucht ist immer noch eine Seltenheit.
Manche Halter experimentieren auch mit einem Wechsel von karger und reichhaltiger Ernährung, um den jahreszeitlichen Rhythmus zu imitieren und die Tiere so zur Paarung anzuregen. Bei mir werden die Tiere das ganze Jahr über möglichst optimal gefüttert, ziehen aber trotzdem Nachwuchs auf. Inwiefern diese Fütterungsmethode also Erfolg zeitigt, kann ich daher nicht beurteilen.
Ich konnte allerdings die Beobachtung machen, dass meine Tiere sich nur dann vermehren, wenn sie ausreichend Platz zur Verfügung haben. Im Gehege haben sie wahrscheinlich einen Wurf gehabt, aber nicht aufgezogen, sondern die Jungtiere gefressen. Dies ist im Wohnungsfreilauf noch nicht passiert. Zudem scheint die Harmonie des Paares von Bedeutung zu sein.
Das Paarungsverhalten der Großen Wüstenspringmäuse lässt sich gut beobachten. Dabei läuft das Männchen seinem Weibchen nach. Immer wieder tänzeln die Tiere umeinander, während er seine Angebetete anzirpt, bis sie ihm die Paarung schließlich gestattet. Diese Prozedur kann sich mehrmals wiederholen und mehrere Stunden dauern.

War die Paarung erfolgreich, werden nach etwa 28 Tagen zwei bis vier nackte und blinde Jungtiere geboren, die in den folgenden Wochen völlig von der Versorgung durch eine der acht Zitzen der Mutter abhängig sind. Erst mit sechs bis sieben Wochen verlassen die kleinen Wüstenspringmäuse erstmals das Nest, benötigen aber noch mindestens weitere vier Wochen, bis sie selbständig sind. Daher sollten die Jungtiere mindestens 2,5 Monate bei ihren Eltern bleiben.
Ruhe ist für die Aufzucht der Kleinen unabdingbar. Verzichten Sie daher auf Nestkontrollen, sonst besteht die Gefahr, dass die Eltern ihren Nachwuchs verlassen und Sie die Waisen mit der Flasche aufziehen müssen.

Hilfreich bei der Aufzucht hat sich die Verwendung von Nagerhäuschen erwiesen, deren Eingang mehrere Zentimeter über dem Boden liegt. So wird vermieden, dass die Mutter den Nachwuchs an den Zitzen aus Versehen mit aus dem Nest schleppt. Dies kann fatal für die Springmauskinder enden, da bei vielen Exemplaren kaum ein Instinkt zum Zurückholen der Jungen ins Nest vorhanden ist. Die Jungtiere werden schlicht „vergessen“. Alternativ können Sie spezielle Schlafhäuschen selbst bauen.

Die Geschlechtsreife tritt bei der Großen Wüstenspringmaus mit 8 bis 12 Monaten ein.
Diese Nager erreichen ein durchschnittliches Lebensalter von etwa 4 bis 5 Jahren.

Krankheiten

Große Wüstenspringmaus: stoffwechselbedingter Fellverlust bei einer Handaufzucht
Große Wüstenspringmaus: stoffwechselbedingter Fellverlust bei einer Handaufzucht

Wenn Sie die grundlegenden Bedürfnisse dieser Tiere in Haltung und Ernährung beachten, sind Wüstenspringmäuse eher selten krank.
Empfindlich reagieren sie allerdings auf starke Temperaturschwankungen oder auf ein stark verfettetes Fell. Beides kann Erkältungen auslösen, die in jedem Fall behandelt werden müssen.

Achtung: Eine Kastration männlicher Tiere endet bei klassischen Kastrationsverfahren tödlich! Durch die Körperhaltung der Springmäuse drücken die Organe des Bauchraums auf die Schnittöffnung und rutschen durch. Der betroffene Darmteil stirbt ab, was den Tod des Tieres zur Folge hat. Sollte – etwa aufgrund einer Verletzung oder Hodendrehung – eine Kastration notwendig werden, weisen Sie Ihren Tierarzt unbedingt auf dieses Problem hin, da die OP-Wunde entsprechend alternativ verschlossen werden muss!

Auch wenn die Tiere eher selten erkranken, sollten Sie in jedem Fall eine finanzielle Reserve für veterinärmedizinische Notfälle in Höhe von etwa 100 Euro anlegen.

Vergesellschaftung

Große Wüstenspringmäuse im Nest
Springmäuse: Gemeinsames Kuscheln hilft der neuen Freundschaft auf die Sprünge

Die Vergesellschaftung Großer Wüstenspringmäuse im Gehege ist eher schwierig und risikobehaftet. Hier kann es durchaus vorkommen, dass die meist recht dominanten Weibchen ihren Bock jagen. Da er mangels Platz nicht ausweichen kann, kann dies zu ernsthaften Verletzungen und sogar zur Tötung des Männchens führen. Auch kann eine flüchtende Maus an den Wänden des Geheges schwer oder gar tödlich verunglücken. Auf der Flucht entwickeln die Tiere ein enormes Tempo, mit dem sie dann ungebremst gegen ein Brett oder eine Scheibe laufen.

Bei Vergesellschaftungen im dauerhaften Freilauf ist dieses Problem noch nicht aufgetreten.
Bewährt hat es sich, die Tiere vormittags einander vorzustellen. Zu dieser Zeit sind sie ruhiger. Meist fällt das Kennenlernen dann recht kurz aus, bevor alle wieder schlafen gehen. Nutzen Sie für die Vergesellschaftung ein Wochenende, um auch am ersten Abend und der darauffolgenden Nacht ein Auge auf die Tiere haben zu können. Im Idealfall nutzen Sie einen Raum dafür, den die Tiere sonst nicht betreten dürfen.
Bewährt hat sich auch, ein neues Tier einfach in das Nest der schlafenden Gruppe zu setzen. Hier verschläft es mit den anderen den Tag und nimmt so schon den Gruppengeruch an. Auch hier sollten Sie am Vormittag anfangen und die erste Nacht gut überwachen.
Da die Mäuse sehr unterschiedlich reagieren, kann hier nicht jeder Fall für die folgende Zeit beschrieben werden. Wenn Sie Fragen dazu haben, können Sie diese aber in unseren Forum stellen.

Anschaffung

Junge Wüstenspringmaus
Die Suche nach diesen seltenen Mäusen kann schwierig werden

Haben Sie nach der Lektüre festgestellt, dass Große Wüstenspringmäuse die richtigen Tiere für Sie sind, beginnt die Suche nach den passenden Tieren.
Da die Mäuse sehr selten sind, werden Sie im Tierschutz kaum fündig werden. Suchen Sie daher in Kleinanzeigen und Foren nach einem seriösen Züchter. Da diese Tiere so selten nachgezogen werden, sollten Sie sich auf eine längere Suche einstellen, wenn Sie keine Wildfänge erwerben möchten.

Die meisten der heute in Deutschland verkauften Springmäuse sind Wildfänge. Das sollten Sie bedenken, wenn Sie auf Messen und Börsen nach Ihren neuen Mitbewohnern suchen. Hier gilt jedoch besondere Vorsicht, da nicht alle Angebote auf einem solchen Event seriös sind und Sie auch kranke Tiere verkauft bekommen. Zudem können Sie nicht sicher sein, ob als  Nachzuchten angebotene Mäuse nicht doch Wildfänge sind.

Sehr selten verkaufen auch spezialisierte Zoohandlungen Große Wüstenspringmäuse. Die Gefahr, kranke und/oder parasitenhaftete Tiere verkauft zu bekommen, ist hier groß. Zudem führen die Läden in der Regel Wildfänge.

Für die Anschaffung Großer Wüstenspringmäuse sollten Sie je nach Gehegelösung für die Grundausstattung (Gehege, Einstreu, Inventar, Futter, Transportbox) 300 bis 500 Euro einplanen.
Die laufenden Kosten für ein Paar belaufen sich im Monat für Trocken- und Frischfutter, sowie Sand auf etwa 30 bis 40 Euro.

Artengesellschaft

Große Wüstenspringmäuse sind sehr friedliche Tiere, die sich mit jedem Nager vertragen, der ihnen freundlich begegnet. Jedoch würden Artengesellschaften mit Großen Wüstenspringmäusen soviel Platz beanspruchen, dass es für den normalen Nagerhalter nicht praktikabel ist.

Eine Gesellschaft mit Kleinen Wüstenspringmäusen ist möglich. Hier sollten Sie aber beachten, dass die Tiere eine sehr enge Dynamik eingehen und sich auch miteinander artübergreifend fortpflanzen können. Außerdem können die dominanteren Großen Wüstenspringmäuse die kleinen Verwandten ernsthaft verletzen, wenn die Chemie nicht stimmt.

In der Natur bewohnen Große Wüstenspringmäuse und Fette Sandratten da, wo beide Arten vorkommen, häufig dieselben Baue. Auch mit ihnen wäre eine Artengesellschaft denkbar. Erfahrungswerte aus der Haustierhaltung gibt es dazu bislang aber leider nicht.

Weitere Informationen

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Quellen:
Animal Diversity
rodent-info.net
Uni Düsseldorf zitiert nach Dittrich, Peter (1983): Biologie der Sahara. Chimaira Verlag
El Hilali, M., J. Veillat. 1975. Jaculus orientalis : A True Hibernator. Mammalia, 39: 401-404.
Hooper, E., M. El Hilali. 1972. Temperature Regulation and Habits in Two Species of Jerboa, Genus Jaculus. Journal of Mammalogy, 53: 574-593.
Kirmiz, J. 1962. Adaptation to Desert Environment: A study on the jerboa, rat, and man. London: Butterworth & Co..