Bleiche Rennmaus

 Bleiche Rennmaus im Gehege

Überblick

Herkunft: Wüstengebiete an der nordwestägyptischen Küste
Sozialverhalten: Kleingruppentier
Aktivitätszeit: tdämmerungs- und nachtaktiv
Minimale Gehegegröße: 120x50x50cm für 2 – 3 Tiere
Handling: meist unkompliziert, da die Mäuse sehr neugierig sind und nicht beißen
Ernährung: kleinsaatenbetonter Mix, Frischfutter mit wenig Obst, Insketen
Größe und Gewicht: 8 – 13cm + 10 – 13cm, 36 – 50g
Geschlechtsreife: 90 – 120 Tage
Tragzeit: 20 – 22 Tage
Besonderheiten: Die Mäuse schlafen mitunter so fest, dass sie wie tot wirken.

Systematik und BiologieAmpelmaus gelb

Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseartige (Myomorpha)
Überfamilie: Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
Unterfamilie: Rennmäuse (Gerbillinae)
Gattung: Gerbillus
Art: Bleiche Rennmaus (Gerbillus perpallidus)

Im Deutschen ist diese Rennmausart als Blasse, Bleiche oder Ägyptische Rennmaus bekannt. Ägyptische Rennmäuse (gerbillus gerbillus) stellen jedoch eine eigene Art dar. Manchmal wird sie auch mit der Cheesman-Rennmaus (Gerbillus cheesmani) verwechselt, der sie sehr ähnlich sieht. Im direkten Vergleich sind die beiden Arten aber recht gut zu unterscheiden.

Wildtier Bleiche Rennmaus

Bleiche Rennmäuse bewohnen in Familiengruppen die Wüstengebiete an der nordwestägyptischen Küste. Deshalb sind sie gut an die Bewegung im feinen Sand der Dünen angepasst. In diese graben sie bis zu 1m tiefe, weit verzweigte Gangsysteme, in denen sie sich vor der Hitze des Tages verstecken. Erst kurz nach Sonnenuntergang, wenn die Hitze des Tages abgeklungen ist, begeben sie sich auf Nahrungssuche.

Anatomie und Erscheinung

Bleiche Rennmaus an einem Krug
Typisch für Bleiche Rennmäuse: Die großen Hinterfüße

Die 36 bis 50g schweren, zierlichen Rennmäuse erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 8 bis 13cm. Der spärlich behaarte Schwanz wird etwa 10 bis 13cm lang. Die großen Augen weisen die Bleiche Rennmaus als nachtaktives Tier aus. Um die Augen verläuft ein weißer Ring. Die Ohren sind unpigmentiert und nackt und bergen ein exzellentes Gehör, das im Bereich niederfrequenter Töne besonders leistungsfähig ist.
Auf der Oberseite ist das Fell sandgelb bis rötlich, das Unterfell ist grau. Die Unterseite ist weiß.
Ihre sehr großen Hinterfüße erlauben den Tieren in ihrer Heimat die sichere, schnelle Fortbewegung auf dem sandigen Untergrund und sind hervorragende Hilfen beim Graben.

Die Bleiche Rennmaus als Haustier

Eignung

Bleiche Rennmäuse sind sehr neugierige, freundliche und friedliche Tiere, die auch auf ihren Halter zugehen. Sie eignen sich für Halter, die futterzahme Tiere möchten, die ein interessantes Spektrum an Verhaltensweisen zum Beobachten zeigen. Allerdings sollten Sie als Halter schon Erfahrungen mit den Verhaltensweisen von Mäusen gesammelt haben. Das hilft Ihnen, bei Streit die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Als Streicheltiere sind diese Rennmäuse jedoch ungeeignet. Ihr verfettet Fell durch die Berührung schnell und die meisten Tiere schnuppern lieber an der Hand, als auf ihr zu sitzen.
Für Kinder sind Bleiche Rennmäuse nicht geeignet.

Handhabung

Bleiche Rennmaus auf der Hand
Das Handling Bleicher Rennmäuse ist meist recht unkompliziert

Da Bleiche Rennmäuse eher ruhige bis neugierige Vertreter ihrer Gattung sind, ist der Umgang mit ihnen sehr einfach. Zur Geschlechtsbestimmung und zum Umsetzen können Sie sie in der Regel einfach in die Hand nehmen.

Beim Tierarzt lassen sie sich ebenfalls für Untersuchungen und Tastbefunde gut in die Hand nehmen. Die Gefahr, gebissen zu werden, ist dabei sehr gering.
Für Injektionen nehmen Sie den Patienten an einer großen Nackenfalte, da es sich sonst im Fell noch zu sehr bewegen und zu weit umdrehen kann. Stark zappelnde Tiere können auch mit Nackenfalte und an der Schwanzwurzel auf der Unterlage fixiert werden.

Wenn Ihnen einmal eine Ihrer Rennmäuse entkommt, können Sie diese recht gut mit der Hand wieder einfangen. Für scheuere Exemplare eignet sich aber auch eine Gitterfalle oder ein Kescher.

Sozialstruktur und Verhalten

Am besten halten Sie diese nachtaktiven, kleinen Nager in Gruppen von 4 bis 6 Tieren. Aber auch größere Gruppen sind möglich, jedoch mit etwas Vorsicht zu genießen. Hier besteht die Gefahr von Unruhe in der Gruppe.

Bleiche Rennmäuse auf einem Birkenast
Bleiche Rennmäuse dürfen niemals allein sein

In einer Gruppe, in der mehr Weibchen als Männchen leben, kann es zu heftigen Rivalenkämpfen kommen. Da sich die Mäuse aber recht einfach vermehren, verbietet sich eine gemischte Haltung ohnehin von selbst. Andernfalls wachsen sie Ihnen recht schnell über den Kopf.
Zwei Tiere müssen Sie mindestens halten, da Bleiche Rennmäuse wie alle Rennmäuse soziale Nager sind. Bei Einzelhaltung langweilen sie sich schnell und werden sogar depressiv.
Bleiche Rennmäuse sind neugierige, aktive Nagetiere, die ihren Halter kaum jemals beißen würden. Durch ihre Neugier werden sie auch recht gut futterzahm. Die Berührung mit der Hand schätzen jedoch selbst die Tiere nicht, die bei Öffnen des Geheges sofort neugierig zur Tür stürzen.

Haltung

Die optimale Gehegelösung für Bleiche Rennmäuse ist die Haltung in einem Aquarium von mindestens 120 x 50 x 50 cm Größe für 2 bis 3 Tiere. Das Aquarium darf gern mit einem Aufbau mit Etagen versehen sein, den die Mäuse gern nutzen werden. Eine gute Alternative wäre ein Nagerschrank oder Eigenbau, der den Tieren mindestens eine Etage zum Buddeln anbietet. Handelsübliche Käfige, Volieren oder klassische Terrarien sind dagegen völlig ungeeignet. Sie lassen sich nicht hoch genug einstreuen.
Da die Tiere etwa 30 cm hoch und 50 cm weit springen können, sollten Sie ein Aquarium immer mit einem Gitterdeckel abdecken.

Bleiche Rennmaus auf Sand unter einer Wurzel
Sand ist für Bleiche Rennmäuse der optimale Unergrund

Als Untergrund wählen Sie am besten Sand (Sepiolith oder Attapulgit). Damit ist eine optimale Fellpflege gewährleistet und stellt eine gesunde Fellstruktur sicher. Bei der Haltung auf Kleintierstreu oder ähnlichen Untergründen verfettet das Fell trotz Sandbad immer noch vergleichsweise schnell und die Tiere können sich leicht erkälten. Wenn Sie sich also gegen Sand als Einstreu entscheiden, sollten Sie in jedem Fall eine größere Sandbadefläche anbieten. Das kann zum Beispiel in Form einer großen Sandbadekiste oder mehrerer großer Sandschüsseln geschehen. Auch einzelne Etagen mit Sand sind eine gute Alternative. So ist die Fellpflege für die Tiere gewährleistet.
Da die Rennmäuse kaum Urin absetzen, genügt es, den Sand einmal pro Woche durchzusieben und so von Verunreinigungen zu befreien. Ein kompletter Wechsel ist je nach Gehegegröße nur alle 2 bis 6 Monate notwendig. Da die Tiere gern wühlen, kann die Dicke der Sandschicht 15cm und mehr betragen. Versuche mit Terrarienlehm für Gangbauten haben ebenfalls interessante Ergebnisse gezeigt. Hier müsste der Sand als oberste Schicht nach dem Trocknen des Lehms aufgebracht werden.

Die zierlichen Nagetiere bauen gerne umfangreiche Nester. Deshalb müssen Sie immer ausreichend Nistmaterialien anbieten. Das können beispielsweise Heu, Kokosfasern, Kapok und ähnliches sein. Als naturnahe Einrichtung können Sie Wurzeln, Äste, Steine (gut verkeilen!) und Häuschen aus Ton, Holz und anderen natürlichen Materialien verwenden. Auch an einem großen, mit Heu gefüllten Korb haben die Tiere viel Spaß. Stellen Sie unbedingt sicher, dass die Rennmäuse ihre Einrichtung nicht untergraben und von ihr erschlagen werden können.

Eine Wärmequelle ist bei Zimmertemperatur nicht unbedingt nötig. Aber da das Fell der Kleinen ziemlich dünn ist, sollten sie nicht in Räumen unter 18°C gehalten werden.

Trocken- und Feuchtfutter reichen Sie am besten in erhöht angebrachten, getrennten Schüsseln. Frisches Wasser muss den Tieren in einer Flasche jederzeit zur Verfügung stehen.

Ernährung

Bleiche Rennmaus frißt Seidenraupen
Bleiche Rennmäuse brauchen tierisches Protein

Bleiche Rennmäuse sind sehr gute Futterverwerter und neigen entsprechend leicht zum Verfetten mit den typischen Folgen (Organschäden wie etwa Fettleber). Um dem vorzubeugen, besteht das ideale Futter für die kleinen Rennmäuse hauptsächlich aus Kleinsaaten wie Hirse, Grassamen, Glanzsaat und ähnlichem. Dazu können Trockengemüse, Kräuter und etwas Getreide mit einem geringen Anteil an Fettsaaten gemischt werden.

Obwohl diese Rennmäuse eher weniger Feuchtfutter fressen, können Sie ihnen bis auf die üblichen Ausnahmen wie zum Beispiel sämtliche Kohlsorten regelmäßig verschiedenste Gemüsesorten und sonstiges Frischfutter anbieten. Meine Tiere hier zeigen eine deutliche Affinität zu Eisberg und Eichblattsalat. Obst sollten Sie nur selten als Leckerli füttern.

Wie fast alle kleinen Nager benötigen auch die Bleichen Rennmäuse tierisches Eiweiß. Davon sollten sie etwas mehr bekommen als Mongolische Rennmäuse, da ihr Bedarf höher ist. Besonders geeignet sind Insekten wie Grillen und Heuschrecken, weil diese zum einen nicht zu fett sind und zum anderen den Tieren bei der Jagd noch etwas Bewegung abfordern. Alternativ können Sie auch Trockeninsekten füttern.

Wasser muss den Mäusen immer zur Verfügung stehen.

Fortpflanzung

Bleiche Rennmäuse bekommen bis zu fünfmal im Jahr Junge. Die Tragzeit liegt bei 20 bis 22 Tagen. Danach werden bis zu 8 Jungtiere geboren, selten mehr. Die durchschnittliche Wurfgröße liegt bei 4 bis 5 Kindern. Diese sind bei der Geburt nackt, blind und völlig hilflos. Erst mit 16 bis 20 Tagen öffnen sie ihre Augen. Von den Eltern sollten sie frühestens mit 6 Wochen getrennt werden. Die Geschlechtsreife setzt mit 90 bis 120 Tagen verhältnismäßig spät ein.

Die durchschnittliche Lebenserwartung variiert mit 3 bis maximal 6 Jahren sehr stark. Diese Variation kann ihre Ursache unter anderem in falscher Ernährung haben. Es gibt jedoch Aufzeichnungen, nach denen ein Tier über 8 Jahre alt geworden sein soll. Dies ist jedoch als absolute Ausnahme anzusehen.

Da diese Rennmäuse sich recht einfach und gut vermehren, sollten Sie als Hobbyhalter nur gleichgeschlechtliche Gruppen halten. Andernfalls stehen Sie sonst schnell vor dem Problem der Überbevölkerung. Die Tiere lassen sich auch nicht immer so leicht abgeben, da die Nachfrage nach dieser Nagerart eher gering ist.

Krankheiten

Wenn Sie Ihre Bleichen Rennmäuse richtig halten, werden diese Tiere nur sehr selten krank. Abgesehen von Bissverletzungen bei Unverträglichkeiten oder Erkältungen bei Zug, gibt es bei diesen Tieren keine erwähnenswerten Krankheiten.
Bei falscher Haltung kann Adipositas mit ihren Folgeerscheinungen zum Problem werden.
In jedem Fall sollten Sie für veterinärmedizinische Notfälle eine Rücklage von etwa 100 Euro für Tierarztbesuche anlegen.

Vergesellschaftung

Bleiche Rennmäuse in der Transportbox
Bleiche Rennmäuse in der Transportbox

Da diese Rennmäuse recht unterschiedlich auf Artgenossen reagieren, kann sich ihre Vergesellschaftung entsprechend von einfach bis langwierig und kompliziert in allen Varianten gestalten. Mitunter lassen sich bestimmte Tiere auch gar nicht miteinander vergesellschaften.
Verwenden Sie am besten die Etappenmethode. Hier beginnen Sie am besten in der Badewanne, um zu sondieren, wie die Mäuse auf einander reagieren. Auch wenn sie sich vertragen, sollten Sie die Rennmäuse danach noch ein paar Tage in einem kleineren Aquarium oder Käfig unterbringen. Schauen Sie hier, ob die Gruppe stabil bleibt. Ist das der Fall, können Sie sie größer oder in das frisch gereinigte, neutrale Endgehege setzen.
Zeigen Nager auch nach wochenlangen Vergesellschaftungsversuchen Animositäten, können Sie die Vergesellschaftung als gescheitert ansehen. Versuche, die Mäuse auf Teufel komm raus zusammen zu zwingen, können mit dem Tod einer Maus enden. Wenn sich Ihre Tiere überhaupt nicht verstehen, hilft es nur noch, wenn Sie ein anderes, charakterlich passendes Partnertier suchen.

Anschaffung

Bleiche Rennmaus an einer Kokosnuss
Bleiche Rennmäuse müssen Sie wahrscheinlich länger suchen

Haben Sie nach der Lektüre festgestellt, dass Bleiche Rennmäuse die richtigen Tiere für Sie sind, beginnt die Suche nach den passenden Tieren.
Bleiche Rennmäuse sind eher seltene Nager: Die Nachfrage im Tierheim oder in der Nothilfe lohnt aber trotzdem. Manchmal können Ihnen Nothelfer auch sagen, wo Sie Tiere bekommen, wenn sie vor Ort keine haben.

Wenn Sie im Tierschutz nicht fündig werden, ist ein seriöser Züchter die richtige Alternative. Er kann Ihnen etwas über das Wesen seiner Tiere erzählen und offene Fragen beantworten. Züchter finden Sie in Kleinanzeigen, Foren und auf verschiedenen Homepages.
Alternativ können Sie auf Messen und Börsen nach Ihren neuen Mitbewohnern suchen. Hier gilt jedoch besondere Vorsicht, da nicht alle Angebote auf einem solchen Event seriös sind. Nicht selten bekommen Sie auch kranke Tiere verkauft.

Seit einiger Zeit werden Bleiche Rennmäuse auch in Tierhandlungen angeboten. Vom Kauf dort sollten Sie hier allerdings Abstand nehmen. Die Gefahr, kranke, parasitenbehaftete und/oder schwangere Tiere zu erstehen, ist groß. Auch die Geschlechtsbestimmung ist in den Läden meist alles andere als sicher.

Für die Anschaffung Bleicher Rennmäuse sollten Sie je nach Gehegelösung für die Grundausstattung (Gehege, Einstreu, Inventar, Futter, Transportbox) 150 bis 350 Euro einplanen. Wenn Sie ein gebrauchtes oder defektes Aquarium erwerben, können Sie aber auch einiges an Geld sparen.
Die laufenden Kosten für ein Duo belaufen sich im Monat für Trocken- und Frischfutter sowie Sand auf etwa 30 Euro.

Artengesellschaft

Bitte bedenken Sie in jedem Fall: Artengesellschaften gehören immer in Hände erfahrener Halter und benötigen deutlich mehr Platz als die artreine Haltung!
Für eine Artengesellschaft sind Bleiche Rennmäuse nur bedingt geeignet, da sie sehr spezielle Ansprüche stellen. Am besten eignen sich dafür andere Gerbile, die ähnliche Ansprüche haben wie die Bleiche Rennmaus. Bedenken Sie jedoch: Andere Arten der Gattung Gerbillus können sich mit Bleichen Rennmäusen fortpflanzen! Auch Fettschwanz-Rennmäuse haben sich schon als sinnvolle Partnerart erwiesen.
Da jedoch nie eine 100%ige Garantie besteht, dass sich die beiden Arten auch vertragen, sollten Sie niemals Bleiche Rennmäuse für eine Artengesellschaft anschaffen, wenn Sie bei Nichtvertragen nicht auch die Möglichkeit haben, beide Arten getrennt zu halten.

Sie sollten beide Arten, die Sie vergesellen möchten, schon als artreine Gruppe längere Zeit gehalten haben und ausreichend über die Bedürfnisse und Eigenheiten beider Arten informiert sein. So vermeiden Sie Artenkombinationen, unter denen einige Bedürfnisse der Tiere leiden würden.
Das Gehege sollte eine Gesamtgrundfläche (Etagen eingerechnet) von mindestens 2 bis 4qm haben – je nachdem, welche Art sie dazu vergesellschaften möchten. Können Sie diese Grundbedingungen nicht sicherstellen, sollten Sie von einer Artengesellschaft absehen!

Weitere Informationen

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