Afrikanische Knirpsmaus

Junge Afrikanische Knirpsmaus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Überblick

Herkunft: warme, ganzjährig Wasser liefernde Gebiete Afrikas
Sozialverhalten: Großgruppentier – Haltung in selbstregulierenden Familiengruppen
Aktivitätszeit: dämmerungs- und nachtaktiv
Minimale Gehegegröße: 100x50x50cm für 12 Tiere, ab 1,5qm für Familiengruppen
Handling: schnelle, eher scheue, sehr kleine Tiere
Ernährung: Saaten und Getreide, Insekten, Gräser und Kräuter, Gemüse, Obst
Größe und Gewicht: 3 – 4cm + 4 – 5cm, 5 – 6g
Geschlechtsreife: 5 – 7 Wochen
Tragzeit: 19 – 21 Tage
Besonderheiten: Die Haltung in Familiengruppen entspricht dem natürlichen Verhalten der Tiere und sollte daher bevorzugt werden.

Systematik und Biologie Ampelmaus rot - schwierige Art

Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Überfamilie: Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
Unterfamilie: Echte Mäuse (Murinae)
Gattung: Mus
Art: Afrikanische Knirpsmaus (Mus minutoides)

Die Knirpsmaus wird in Deutschland auch unter dem Namen „Afrikanische Zwergmaus“ gehandelt.

Wildtier Knirpsmaus

Zehn Arten der Knirpsmaus leben in ganz Afrika südlich der Sahara. Die bei uns gehaltenen Exemplare von Mus minutoides entstammen der Region von Südafrika über Zimbabwe bis Mosambik.
Viele Exemplare wurden wahrscheinlich aus Swaziland importiert. Daher können Sie sich bei der Haustierhaltung auch an den Bedingungen dieses Landstriches orientieren. Es handelt sich bei dem Gebiet um sommerfeuchte Tropen mit Savannen. Die typische Vegetation ist also eine Mischung aus Bäumen und geschlossener Grasdecke. Die winterliche Trockenzeit dauert je nach Region drei bis sieben Monate. In der Regenzeit blüht die Vegetation sehr schnell auf und zehrt lange von dem Wasser, das der weit verbreitete Lehmboden gut zu halten vermag. Die Niederschlagsmenge variiert je nach Gebiet zwischen 500 mm im östlichen Tiefland und 2000 mm im westlichen Hochland. Die Durchschnittstemperaturen liegen bei 16 bis 22 °C.
Das Auftreten der Knirpsmaus ist immer an das Vorhandensein von Wasser gebunden. Außerdem findet man die Tiere selten bis nie in vegetationslosen Bereichen. Als Kulturfolger suchen sie gerne die Nähe von Anbaugebieten und menschlichen Siedlungen, wo sie auch als Ernteschädling von Bedeutung sind.
Knirpsmäuse legen ihre Nester meist direkt unterhalb der Grasnarbe, aber auch in der Grasschicht an und bewohnen sie dort in größeren Gruppen und Familienverbänden. Permanente Nester wurden aber auch in hohlen Bäumen in Bodennähe gefunden. Die Ausdehnung der unterirdischen Gänge korreliert meist mit der Größe des Familienverbandes.

Knirpsmaus auf einer Kokosnuss
Knirpsmäuse sind die kleinsten Nager der Welt

Anatomie und Erscheinung

Die Knirpsmaus ist mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 3 bis 4 cm, einem schmalen, unbehaarten Schwanz von 4 bis 5 cm Länge und einem Gewicht von 5 bis 6 g eines der kleinsten Nagetiere der Welt. Die Weibchen sind dabei geringfügig größer als die Männchen.
In der Wildform sind die Tiere auf der Oberseite rotbraun, auf der Bauchunterseite weiß. Es gibt in der Haustierhaltung aber inzwischen auch so genannte blaue Knirpsmäuse, die auf der Oberseite eine dunklere Färbung aufweisen.
Die relativ großen Augen weisen sie als eher nachtaktive Nager aus.

Die Knirpsmaus als Haustier

Eignung

Knirpsmäuse im Nest
Knirpsmäuse sind sehr spezielle Pfleglinge – nicht nur aufgrund ihrer Größe

Knirpsmäuse dürfen wie fast alle Mäuse niemals einzeln gehalten werden! 10 Tiere sollte eine Gruppe mindestens umfassen, besser ist ein Dutzend oder noch mehr, da sich die winzigen Tiere erst in dieser Gruppenstärke überhaupt wohl fühlen.
Ideal für Knirpsmäuse ist die Haltung im selbstregulierenden Familienverband, was ihre Haltung neben der geringen Größe und den damit verbundenen Problemen anspruchsvoller und die Tiere für Anfänger wenig geeignet macht. Diese Verbände können sehr groß werden und bedürfen spezieller Pflege, um gesund zu bleiben.
Im Gegensatz zu einigen anderen Mäusearten riechen sowohl die männlichen als auch die weiblichen Tiere kaum.
Allerdings sind die nachtaktiven Nager reine Beobachtungstiere und werden auch eher selten futterzahm. Die Mäuse mögen es gar nicht, angefasst zu werden.
Am glücklichsten wird mit ihnen also ein etwas erfahrenerer Halter werden, der Spaß an der Gestaltung des Geheges hat und seine Tiere lediglich beobachten möchte.
Für Kinder sind Knirpsmäuse schon aufgrund der geringen Größe keine geeigneten Haustiere!

Handhabung

Knirpsmäuse sind keine Kuscheltiere. Überhaupt sollten Sie es nach Möglichkeit vermeiden, die Tiere anzufassen. Aufgrund ihrer geringen Größe können Sie den Mäusen bei unsachgemäßer Behandlung leicht innere Verletzungen zufügen.
Zum Umsetzen zu Hause können Sie die Nager mit einer Transportbox oder Schachtel einfangen. Für die Geschlechterbestimmung setzen Sie die Knirpsmäuse am besten in eine durchsichtige Transportbox und betrachten sie von unten.
Beim Tierarzt wird das Handling aufgrund der geringen Größe der Tiere schwierig. Für genauere Untersuchungen, sollten Sie die Tiere im Nackengriff fassen. Das erfordert bei den kleinen Tieren allerdings etwas Feingefühl und Übung, um sie nicht zu verletzen. Verzichten Sie auf Berührungen der Mäuse, wenn diese nicht unbedingt notwendig sind. Benutzen Sie zum Betrachten der Tiere in der Praxis ebenfalls eine durchsichtige Transportbox.
Entflohene Exemplare fangen Sie am besten mit der Hand, einer Transportbox oder der Triptrap wieder ein.

Sozialstruktur und Verhalten

Gruppe von Knirpsmäusen
Knirpsmäuse fühlen sich nur in der Großfamilie wirklich wohl

Die dämmerungs- und nachtaktiven, oft recht scheuen Nager sind hochsoziale Tiere. Oft liest man von Grüppchen von 3, 4 oder 5 Tieren, die gehalten werden. Dem Naturell dieser Tiere entspricht dies jedoch keinesfalls!
Die einzig ideale Haltung ist die in einer selbstregulierenden Familiengruppe. Die Basis für eine solche Gruppe sollten 10 oder mehr Mäuse beiderlei Geschlechts sein, wobei mindestens die Hälfte Weibchen sein sollten. Vermeiden Sie den Aufbau einer Gruppe mit nur einem Pärchen oder einer Gruppe, die nur ein Männchen hat. Dies reduziert den Genpool unnötig stark.
Diese Basisgruppe vermehrt sich anfangs recht zügig. In einem Bereich von etwa 45 bis 55 Tieren pendelt sich die Gruppengröße im Durchschnitt ein und bleibt auch recht stabil. Manche Gruppen pendeln sich aber auch erst bei 70 oder mehr Mäusen ein. Die Gruppe wächst also in der Regel nicht uferlos weiter. Ich habe allerdings auch schon von 2 Gruppen erfahren, die rund 150 Tiere umfassen.

Der Vorteil dieser Haltungsform ist der, dass sie dem Naturell der Mäuse sehr entgegen kommt. Zudem vermeiden Sie Stress und Zoff, die bei einer Vergesellschaftung zum Erhalt der Gruppengröße unweigerlich entstehen. Von Vielen als Nachteil angesehen wird die Tatsache, dass kranke Tiere sofort aus der Gruppe und damit aus der Vermehrung entfernt werden müssen.  Auch ältere Tiere, die von der Gruppe manchmal gemobbt werden, müssen Sie herausnehmen. Andernfalls wird die Gruppe sie so lange angreifen, bis sie an ihren Verletzungen oder dem Stress sterben. Die einzig sinnvolle Lösung ist hier, die kranken oder alten Tiere zu verfüttern. Das Auskoppeln von Minigruppen für Kranke oder Senioren entspricht nicht dem Naturell der Mäuse. Sie tun den Tieren damit keinen Gefallen. Daher ist diese für die Nager beste Haltungslösung für viele Menschen auch die abschreckendste. Überlegen Sie sich daher vorher gut, ob sie den Tieren voll und ganz gerecht werden können und wollen!

Auch die gleichgeschlechtliche Haltung ist möglich. Hier sollten es mindestens ein Dutzend Tiere sein. Diese Haltungsform ist jedoch problematisch, da zum einen vor allem reine Männergruppen zu Streit neigen und zum anderen immer wieder Tiere dazu vergesellschaftet werden müssen, was immer die Gefahr des Zerbrechens der Gruppe birgt und zudem enormer Stress für die Tiere ist. Diese Haltungsform ist daher eher ein Notbehelf als eine Ideallösung.

Stress ist auch insofern problematisch, als dass er die Ursache für Instabilität und Aggressionen in der Gruppe sein kann. Eine stabile, geschützte Umgebung ist für Knirpsmäuse daher besonders wichtig.

Verletzte Knirpsmäuse
So kann das Ergebnis eines Vergesellschaftungsversuchs oder geschlechtergetrennter Haltung aussehen

Leider sind gerade die vergesellschafteten, gleichgeschlechtlichen Gruppen auch nicht immer stabil. Besonders bei der Neuanschaffung kann es zu aggressivem Verhalten kommen, da Sie meist keine komplette bestehende Gruppe übernehmen, sondern nur einen Teil. Dadurch wird die aktuelle Rangordnung zerstört und die Tiere kämpfen eine neue aus. Auch beim Tod hochrangiger Tiere kann es zu Problemen in der Gruppe kommen. Diese Probleme treten auch in selbst regulierenden Gruppen auf, sind jedoch deutlich seltener und regeln sich meist selbst wieder ein.
Ist eine Gruppe nicht ganz stabil, sollten Sie beim Ausmisten höchstens die Hälfte der Einstreu wechseln. Entfernen Sie aber auch bei stabilen Gruppen immer nur einen Teil. So erhalten Sie den Gruppengeruch im Revier der Tiere und vermeiden, dass Streitereien entstehen oder ausufern.

Haben Sie Nachwuchs bei Ihren Knirpsmäusen, vermeiden Sie jede unnötige Störung im Gehege, da die Tiere darauf sehr schnell mit der Vernichtung des gesamten Wurfes reagieren.
Die Mäuse können Sie am besten nach Einbruch der Dunkelheit beobachten. Dazu eignet sich eine Rotlicht- oder Mondlichtlampe. So stören Sie die Tiere nicht, während diese geschäftig ihrem Nachtwerk nachgehen. Viele Gruppen lassen sich nach einer gewissen Zeit aber auch nicht mehr von der Zimmerlampe stören.

Haltung

Für Knirpsmäuse erstellter Eigenbau
Für Knirpsmäuse erstellter Eigenbau

Da Knirpsmäuse wirklich winzige Tiere sind, lassen sich viele Halter dazu verleiten zu glauben, die Tiere bräuchten nicht viel Platz. Manche Quellen gehen für 2 bis 5 Tiere von Gehegemindestmaßen zwischen 30x30x40cm und 60x30x30cm aus. Für die flinken, sehr bewegungsfreudigen Nager ist das jedoch zu wenig. Gleichgeschlechtliche Gruppen von ca. 12 – 15 Tieren fühlen sich erst ab einer Gehegegröße von 100x50x50cm wohl. Artgerechte Familiengruppen brauchen mindestens 1,5qm Grundfläche.

Geeignet für die Haltung von Knirpsmäusen sind Aquarien, Terrarien, umgebaute Schränke und Eigenbauten. Bei Eigenbauten und Schränken sollten Sie auf die im wahrsten Sinne lückenlose Verarbeitung achten, da die Tiere auch durch kleine Ritzen passen. Als Drahtgeflecht zum Bespannen ist Maschendraht mit einer Maschenweite von 0,6cm geeignet. Käfige mit Parallelgitter sind dagegen grundsätzlich ungeeignet. Terrarien haben den Vorteil, dass Sie nicht wie ein Raubtier von oben auf die Tiere greifen müssen. Sie sind aber in der passenden Größe (bei Familiengruppen) recht teuer und sehr unhandlich. Beim Aquarium müssen Sie wie ein Beutegreifer von oben auf die Tiere fassen, was Stress für diese bedeutet. Ansonsten ist auch ein solches recht gut für die Haltung der winzigen Mäuse geeignet. Jedoch braucht es unbedingt eine Abdeckung mit Maschengitter, da die Mäuse sonst raus springen. Bei der Haltung in Glasterrarien und Aquarien sollten Sie mindestens 2, besser 3 Seiten mit einem Sichtschutz von innen oder außen versehen. Das kann zum Beispiel eine Beklebung von außen sein oder Sie hängen die Wände mit Jutesäcken von innen ab, die die Tiere dann auch noch beklettern können.

Knirpsmaus auf dem Laufteller
Laufräder und Laufteller sind bei Knirpsen überaus beliebt

Die Temperatur im Gehege sollte mindestens punktuell 20 bis 25°C betragen. Bei Terrarien und Aquarien können Sie bei Bedarf kleine Heizmatte (z. B. Thermolux 7 Watt) unter einer Ecke des Geheges legen. Eine Nachtabsenkung der Temperatur ist nicht unbedingt notwendig, fördert aber den natürlichen Rhythmus. Achten Sie darauf, dass die Heizkraft der Matte der Größe des Geheges angepasst ist, da sonst die Gefahr der Überhitzung besteht.

Die Einstreu aus Kleintierstreu oder Leinstreu und Heu oder auch anderen Untergründen wie Erde oder Kokoshumus, sollte zwischen 10 und bis 20 cm hoch aufgeschüttet sein, sodass die Tiere darin ihre Gänge und Wohnhöhlen anlegen können. Entgegen manchen Quellen graben die Tiere nämlich recht gern. Erde wird als Untergrund sehr gern angenommen. Sie muss immer leicht feucht gehalten werden, damit sie nicht staubt. Achten Sie daher darauf, dass die Tiere trockene Rückzugsflächen finden.

Bei der Einrichtung sind Ihrer Phantasie kaum Grenzen gesetzt. Verwenden können Sie für Verstecke Gegenstände aus allen möglichen Naturmaterialien, wie etwa Kork, Blumentöpfe, Kokosnüsse, Nagerhäuschen, o.ä. Dinge. Auch ein Sandbad wird gerne, wenn auch oft als Toilette, angenommen. Zum Baden wird es nicht genutzt, da Knirpsmäuse ihr Fell nicht mit Sand pflegen.
Bieten Sie den kleinen Nagern Äste und Korkröhren an, zeigen die sich mitunter deutlich kletterfreudiger, als man ihnen gemeinhin nachsagt.

Außerdem gehören mindestens zwei Futternäpfe zur Ausstattung – für jede Futtersorte einer. Sie können das Körnerfutter auch frei ohne Schüssel im Gehege verteilen. Das entspannt die Nahrungsaufnahme vor allem für ältere und rangniedrige Tiere und beschäftigt die Mäuse länger. Möchten Sie einen Überblick haben, wie viel die Familie wirklich frisst, sollten sie bei größeren Gruppen mehrere Schüsseln an verschiedenen Plätzen anbieten.
Ebenfalls zur Grundausstattung gehört ein Wassernapf und/oder eine gut nachlaufende Wasserflasche bzw. Vogeltränke zur Grundausstattung. Möchten Sie Wasserflaschen anbieten, so bedenken Sie, dass die kleinen Tiere die Kugeln von Kugeltränken nicht bewegen können. Diese sind für sie zu schwer. Es bietet sich also eine Nippeltränke aus Glas an. Überprüfen Sie regelmäßig, ob diese auch ordnungsgemäß nachläuft, um Wassermangel und seinen Folgen, wie etwa Kannibalismus zu Flüssigkeitsgewinnung, vorzubeugen. Die Kompromisslösung zwischen Wasserflasche und Schüssel ist die Vogeltränke. Hier ist eine permanente Versorgung immer gesichert, ohne dass die Mäuse das Wasser allzu leicht verschmutzen können.

Wenn Sie möchten, können Sie das Gehege bepflanzen. Wollen Sie es dauerhaft komplett begrünen, sollte das Gehege sehr groß sein und eine sehr geringe Besatzdichte (= Mäuse je qm) aufweisen, da die Nager die Vegetation sonst über kurz oder lang komplett zerstören. Eine Alternative sind Pflanzen in Hydrokultur. Hier müssen Sie den Topf vergittern, da sich die Tiere sonst zwischen den Wurzeln gern einnisten. Topfpflanzen haben zudem den Vorteil, dass Sie sie zeitweise aus dem Gehege entfernen können, damit sie sich erholen können. Zur Bepflanzung geeignet sind beispielsweise Grünlilie, Hibiskus, Schilf, Hafer und andere Getreide, Gemeiner Beifuß, Stacheldistel oder Gemeines Knaulgras. Achtung, neue Topfpflanzen können mit Insektiziden und oder Dünger behandelt sein. Duschen Sie diese Pflanzen daher gründlich ab und pflanzen Sie sie um.
Wenn Sie Ihre Mäuse in einem Terrarium oder Aquarium halten, achten Sie dabei auf ausreichend große Lüftungsflächen bei der Bepflanzung. Sonst sammeln sich nachts Wasser und Kohlendioxid und stauen sich im Gehege. In Volieren oder anderen Eigenbauten mit großen Gitterflächen entfällt dieses Problem.

Ernährung

Knirpsmäuse im Futternapf
Knirpsmäuse müssen immer ausreichend Futter zur Verfügung haben

Je kleiner ein gleichwarmes Tier ist, umso höher ist sein Energiebedarf in Relation zur Körpermasse. Für die winzigen Knirpsmäuse bedeutet das, dass sie sehr schnell verhungern können. Sie müssen also immer ausreichend Futter zur Verfügung stellen. Schon kurze Phasen von Futtermangel können fatale Folgen haben.
Als Grundfutter eignet sich eine Mischung aus Exotenfutter, Unkrautsamen, Grassamen, Wildsaaten und anderen Feinsämereien. In diese Basis können Sie auch geringe Mengen Kräuter, getrocknetes Gemüse oder größere Saaten wie Kürbiskerne und größere Getreide mischen. Achten Sie jedoch darauf, nicht zu viele fettreiche Sämereien zu verfüttern.
Sie können die Knirpsmäuse ihr Futter auch erarbeiten lassen, indem Sie Hirsekolben, -rispen oder Fruchtstände von Gräsern anbieten. Diese werden gern angenommen.
Heu und getrocknete Gräser werden primär zum Nestbau verwendet, in kleineren Mengen fressen es die Mäuse aber auch. Wegen ihres Ballaststoffgehaltes sollten Sie sie also auf alle Fälle mit anbieten.

Die meisten Knirpsmäuse mögen Grünfutter wie (wenig!) Obst, Gemüse und sonstiges Frischfutter nicht allzu sehr. Hier fressen sie sehr selektiv und auch nicht immer das Gleiche. Ist Montags Möhre in, kann sie schon am Dienstag liegen bleiben. Dafür fressen die Tiere dann vielleicht Vogelmiere oder Paprika. Anbieten sollten Sie abwechslungsreiches Feuchtfutter auf jeden Fall. Die Ernährungsgewohnheiten der Tiere unterliegen saisonalen Schwankungen und die Präferenzen der Mäuse können sich unter Umständen radikal ändern. Manche Halter berichten, dass sehr klein geschnittenes Frischfutter besser angenommen wird.
Bevorzugt werden von den Knirpsen vor allem Gräser, Kräuter und Blätter, da dies der natürlichen Diät dieser Mausart am nächsten kommt. Mögen die Nager also das Gemüse partout nicht, können Sie es mit verschiedenen Süßgräsern und ähnlichem Grün versuchen.

Unverzichtbar ist auch das Eiweißfutter, das Sie den Nagern in Form von lebenden oder getrockneten Insekten anbieten können. Geeignet sind beispielsweise Mehlwürmer, Heimchen, kleine Engerlinge, Käfer und Heuschrecken. Fehlt den Tieren die Eiweißkomponente im Futter ganz oder füttern Sie zu wenig, kommt es zu einem Proteinmangel. Der kann sich durch Anfressen der Ohren und Schwänze bei erwachsenen Tieren und dem Fressen ganzer Jungtiere äußern.

Eine permanente Wasserquelle muss den Tieren immer zugänglich sein, da ihr Stoffwechsel sehr schnell ist. Sie können deshalb auch bei kurzzeitigem Mangel an Wasser organische Schäden davontragen. Zudem töten die Tiere bei Wassermangel schnell Artgenossen, um aus ihnen die lebensnotwendige Flüssigkeit aufzunehmen.

Junge Afrikanische Knirpsmäuse
Junge Afrikanische Knirpsmäuse

Fortpflanzung

Afrikanische Knirpsmäuse bringen drei- bis viermal im Jahr nach 19 bis 21 Tagen Tragzeit zwischen 2 und 8, meist 4 bis 5, nackte und blinde Jungtiere mit einem Geburtsgewicht von knapp 1g zur Welt.
Am 5. Tag beginnt die Pigmentierung der Haut, am 7. Lebenstag brechen die winzigen Nagezähne durch. Auch das Fell beginnt zwischen dem 6. und 8. Tag zu wachsen. Im Alter von 12 bis 14 Tagen beginnen die kleinen Knirpsmäuse ihre Augen zu öffnen. Zwischen dem 14. und 18. Lebenstag ist das graue Jugendfell voll ausgebildet. Ab dem 17. Tag werden die Jungen langsam von der Muttermilch entwöhnt. Die Geschlechtsreife erreicht der Nachwuchs dann im Alter von 5 bis 7 Wochen.
Die durchschnittliche Lebenserwartung der winzigen Nager beträgt etwa 2 Jahre.

Krankheiten

Verletzte Knirpsmäuse
Frische Verletzungen sollten mit Chlorhexidinpuder abgedeckt werden

Obwohl Knirpsmäuse als Exoten recht robust in der Gesundheit sind, sollten Sie auch hier gut Sorge für Ihre Schützlinge tragen, denn die Tiere sind ziemlich stress- bzw. störungsempfindlich. Das kann sich in einem angeschlagenen Allgemeinzustand, Jungtierfressen und ähnlichem äußern und ist durch konsequente Ruhe für die Tiere am besten zu beheben.

Durch den schnellen Stoffwechsel können schon kurze Hunger- und Durstphasen von wenigen Stunden ernsthafte, gesundheitliche Schäden hinterlassen. Achten Sie daher immer darauf, dass Futter und Wasser für die Tiere jederzeit in ausreichender Menge erreichbar sind.

In unruhigen Gruppen, bei nicht ganz fitten Tieren oder während Vergesellschaftungen kann es auch zu teils großflächigen Bissverletzungen kommen. In der Regel heilen sie gut wieder ab. Sie sollten am besten nicht abgedeckt oder anderweitig behandelt werden, da sie meist von selbst wieder abheilen. Großflächige Wunden sollten Sie mit einem Wundpuder (z.B. Chlorhexidinpuder) abdecken. Das lässt sich auch ohne Berührung der Mäuse recht einfach applizieren. Beobachten Sie die Wunden immer gut, um Entzündungen, die Antibiotikabehandlungen erfordern können, rechtzeitig zu erkennen.

Knirpsmäuse sind recht inzuchttolerant. Wenn Sie eine gemischte Gruppe sich jedoch zu lange ohne konsequente Selektion vermehren lassen, können Inzuchtschäden auftreten. Diese äußern sich beispielsweise in vermehrtem Auftreten von struppigem Fell und buckliger Körperhaltung. Diese Tiere sollten in jedem Fall von der Vermehrung ausgeschlossen werden!

Und auch wenn Knirpsmäuse bei richtiger Haltung und Fütterung eher selten krank werden, sollten Sie sich eine finanzielle Rücklage für veterinärmedizinische Notfälle von etwa 100 Euro schaffen.

Vergesellschaftung

Afrikanische Knirpsmaus
Vermeiden Sie Vergesellschaftungen, wenn es irgend geht

Während die Vergesellschaftung junger Knirpsmäuse recht einfach ist, kann sie sich bei adulten Tieren durchaus schwierig gestalten. Kombinieren Sie hier am besten den neutralen Boden eines schon recht großen Geheges mit der Etappenmethode. So können sich die Tiere in einem leeren, nur mit Streu ausgelegten, kleineren Aquarium kennenlernen. Bleibt die Gruppe friedlich, können Sie sie langsam mit 2 bis 3 Häuschen einrichten. Sind die Mäuse auch mit Einrichtung streitfrei, können Sie sie langsam mitsamt der bekannten Einrichtung Stück für Stück größer setzen. Wichtig ist hierbei, dass Sie immer die benutzte Streu in mitnehmen, wenn Sie das Gehege wechseln. Je nach Endgröße des Geheges reichen etwa 3 Stufen aus.

Bei Böcken kommt es in der Vergesellschaftung öfter zu Problemen als bei Weibchen. Auch haben sich zu kleine Vergesellschaftungsbehältnisse (ca. A-4-Größe) bei Männchen als problematisch erwiesen. Die sogenannte „Panikbox“ ist für Knirpsmäuse also nicht geeignet, da es hier vermehrt zu Aggressionen kommt. Böckchenvergesellschaftungen sollten Sie also nach Möglichkeit immer von einem knirpsmauserfahrenen Halter durchführen oder zumindest begleiten lassen. Doch auch dan ist die Wahrscheinlichkeit nicht gerade klein, dass die Vergesellschaftung scheitert. Etwa 90% aller Männchengruppen finden sich gar nicht erst oder zerfallen in den darauffolgenden 6 Monaten wieder.

Neben der Vergesellschaftung kann auch die Trennung der Geschlechter für eine vorher friedliche, gemischte Gruppe schwierig werden. Vor allem die Männchen neigen dann zu Aggressionen gegeneinander. Diese können sie weit gehen, dass die Männchengruppe in mehrere Gruppen zerfällt und getrennt werden muss. Weniger intensiv, jedoch vergleichbar gestaltet sich das Problem bei Weibchen. Hier zerfallen etwas 60-70% aller Gruppen früher oder später.

Anschaffung

Junge Knirpsmaus
Schauen Sie genau hin, wo Sie Ihre Mäuse adoptieren

Glauben Sie, dass Knirpsmäuse geeignete Haustiere für Sie sind? Dann haben Sie mehrere Möglichkeiten, woher Sie ihre Tiere beziehen können.
Im Tierschutz sind die winzigen Gesellen eher seltene Gäste. Nachfragen lohnt sich aber vor allem bei privaten Notstationen sowie bei Tierheimen größerer Städte. Werden Sie hier nicht fündig, sollte Ihr nächster Gang zu einem seriösen Züchter führen. Auch auf diversen Messen sind die kleinen Nager zu finden. Schauen Sie sich die angebotenen Tiere hier gründlich an, ob diese gesund sind. Denn gerade auf Messen tummeln sich oft schwarze Schafe, die kranke und alte Tiere verkaufen. Von einem Mitleidskauf der oft in Grillenschachteln angebotenen Mäuse rate ich dringend ab!
In Zoohandlungen finden Sie die possierlichen Nager (leider) immer öfter. Ein Kauf kann für Sie hier recht unproblematisch sein. Wahrscheinlicher ist es aber, dass Sie sich Probleme einhandeln, etwa kranke oder parasitenverseuchte Tiere oder instabile (Teil)Gruppen. Zudem ist die Beratung hier – ähnlich wie auf Messen – meist mangelhaft oder gar falsch.

Je nachdem, welche Gehegelösung und welche Einrichtung Sie wählen, kostet eine Erstausstattung für Knirpsmäuse (Gehege, Streu, Inventar, Transportbox) zwischen 100 und 350 Euro. Der monatliche Unterhalt für Streu, Nass-, Trocken- und Lebendfutter liegt je nach Gruppengröße bei etwa 20 Euro im Monat.

Artengesellschaft

Bitte bedenken Sie in jedem Fall: Artengesellschaften gehören immer in Hände erfahrener Halter und benötigen deutlich mehr Platz als die artreine Haltung!
Für eine Artengesellschaft sind Knirpsmäuse aufgrund ihrer geringen Größe nicht geeignet. Einzige Ausnahme: Eine Vergesellschaftung mit Eurasischen Zwergmäusen. Da die Tiere ähnlich groß sind, ist hier eine Gesellschaft möglich und den Erfahrungswerten nach sehr friedlich. Die Mäuse haben ähnliche Ernährungsanforderungen, aber einen stark unterschiedlichen Aktivitätsrhythmus (Eurasische Zwergmäuse sind tagaktiv) und auch sehr unterschiedliche Ansprüche an ihre Umgebung. Beiden Arten können Sie am besten in einer großen Voliere (Mindestgrundfläche 1,5qm, Mindesthöhe 100cm) gerecht werden, die beiden Arten Nischen bietet.

Ein Testlauf mit der nächsten Verwandtschaft, nämlich Farbmäusen, war weniger erfolgreich. Zwar nehmen manche Farbmäuse Knirpse als Partnerart an und interagieren auch mit ihnen wie mit Artgenossen. Jedoch scheint die Gesellschaft für Knirpsmäuse trotzdem nicht geeignet. Im Testfall wurden rausgemobbte Solo-Knirpse vergesellschaftet, die jedoch schon nach wenigen Wochen trotz liebevoller Farbmauskollegen verstarben. Zudem birgt der Größenunterschied die Gefahr, dass bei Nichvertragen schon in Sekunden bei den Knirpsmäusen in Kämpfen tödliche Verletzungen entstehen.

Schaffen Sie niemals Knirpsmäuse für eine Artengesellschaft an, wenn Sie bei Nichtvertragen nicht auch die Möglichkeit haben, beide Arten getrennt zu halten.
Sie sollten beide Arten auch schon als artreine Gruppe längere Zeit gehalten haben und ausreichend über deren Bedürfnisse und Eigenheiten informiert sein. So vermeiden Sie, dass grundlegende Bedürfnisse der Tiere in der Artengesellschaft leiden.
Können Sie diese Grundbedingungen nicht sicherstellen, sollten Sie von einer Artengesellschaft in jedem Fall absehen!

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